Management von Hämatemesis beim Neugeborenen
Bei einem Neugeborenen mit Hämatemesis sollte sofort eine umfassende Beurteilung mit Stabilisierung der Vitalfunktionen erfolgen, gefolgt von der Gabe von Frischplasma (FFP) in einer Dosis von 10-20 ml/kg als erste Behandlungsmaßnahme.
Sofortige Maßnahmen
- Sicherstellen der Atemwege und Sauerstoffgabe nach Bedarf
- Venösen Zugang etablieren
- Laboruntersuchungen durchführen:
- Blutbild mit Thrombozyten
- Gerinnungsparameter (PT, aPTT, Fibrinogen)
- Blutgruppe und Kreuzprobe
Diagnostischer Algorithmus
Beurteilung des hämodynamischen Status:
- Herzfrequenz, Blutdruck, Kapilläre Füllungszeit, Urinausscheidung
- Bei Anzeichen eines Schocks: Flüssigkeitsbolus mit isotonischer Kochsalzlösung (10 ml/kg) 1
Gerinnungsdiagnostik:
- Bei abnormalen Gerinnungswerten: FFP 10-20 ml/kg verabreichen 2
- Spezifische Faktorenanalyse durchführen (Faktoren VIII, IX, XI, XII)
Weitere Diagnostik nach Stabilisierung:
- Obere Endoskopie, wenn Blutung anhält oder wiederkehrt
- Abdominelle Sonographie zum Ausschluss anderer Ursachen
Behandlungsalgorithmus
Bei hämodynamischer Instabilität:
- Flüssigkeitsreanimation mit isotonischer Kochsalzlösung oder Kolloiden bis zu 60 ml/kg 1
- Bei Hämoglobin <12 g/dl: Transfusion von Erythrozytenkonzentrat erwägen 1
- Bei Gerinnungsstörungen: FFP 10-20 ml/kg 2
Bei stabilen Patienten:
- Gerinnungsparameter korrigieren
- Nach spezifischer Ursache suchen
- Konsultation eines pädiatrischen Hämatologen 2
Spezielle Überlegungen
Bei Verdacht auf Methämoglobinämie:
- Bei symptomatischen Patienten Methämoglobinspiegel bestimmen
- Behandlung mit Methylenblau 1-2 mg/kg bei symptomatischer Methämoglobinämie 1
Bei Verdacht auf Sepsis:
- Breitspektrum-Antibiotika beginnen
- Hämodynamische Unterstützung nach pädiatrischen Sepsis-Richtlinien 1
Bei Verdacht auf arterielle Thrombose:
- Therapeutische Dosen von unfraktioniertem Heparin (UFH) als Initialtherapie 1
- Bei lebensbedrohlicher Thrombose, die nicht auf Heparin anspricht: Thrombolyse erwägen 1
Wichtige Hinweise und Fallstricke
- Die Hämatemesis beim Neugeborenen kann das erste Anzeichen einer schwerwiegenden Grunderkrankung sein und erfordert eine sofortige Beurteilung
- Nicht alle Fälle von Hämatemesis erfordern eine interventionelle Behandlung; in einer Studie bei Erwachsenen hörten 88% der Blutungen spontan auf 3
- Die Überwachung der Vitalzeichen ist entscheidend, da abnormale Muster als Frühwarnzeichen für eine Sepsis dienen können 4
- Bei Neugeborenen mit Hämatemesis sollte immer an seltene Erkrankungen wie eosinophile Gastroenteritis gedacht werden 5
Die Prognose hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache, dem Ausmaß der Blutung und begleitenden Erkrankungen ab. Eine frühzeitige und angemessene Intervention kann die Morbidität und Mortalität erheblich reduzieren.