Vorgehen bei Blutauflagerungen im Stuhl eines Säuglings
Bei einem Säugling mit Blutauflagerungen im Stuhl sollte zunächst die Schwere der Blutung beurteilt werden, wobei die meisten Fälle gutartig und selbstlimitierend sind und keine sofortige Intervention erfordern, sofern der Säugling klinisch stabil ist. 1
Erstbeurteilung
Klinische Beurteilung:
- Vitalparameter überprüfen (Herzfrequenz, Atemfrequenz, Hautfarbe)
- Hydratationszustand beurteilen (Schleimhäute, Hautturgor, Urinausscheidung)
- Ausmaß der Blutung einschätzen (Streifenförmig oder massiv)
- Begleitende Symptome erfassen (Durchfall, Erbrechen, Fieber)
Wichtige Differentialdiagnosen:
- Verschlucktes Mütterliches Blut (Melena neonatorum) - häufig bei Neugeborenen 2
- Kuhmilchproteinallergie - tritt bei etwa 18% der Säuglinge mit Blutauflagerungen auf 1
- Infektiöse Kolitis - viral oder bakteriell
- Anale Fissuren
- Seltenere Ursachen: Nekrotisierende Enterokolitis, Invagination, Meckel-Divertikel
Diagnostisches Vorgehen
Bei klinisch stabilem Säugling:
- Stuhluntersuchung: Hämoccult-Test, mikrobiologische Untersuchung
- Alkali-Denaturierungstest: Bei Neugeborenen zur Unterscheidung zwischen mütterlichem und kindlichem Blut 2
- Blutbild: Zur Beurteilung einer möglichen Anämie oder Entzündungszeichen
- Gerinnungsparameter: Bei Verdacht auf Gerinnungsstörungen 3
Bei klinisch instabilem Säugling oder anhaltender Blutung:
- Abdomenübersichtsaufnahme: Zum Ausschluss einer Obstruktion oder Pneumatosis intestinalis 3
- Endoskopie: Bei anhaltender Blutung zur direkten Visualisierung der Schleimhaut 4
Therapeutisches Vorgehen
Bei leichter Blutung und stabilem Zustand:
- Beobachtung: Die meisten Fälle sind selbstlimitierend mit einer durchschnittlichen Dauer von 24 Tagen 1
- Ernährungsumstellung bei Verdacht auf Kuhmilchproteinallergie:
- Bei gestillten Säuglingen: Kuhmilchfreie Diät der Mutter für 4 Wochen 5
- Bei Flaschenkindern: Wechsel auf extensiv hydrolysierte Formelnahrung
Bei schwerer Blutung oder instabilem Zustand:
- Flüssigkeitsersatz: Intravenöse Flüssigkeitszufuhr zur Kreislaufstabilisierung 6
- Bluttransfusion: Bei Hämoglobinwert <7 g/dL oder hämodynamischer Instabilität 6
- Korrektur von Gerinnungsstörungen: Bei verlängerten Gerinnungsparametern 3
Besondere Situationen
Bei Neugeborenen:
- Vitamin-K-Status überprüfen: Bei fehlender oder unzureichender Vitamin-K-Prophylaxe nach der Geburt kann eine Vitamin-K-Mangel-Blutung auftreten 3
- Auf Anzeichen einer nekrotisierenden Enterokolitis achten: Bauchblähung, Erbrechen, Verschlechterung des Allgemeinzustands 4
Bei älteren Säuglingen:
- Nahrungsmittelallergien evaluieren: Besonders bei Einführung neuer Nahrungsmittel
- Infektionen ausschließen: Besonders bei begleitendem Durchfall oder Fieber
Wann zum Spezialisten überweisen?
- Anhaltende Blutung >48 Stunden
- Begleitende Symptome wie Fieber, Erbrechen, Lethargie
- Zeichen einer Anämie oder hämodynamische Instabilität
- Verdacht auf anatomische Anomalien oder entzündliche Darmerkrankungen
Prognose
Die Prognose ist in den meisten Fällen ausgezeichnet. Studien zeigen, dass rektale Blutungen bei Säuglingen typischerweise gutartig und selbstlimitierend verlaufen, mit einer durchschnittlichen Dauer von 6 Tagen mit Blutauflagerungen und einer Gesamtdauer der Symptomatik von etwa 24 Tagen 1.
Wichtige Hinweise
- Nicht übertherapieren: Die meisten Fälle sind selbstlimitierend und benötigen keine invasive Diagnostik oder Therapie
- Eltern beruhigen: Aufklärung über den meist harmlosen Verlauf ist wichtig
- Dokumentation: Häufigkeit und Menge der Blutauflagerungen dokumentieren lassen
- Follow-up: Kontrolltermin innerhalb von 1-2 Wochen vereinbaren
Bei anhaltender oder schwerer Blutung sollte immer eine weiterführende Diagnostik erfolgen, um schwerwiegendere Ursachen auszuschließen.