Antikoagulation bei nephrotischem Syndrom
Bei Patienten mit nephrotischem Syndrom und hohem Thromboserisiko (Serumalbumin <20-25 g/L plus mindestens ein weiterer Risikofaktor) wird Warfarin mit einem Ziel-INR von 2-3 als Antikoagulans der ersten Wahl empfohlen. 1
Indikationen für Antikoagulation
- Hochrisikopatienten: Serumalbumin <20-25 g/L plus mindestens ein weiterer Risikofaktor
- Nach thromboembolischen Ereignissen: Volltherapeutische Antikoagulation für 6-12 Monate und/oder für die Dauer des nephrotischen Syndroms
- Prophylaktische Antikoagulation: Sollte fortgesetzt werden, bis das Serumalbumin über 30 g/L ansteigt 1
Antikoagulationsregime
Erstlinientherapie:
- Intravenöses Heparin mit anschließender Überbrückung zu Warfarin
- Ziel-INR: 2-3 mit regelmäßiger INR-Überwachung 1
Bei Heparin-induzierter Thrombozytopenie (HIT):
- Argatroban oder Danaparoid 1
Niedermolekulares Heparin (LMWH):
- Dosisreduktion bei CrCl <30 ml/min erforderlich
- Unfraktioniertes Heparin kann aufgrund des Antithrombin-III-Verlusts im Urin höhere Dosierungen erfordern 1
Direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs)
Neuere Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse für DOAKs, jedoch mit wichtigen Einschränkungen:
- Eine Fallserie mit 21 Patienten zeigte keine neuen thromboembolischen Ereignisse unter DOAK-Therapie (Apixaban oder Rivaroxaban), jedoch traten bei 5 Patienten kleinere Blutungen auf 2
- Eine Studie zu Apixaban zur Thromboseprophylaxe bei 27 Patienten mit nephrotischem Syndrom zeigte ein reduziertes Risiko für venöse und arterielle thromboembolische Ereignisse ohne erhöhtes Blutungsrisiko 3
Wichtige Überlegungen zu DOAKs:
- Variable Proteinbindung und renale Clearance:
- Apixaban: 92-94% Proteinbindung, 27% renale Clearance
- Rivaroxaban: 92-95% Proteinbindung, 66% renale Clearance
- Edoxaban: 55% Proteinbindung, 50% renale Clearance 1
Risikostratifizierung und Überwachung
Risikofaktoren für Thrombosen:
Überwachung:
- Regelmäßige Bewertung des Serumalbumin-Spiegels
- Schweregrad der Proteinurie
- Zusätzliche Risikofaktoren
- Blutungsrisikobewertung mit validierten Tools 1
Häufige Fallstricke
- Nichterkennen von Hochrisikopatienten
- Inadäquate Heparin-Dosierung aufgrund des Antithrombin-III-Verlusts im Urin
- Zu seltene INR-Überwachung
- Verwendung von DOAKs ohne Berücksichtigung ihrer hohen Proteinbindung und variablen Pharmakokinetik beim nephrotischen Syndrom 1
- Unterschätzung des Blutungsrisikos bei schwerer Hypoalbuminämie (<20 g/L), die sowohl das Thrombose- als auch das Blutungsrisiko erhöht 4