Diagnostik und Prophylaxe der Osteoporose bei einer Patientin mit Schambeinfraktur und Vitamin-D-Mangel
Bei einer Patientin mit Schambeinfraktur und erniedrigtem Vitamin-D-Spiegel sollte eine umfassende Osteoporose-Diagnostik mittels DEXA-Scan, Laboruntersuchungen und FRAX-Score erfolgen, sowie eine Therapie mit Calcium (1000-1200 mg/Tag), Vitamin D (800-1000 IE/Tag) und bei bestätigter Osteoporose ein Bisphosphonat eingeleitet werden.
Diagnostische Schritte
1. Knochendichtemessung
- DEXA-Scan der Lendenwirbelsäule und Hüfte zur Bestimmung der Knochendichte 1, 2
- T-Score ≤ -2,5 bestätigt die Diagnose einer Osteoporose
- T-Score zwischen -1,0 und -2,5 weist auf eine Osteopenie hin
2. Laboruntersuchungen
Eine umfassende Labordiagnostik ist erforderlich, um sekundäre Ursachen der Osteoporose auszuschließen 1:
- Calcium und Phosphat im Serum
- 25-Hydroxyvitamin D (bereits als erniedrigt bekannt)
- Parathormon
- Alkalische Phosphatase
- Kreatinin-Clearance
- TSH
- Blutbild mit CRP
- Proteinelektrophorese (Serum und/oder Urin)
3. Risikobewertung
- FRAX-Score (WHO Fracture Risk Assessment Tool) zur Berechnung des 10-Jahres-Frakturrisikos 1
- Die Schambeinfraktur ist bereits als osteoporotische Fraktur zu werten und erhöht das Risiko für weitere Frakturen erheblich 1
Prophylaktische Maßnahmen und Therapie
1. Calcium- und Vitamin-D-Supplementation
- Calcium: 1000-1200 mg täglich (Gesamtaufnahme aus Ernährung und Supplementen) 1, 2
- Vitamin D: 800-1000 IE täglich 1, 2, 3
- Ziel-Serumspiegel für 25(OH)D: ≥30 ng/ml (75 nmol/L) 2
2. Pharmakologische Therapie
Da die Patientin bereits eine Fraktur (Schambeinfraktur) erlitten hat, ist eine medikamentöse Therapie indiziert 1:
Erste Wahl: Bisphosphonate 1, 2
- Alendronate (70 mg oral wöchentlich) oder
- Risedronat (35 mg oral wöchentlich)
- Bei oraler Intoleranz: Zoledronsäure (5 mg intravenös jährlich)
Alternative bei Kontraindikationen für Bisphosphonate:
- Denosumab (60 mg subkutan alle 6 Monate) 4
3. Lebensstilmodifikationen
- Regelmäßige gewichtstragende Übungen und Krafttraining 1, 2
- Rauchstopp (falls zutreffend) 1, 2
- Begrenzung des Alkoholkonsums 1, 2
- Sturzpräventionsstrategien 1, 2
Überwachung und Nachsorge
- DEXA-Scan-Kontrolle nach 1-2 Jahren zur Beurteilung des Therapieansprechens 2
- Regelmäßige klinische Kontrollen alle 6-12 Monate
- Überwachung der Therapieadhärenz und möglicher Nebenwirkungen 1
- Kontrolle des Vitamin-D-Spiegels nach 3-6 Monaten
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Die Korrektur des Vitamin-D-Mangels sollte vor Beginn einer Bisphosphonat-Therapie erfolgen, um Hypokalzämie zu vermeiden und die Wirksamkeit zu maximieren 2
- Bei Frauen im gebärfähigen Alter sollte eine Bisphosphonat-Therapie nur erwogen werden, wenn keine Schwangerschaft geplant ist und eine wirksame Verhütung verwendet wird 2
- Bei längerfristiger Bisphosphonat-Therapie (>5 Jahre) sollte das Frakturrisiko neu bewertet werden 2
- Auf mögliche Nebenwirkungen der Bisphosphonate achten (gastrointestinale Beschwerden, Kieferosteonekrose, atypische Femurfrakturen) 1
Die Diagnose und Behandlung einer Osteoporose bei einer Patientin mit Schambeinfraktur und Vitamin-D-Mangel ist entscheidend, um das Risiko weiterer Frakturen zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.