Remdesivir-Dosierung und Behandlungsdauer bei COVID-19
Bei COVID-19 wird Remdesivir mit einer Ladedosis von 200 mg i.v. am ersten Tag, gefolgt von 100 mg i.v. täglich für insgesamt 5 Tage bei hospitalisierten Patienten ohne mechanische Beatmung bzw. 10 Tage bei Patienten mit mechanischer Beatmung verabreicht. 1, 2, 3
Dosierungsschema nach Patientengruppen
Hospitalisierte Erwachsene und Kinder ≥40 kg
Nicht-hospitalisierte Hochrisiko-Patienten
- Ladedosis: 200 mg i.v. am Tag 1
- Erhaltungsdosis: 100 mg i.v. täglich für Tag 2-3
- Behandlungsdauer: 3 Tage 2
- Muss innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn begonnen werden 2
Kinder <40 kg
- 1,5 kg bis <3 kg und ≥28 Tage alt:
- 3 kg bis <40 kg und ≥28 Tage alt:
- Ladedosis: 5 mg/kg am Tag 1
- Erhaltungsdosis: 2,5 mg/kg täglich ab Tag 2 3
- <28 Tage alt und ≥1,5 kg:
- Ladedosis: 2,5 mg/kg am Tag 1
- Erhaltungsdosis: 1,25 mg/kg täglich ab Tag 2 3
Voruntersuchungen und Überwachung
Vor Therapiebeginn:
- Leberfunktionstests
- Nierenfunktion (eGFR)
- Gerinnungsparameter (Prothrombinzeit)
- SARS-CoV-2 PCR und Serologie 2
Während der Therapie:
- Tägliche klinische Beurteilung
- Überwachung auf Infusionsreaktionen
- Regelmäßige Kontrolle von Leber- und Nierenfunktion 2
Kontraindikationen
Absolute Kontraindikationen:
- Überempfindlichkeit gegen Remdesivir oder seine Bestandteile
- ALT >10-fache des oberen Normwerts
- eGFR <30 ml/min/1,73 m² 2
Klinische Wirksamkeit
- Remdesivir zeigt eine moderate Wirksamkeit bei hospitalisierten Patienten mit COVID-19, die Sauerstoff benötigen, aber keine mechanische Beatmung 1, 4
- Die Sterblichkeit wird bei Patienten ohne mechanische Beatmung möglicherweise leicht reduziert 2
- Bei Patienten, die bereits mechanisch beatmet werden, könnte Remdesivir die Sterblichkeit erhöhen 2
- Bei nicht-hospitalisierten Hochrisiko-Patienten reduziert Remdesivir das Risiko für Hospitalisierung um etwa 87%, wenn es früh (innerhalb von 7 Tagen nach Symptombeginn) verabreicht wird 2
Nebenwirkungen
Häufige Nebenwirkungen:
- Übelkeit
- Verschlechterung der Atemfunktion
- Erhöhte Leberenzyme (ALT, AST)
- Verstopfung 2
- Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich infusionsbedingter und anaphylaktischer Reaktionen 1
- Endokrine und metabolische Ereignisse (Hyperglykämie) 1
- Hepatische und renale Toxizität 1, 4
Besondere Patientengruppen
Immunsupprimierte Patienten
- Besonders von Remdesivir profitieren können immunsupprimierte Patienten aufgrund ihrer verlängerten viralen Phase 2
- Bei hämatologischen Malignomen wurde eine signifikante Reduktion des Mortalitätsrisikos beobachtet 2
Schwangere
- Remdesivir kann bei schwangeren Frauen mit moderater bis schwerer COVID-19, die Sauerstoff benötigen, aber keine mechanische Beatmung erfordern, in Betracht gezogen werden 2
- Die Entscheidung sollte zwischen der Schwangeren und ihrem Arzt getroffen werden, wobei der potenzielle Nutzen gegen das Risiko für Mutter und Fötus abgewogen werden muss 2
Wichtige Hinweise zur Anwendung
- Die Behandlung sollte so früh wie möglich nach Diagnosestellung begonnen werden 3
- Eine 5-Tage-Kur scheint bei Patienten ohne mechanische Beatmung einen größeren Nutzen mit weniger Schäden zu bieten als eine 10-Tage-Kur (21,0% vs. 34,5% schwerwiegende unerwünschte Ereignisse) 2
- Remdesivir muss vor der intravenösen Infusion verdünnt werden 3
- Die zubereitete Infusionslösung kann 24 Stunden bei Raumtemperatur oder 48 Stunden im Kühlschrank aufbewahrt werden 3
Die Entscheidung für eine Remdesivir-Therapie sollte unter Berücksichtigung des Schweregrads der Erkrankung, des Sauerstoffbedarfs und der Risikofaktoren für einen schweren Verlauf getroffen werden.