Warum bei manchen Indikationen Dexamethason und manche Prednisolon?
Dexamethason sollte bei Erkrankungen verwendet werden, die eine schnelle Wirkung, hohe Potenz oder längere Wirkdauer erfordern, während Prednisolon bei chronischen Erkrankungen oder wenn eine mineralokortikoidähnliche Wirkung vorteilhaft ist, bevorzugt wird. 1
Unterschiede in den pharmakologischen Eigenschaften
- Potenz: Dexamethason ist etwa 25-30 mal potenter als Prednisolon (0,75 mg Dexamethason ≈ 5 mg Prednisolon) 1, 2
- Halbwertszeit:
- Dexamethason: 36-72 Stunden (lang wirkend)
- Prednisolon: 12-36 Stunden (mittellang wirkend) 1
- Mineralokortikoidwirkung: Prednisolon hat eine geringe mineralokortikoidähnliche Wirkung, während Dexamethason praktisch keine hat 1
Indikationsspezifische Anwendungen
Dexamethason wird bevorzugt bei:
Zerebralem Ödem: Dexamethason wird initial mit 10 mg i.v. verabreicht, gefolgt von 4 mg alle sechs Stunden 3
- Bessere Penetration der Blut-Hirn-Schranke
- Geringere mineralokortikoidähnliche Wirkung (weniger Flüssigkeitsretention)
Akuten Zuständen, die schnelle Wirkung erfordern:
Plötzlicher Hörverlust: Dexamethason 10 mg/Tag entspricht 48 mg/Tag Methylprednisolon oder 60 mg/Tag Prednisolon 6, 1
Compliance-Problemen: Die längere Halbwertszeit ermöglicht kürzere Behandlungsschemata (1-2 Tage vs. 5 Tage bei Prednisolon) 7, 5
Prednisolon wird bevorzugt bei:
Chronischen entzündlichen Erkrankungen:
Pädiatrischen Erkrankungen:
Lebererkrankungen: Bei schwerer Leberinsuffizienz kann Dexamethason vorteilhaft sein, da Prednisolon hepatisch zu seiner aktiven Form metabolisiert werden muss 1
Praktische Überlegungen zur Wahl des Kortikosteroids
Warum nicht einfach mehr Prednisolon?
Unterschiedliche biologische Wirkungen: Trotz äquivalenter Dosierung können verschiedene Kortikosteroide unterschiedliche Wirkungen auf verschiedene Gewebe haben 1
Nebenwirkungsprofil:
- Dexamethason verursacht häufiger Schlaflosigkeit
- Prednisolon hat mehr mineralokortikoidähnliche Wirkungen (Flüssigkeitsretention) 1
Compliance und Verträglichkeit:
Spezifische klinische Anforderungen:
- Bei zerebralem Ödem ist die geringe mineralokortikoidähnliche Wirkung von Dexamethason vorteilhaft
- Bei bestimmten Autoimmunerkrankungen kann die leichte mineralokortikoidähnliche Wirkung von Prednisolon erwünscht sein 1
Häufige Fehler und Vorsichtsmaßnahmen
Dosisäquivalenz beachten: Bei Umstellung zwischen Kortikosteroiden muss die korrekte Äquivalenzdosis berechnet werden (5 mg Prednisolon ≈ 0,75 mg Dexamethason) 1, 8
Absetzen: Beide Medikamente erfordern ein langsames Ausschleichen nach längerer Anwendung, um eine Nebenniereninsuffizienz zu vermeiden 1
Tageszeit der Einnahme: Prednisolon sollte vorzugsweise morgens eingenommen werden, um die natürliche Kortisol-Rhythmik nachzuahmen und Schlafstörungen zu minimieren 1
Begleiterkrankungen berücksichtigen: Bei Diabetes, Bluthochdruck oder Osteoporose sollte die Wahl des Kortikosteroids und die Dosierung besonders sorgfältig erfolgen 1
Die Wahl zwischen Dexamethason und Prednisolon sollte also nicht nur auf einer einfachen Dosiserhöhung basieren, sondern auf den spezifischen pharmakologischen Eigenschaften und den Anforderungen der jeweiligen klinischen Situation.