Nachbehandlungsschema Meniskusnaht
Nach einer Meniskusnaht sollte eine frühe Mobilisation des Kniegelenks erfolgen, wobei die Flexion in den ersten Wochen limitiert werden sollte, während auf eine sofortige Vollbelastung verzichtet werden sollte.
Phasenbasierte Rehabilitation nach Meniskusnaht
Phase 1 (Woche 0-4):
- Belastung: Teilbelastung für 4 Wochen empfohlen, da eine sofortige Vollbelastung mit einer höheren Versagensrate verbunden ist 1
- Knieorthese: Verwendung einer Orthese ist nicht zwingend notwendig, da sie keinen nachgewiesenen Vorteil bietet und mit höheren Versagensraten assoziiert sein kann 1
- Bewegungsumfang: Flexion auf 90° für die ersten 4 Wochen limitieren 2, 1
- Übungen:
- Isometrische Quadrizeps-Übungen
- Geschlossene kinetische Kette (CKC) Übungen mit begrenzter Belastung
- Kryotherapie zur Schwellungsreduktion 2
Phase 2 (Woche 5-8):
- Belastung: Schrittweise Steigerung zur Vollbelastung
- Bewegungsumfang: Progressive Steigerung der Flexion:
- Woche 5: 90-30°
- Woche 6: 90-20°
- Woche 7: 90-10°
- Woche 8: Voller Bewegungsumfang 2
- Übungen:
Phase 3 (ab Woche 9):
- Belastung: Vollbelastung
- Bewegungsumfang: Voller Bewegungsumfang
- Übungen:
- Fortgeschrittenes Kraft- und neuromuskuläres Training
- Sportspezifische Übungen ab Woche 12-16
Wichtige Überlegungen und Fallstricke
Unterschied zwischen beschleunigter und eingeschränkter Rehabilitation:
Beachtung der Meniskusrissart:
Kombination mit VKB-Rekonstruktion:
- Bei gleichzeitiger VKB-Rekonstruktion kann eine beschleunigte Rehabilitation zu einer signifikant größeren Tunnelerweiterung führen 3
Kriterien für die Rückkehr zum Sport:
- Kein Schmerz oder Schwellung
- Voller Bewegungsumfang des Knies
- Stabiles Knie
- Normalisierte subjektive Kniefunktion
- Isokinetische Quadrizeps- und Hamstring-Spitzendrehmomente bei 60°/s sollten 100% Symmetrie für die Rückkehr zu Sportarten mit hoher Belastung zeigen 2
- Sprungbiomechanik - Normalisierung der absoluten und symmetrischen Werte
Zusammenfassung der Evidenz
Die aktuelle Evidenz zeigt, dass ein Mittelweg zwischen beschleunigter und eingeschränkter Rehabilitation optimal ist. Eine frühe Mobilisation mit eingeschränkter Flexion und verzögerter Vollbelastung scheint die besten Ergebnisse zu liefern. Die Rehabilitation sollte zielbasiert und nicht strikt zeitbasiert erfolgen, wobei die individuellen Fortschritte des Patienten berücksichtigt werden sollten 2.
Obwohl beschleunigte Rehabilitationsprotokolle zunehmend bevorzugt werden, sollte die sofortige Vollbelastung mit Vorsicht betrachtet werden, da sie mit einem höheren Versagensrisiko verbunden sein kann 1. Eine Verzögerung der Vollbelastung um einen Monat kann bei großen Rissen oder bei Schäden an den zirkulären Fasern in Betracht gezogen werden.