Azathioprin bei Herzinsuffizienz
Azathioprin wird nicht als Standardtherapie bei Herzinsuffizienz empfohlen und spielt keine etablierte Rolle in der Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz. 1
Standardtherapie der Herzinsuffizienz
Die evidenzbasierte Behandlung der Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) basiert auf folgenden Medikamentengruppen:
- ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI) als Erstlinientherapie bei Patienten mit reduzierter linksventrikulärer Funktion 1
- Betablocker bei stabiler, milder bis schwerer Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion (NYHA-Klasse II-IV) 1
- Aldosteron-Antagonisten (Spironolacton) bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz (NYHA III-IV) zusätzlich zur ACE-Hemmung und Diuretika 1
- Diuretika zur symptomatischen Behandlung bei Flüssigkeitsüberlastung 1
- Angiotensin-II-Rezeptor-Antagonisten (ARBs) bei Patienten, die ACE-Hemmer nicht vertragen 1
- Digitalis bei Vorhofflimmern und symptomatischer Herzinsuffizienz 1
Azathioprin in der Kardiologie
Azathioprin wird in der Kardiologie hauptsächlich in folgenden Situationen eingesetzt:
- Als Teil der immunsuppressiven Therapie nach Herztransplantation 2, 3
- In Einzelfällen bei lymphozytärer Myokarditis, obwohl die Evidenz für einen Nutzen begrenzt ist 4, 5
Evidenz zu Azathioprin bei Myokarditis und Herzinsuffizienz
- Studien zur Behandlung von Myokarditis mit Azathioprin und Prednison zeigten keine objektive Verbesserung der ventrikulären systolischen Funktion 5
- Bei Patienten mit lymphozytärer Myokarditis und dilatativer Kardiomyopathie führte eine sechsmonatige Behandlung mit Azathioprin und Prednison zu einer histologischen Verbesserung bei 73% der Patienten, jedoch mit schwerwiegenden oder tödlichen Nebenwirkungen bei 24% der Patienten 4
- Bei Herztransplantationspatienten wurde Azathioprin zunehmend durch Mycophenolat-Mofetil ersetzt, da letzteres mit einer geringeren Mortalität und weniger Transplantatverlusten verbunden ist 6
Risiken und Nebenwirkungen von Azathioprin
- Schwere Myelosuppression, insbesondere bei Patienten mit Thiopurin-Methyltransferase (TPMT)-Mangel 2
- Erhöhtes Infektionsrisiko, besonders bei älteren Patienten 3
- Akute Psychose und Nebenniereninsuffizienz wurden als Komplikationen berichtet 5
Fazit
- Azathioprin gehört nicht zur Standardtherapie der chronischen Herzinsuffizienz 1
- Die Leitlinien zur Behandlung der Herzinsuffizienz empfehlen ACE-Hemmer/ARNI, Betablocker, Aldosteron-Antagonisten und Diuretika als Grundpfeiler der Therapie 1
- Der Einsatz von Azathioprin sollte auf spezifische Indikationen wie die immunsuppressive Therapie nach Herztransplantation beschränkt bleiben 2, 3
- Bei Myokarditis ist der Nutzen einer immunsuppressiven Therapie mit Azathioprin umstritten und mit erheblichen Risiken verbunden 4, 5