Häufigkeit von Vorhofflimmern bei koronarer Herzkrankheit (KHK)
Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) tritt Vorhofflimmern mit einer Prävalenz von 17% bis 46,5% auf, was deutlich höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. 1
Epidemiologie und Zusammenhang
- Die Prävalenz von Vorhofflimmern in der Allgemeinbevölkerung beträgt etwa 0,4% bis 1%, steigt jedoch mit dem Alter auf bis zu 8% bei Personen über 80 Jahre an 2
- Bei Patienten mit KHK ist die Prävalenz von Vorhofflimmern deutlich erhöht und liegt zwischen 17% und 46,5% 1
- Umgekehrt ist die Prävalenz von KHK bei Patienten mit Vorhofflimmern ebenfalls hoch - etwa 17% bis 46,5% der Vorhofflimmern-Patienten haben eine begleitende KHK 1
- Bei Patienten mit akutem Myokardinfarkt ist Vorhofflimmern ein etablierter Faktor für eine schlechte Kurz- und Langzeitprognose und ist mit einer deutlichen Erhöhung der Gesamtmortalität verbunden 1
Gemeinsame Risikofaktoren und Pathophysiologie
Vorhofflimmern und KHK teilen mehrere gemeinsame Risikofaktoren 1, 3:
- Hypertonie
- Diabetes mellitus
- Schlafapnoe
- Adipositas
- Rauchen
Entzündungsprozesse spielen eine ursächliche Rolle bei beiden Erkrankungen 1, 3:
Es besteht ein komplexer Zusammenhang zwischen atrialer Gewebeerregbarkeit und neuronalem Remodeling mit Ischämie auf mikrovaskulärer Ebene 3
Klinische Bedeutung der Koexistenz
- Das gleichzeitige Vorliegen von Vorhofflimmern und KHK verschlechtert die Prognose selbst bei sorgfältig behandelten Patienten 1
- Bei Patienten mit Herzinsuffizienz ist die Prävalenz von Vorhofflimmern besonders hoch und liegt zwischen 10% und 57%, abhängig von Alter, Beginn und Schweregrad der Herzinsuffizienz 2
- Nach einer koronaren Bypass-Operation (CABG) tritt Vorhofflimmern bei etwa 20% bis 40% der Patienten auf 1
Gegenseitige Beeinflussung
KHK beeinflusst Vorhofflimmern negativ durch 3:
- Förderung der Progression durch Re-Entry-Mechanismen
- Erhöhung der Erregbarkeit des atrialen Gewebes durch Ischämie und elektrische Inhomogenität
Vorhofflimmern beschleunigt umgekehrt die Atherosklerose durch 3:
- Endotheliale Dysfunktion
- Entzündungsprozesse
- Erhöhte Thrombogenität und Hyperkoagulabilität
Diese Wechselwirkung bildet einen Teufelskreis, bei dem eine Erkrankung die andere fördert 3
Therapeutische Implikationen
Bei Patienten mit Vorhofflimmern und KHK ist die antithrombotische Therapie besonders herausfordernd 1:
Schwerwiegende Blutungen sind mit einem bis zu 5-fach erhöhten Sterberisiko nach einem akuten Koronarsyndrom verbunden 1
Die Behandlung der zugrundeliegenden Ischämie und Entzündung kann sich positiv auf die Vorhofflimmern-Last bei diesen Patienten auswirken 3
Fazit
Die Koexistenz von Vorhofflimmern und KHK ist häufig und stellt eine besondere klinische Herausforderung dar. Die beiden Erkrankungen verstärken sich gegenseitig und führen zu einer schlechteren Prognose. Eine umfassende Behandlungsstrategie, die sowohl das Vorhofflimmern als auch die KHK berücksichtigt, ist für diese Patientengruppe von entscheidender Bedeutung.