Die Dauer der Suchtüberwindung: Ein individueller Prozess
Die Überwindung einer Sucht ist ein langfristiger Prozess, der je nach Substanz und individuellen Faktoren unterschiedlich lange dauert, wobei die physischen Entzugssymptome typischerweise innerhalb von 3-14 Tagen abklingen, während die vollständige Genesung Monate bis Jahre in Anspruch nehmen kann.
Zeitlicher Verlauf des Entzugs
Akute Entzugsphase
- Bei Opioiden beginnen die Entzugssymptome 2-3 Halbwertszeiten nach der letzten Dosis, erreichen ihren Höhepunkt nach 48-72 Stunden und klingen innerhalb von 7-14 Tagen ab 1
- Die Schwere der Entzugssymptome variiert je nach Substanz (stärker bei potenten und kurz wirkenden Medikamenten) und Behandlungsdauer 1
- Physische Abhängigkeit ist eine erwartbare Reaktion bei längerer Behandlung mit Opioiden, wobei die Symptome in der Regel schnell abklingen (3-7 Tage) 1
Langfristige Erholungsphase
- Ein sekundäres Abstinenzsyndrom mit allgemeinem Unwohlsein, Müdigkeit, vermindertem Wohlbefinden, schlechter Stresstoleranz und Verlangen nach Opioiden kann bei Patienten mit Substanzkonsumstörungen bis zu 6 Monate anhalten 1
- Die vollständige Genesung von einer Sucht ist ein lebenslanger Prozess, der weit über die akute Entzugsphase hinausgeht 2
Empfohlene Entzugsstrategien
Schrittweiser Entzug
- Ein langsamer, schrittweiser Entzug wird empfohlen, um Entzugssymptome zu minimieren und die Erfolgsaussichten zu verbessern 3
- Für Opioide wird eine Dosisreduktion von etwa 10% der vorherigen Dosis empfohlen 3
- Die Reduktionsrate sollte sich nach der individuellen Verträglichkeit richten 1
Psychosoziale Interventionen
- Die Kombination von Contingency Management (CM) mit Community Reinforcement Approach (CRA) hat sich als die wirksamste und akzeptabelste Intervention sowohl für die kurz- als auch für die langfristige Behandlung von Personen mit Kokain- und/oder Amphetaminabhängigkeit erwiesen 1
- CM allein zeigte eine größere Wirksamkeit und Akzeptanz als die übliche Behandlung nach 12 Wochen, aber der Effekt hielt nach Abschluss der Behandlung nicht an 1
- Die Kombination von CM mit CRA war der üblichen Behandlung bei Abstinenz nach 12 Wochen, am Ende der Behandlung und bei der längsten Nachbeobachtung nach Abschluss der Behandlung überlegen 1
Faktoren, die den Genesungsprozess beeinflussen
Biologische Faktoren
- Sucht wird als chronische und wiederkehrende Hirnerkrankung konzeptualisiert, die nach der erlernten oder konditionierten Paarung von situativen und sozialen Hinweisreizen mit den verstärkenden Wirkungen des Drogenkonsums mit Verhaltens- und psychologischen Anomalien einhergeht 1
- Toleranz, körperliche Abhängigkeit und Hyperalgesie entwickeln sich durch molekulare und schaltkreisbedingte Anpassungen sowie Gegenanpassungen in Opioidrezeptoren und ihren intrazellulären Signalkaskaden 1
Psychosoziale Faktoren
- Soziale und gemeinschaftliche Unterstützung, Zugehörigkeit zu 12-Schritte-Organisationen und negative Konsequenzen des Substanzkonsums sind Schlüsselfaktoren für die Etablierung und Aufrechterhaltung des Genesungsstatus 2
- Die Genesung wird vom Betroffenen selbst definiert, der Ziele und Vorgaben für Verbesserungen im Leben setzt, die das Management seines Substanzkonsums einschließen, aber nicht den alleinigen Fokus darstellen 4
Behandlungsansätze für verschiedene Substanzen
Opioide
- Langsames Ausschleichen mit Dosisreduktionen von 10% oder weniger pro Woche wird empfohlen, mit weiteren Anpassungen basierend auf dem Patientenstatus 1
- Buprenorphin, ein partieller Mu-Rezeptor-Agonist, kann zur Behandlung von Opioidkonsumstörungen eingesetzt werden und reduziert die Wahrscheinlichkeit eines Überdosierungstodes um bis zu das Dreifache 1
Stimulanzien (Kokain und Amphetamine)
- Verhaltensinterventionen haben sich als wirksam für die Behandlung von Stimulanzienabhängigkeit erwiesen 1
- Die Kombination von CM mit CRA erreicht insgesamt die besten Ergebnisse bei der Behandlung von Kokain- und Amphetaminabhängigkeit 1
Messung des Behandlungserfolgs
- Die Genesung ist ein personenzentrierter, individualisierter Prozess, der anhand von Referenzpunkten gemessen werden kann, die den eigenen Zielen und Vorgaben des Einzelnen entsprechen 4
- Die Erfolgsquote ist bei langsamer Dosisreduktion höher, da die Behandlung besser durchgehalten werden kann 3
Die Überwindung einer Sucht ist ein komplexer, individueller Prozess, der weit über die physische Entgiftung hinausgeht und eine langfristige Unterstützung und Behandlung erfordert, um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen.