Behandlung von Suchtproblemen: Selbstbefriedigung ist keine wirksame Therapie
Selbstbefriedigung ist keine anerkannte oder wirksame Behandlungsmethode für Suchtprobleme. Stattdessen werden psychosoziale Interventionen wie Kontingenzmanagement in Kombination mit dem Community Reinforcement Approach als wirksamste Behandlung empfohlen 1.
Verständnis von Sucht als Gehirnerkrankung
- Sucht wird als chronische, rezidivierende Gehirnerkrankung verstanden, die mit Verhaltens- und psychologischen Anomalien verbunden ist, insbesondere mit Defiziten in der Belohnungsverarbeitung 1
- Die Entwicklung einer Sucht umfasst mehrere neurobiologische Prozesse, darunter Lernmechanismen, die automatische Verhaltensweisen als Reaktion auf die Droge und damit verbundene Reize festigen 1
- Die angenehmen Wirkungen von Suchtmitteln werden durch die Freisetzung von Dopamin im Nucleus accumbens ausgelöst, einer wichtigen Belohnungsregion des Gehirns 1
- Diese Prozesse führen zu einer erlernten Assoziation zwischen der Drogeneinnahme und dem Erleben von Vergnügen, was als Konditionierung bezeichnet wird 1
Wissenschaftlich bewiesene Behandlungsansätze
Psychosoziale Interventionen
- Die Kombination aus Kontingenzmanagement (CM) und Community Reinforcement Approach (CRA) zeigt die beste Wirksamkeit und Akzeptanz sowohl kurz- als auch langfristig 1
- Diese kombinierte Intervention ist anderen Behandlungen wie der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) oder dem 12-Schritte-Programm überlegen 1
- CM allein zeigt kurzfristige Wirksamkeit, aber der Effekt hält nach Behandlungsende nicht an 1
- CRA allein zeigt keine Unterschiede zur Standardbehandlung in der Kurzzeittherapie, aber eine nachhaltigere Wirkung bei längerer Nachbeobachtung 1
Medikamentöse Behandlung
- Bei Opioidsucht gibt es wirksame Medikamente (Methadon, Buprenorphin und Naltrexon), die die Ergebnisse signifikant verbessern 1
- Für Kokain- und Amphetaminsucht gibt es derzeit keine zugelassenen pharmakologischen Behandlungen 1
Wichtige Überlegungen bei der Suchtbehandlung
- Sucht ist eine komplexe Erkrankung, die biologische, psychologische und Verhaltensfaktoren umfasst und daher einen umfassenden Behandlungsansatz erfordert 1, 2
- Verhaltensinterventionen haben sich bei der Behandlung verschiedener Suchtformen als wirksam erwiesen 1
- Es gibt zunehmend Belege dafür, dass die Reduzierung von Bestrafung und die Anwendung positiver Verstärkung den Zugang zu Dienstleistungen verbessern 1
- Interventionen, die sich auf die Verbesserung zielgerichteten Verhaltens und positive Verstärkung konzentrieren, zeigen vielversprechende Ergebnisse 1
Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
- Selbstbefriedigung oder andere sexuelle Aktivitäten werden in keiner der evidenzbasierten Leitlinien als Behandlungsmethode für Suchtprobleme erwähnt 1
- Eine rein verhaltensorientierte Strategie allein kann die gesamte Komplexität der biologischen, psychologischen und verhaltensbezogenen Faktoren, die einer Sucht zugrunde liegen, langfristig nicht bewältigen 1
- Die Behandlung sollte kontinuierlich sein, da die neurobiologischen Veränderungen auch Jahre nach dem Absetzen der Droge bestehen bleiben können 1
- Trotz der Evidenz für ihre therapeutischen Vorteile werden Medikamente zur Behandlung von Opioidkonsumstörungen zu wenig eingesetzt 1
Die Behandlung von Suchtproblemen erfordert einen wissenschaftlich fundierten Ansatz, der auf evidenzbasierten Interventionen basiert. Selbstbefriedigung ist keine anerkannte oder wirksame Methode zur Behandlung von Sucht.