Hunde und psychische Erkrankungen: Schizophrenie und Autismus
Hunde können keine Schizophrenie oder Autismus im menschlichen Sinne entwickeln, da diese Erkrankungen spezifische neuropsychiatrische Zustände sind, die durch menschliche diagnostische Kriterien definiert werden.
Autismus bei Hunden
Wissenschaftliche Erkenntnisse
- Autismus ist beim Menschen durch anhaltende Defizite in der sozialen Kommunikation und Interaktion sowie durch eingeschränkte, repetitive Verhaltensmuster, Interessen oder Aktivitäten gekennzeichnet 1.
- In Tiermodellen (hauptsächlich Nagetiere) wurden autismusähnliche Verhaltensweisen untersucht, jedoch sind diese nicht direkt auf Hunde übertragbar 1.
- Während bei Nagetieren bestimmte soziale Kommunikationsverhaltensweisen und repetitive Verhaltensweisen beobachtet werden können, die konzeptionell mit Autismus-Kernsymptomen vergleichbar sind, fehlt bei Hunden die diagnostische Grundlage 1.
Verhaltensauffälligkeiten bei Hunden
- Hunde können zwar repetitive Verhaltensweisen und soziale Interaktionsprobleme zeigen, diese sind jedoch nicht mit der komplexen Symptomatik des Autismus beim Menschen gleichzusetzen 2, 3.
- Einige Forscher haben vorgeschlagen, Hunde als Modell für vergleichende und translationale Neurowissenschaften zu nutzen, jedoch ist dies noch nicht ausreichend validiert 3.
- Hunde werden eher als Therapiehelfer für Menschen mit Autismus eingesetzt als dass sie selbst diese Diagnose erhalten würden 4.
Schizophrenie bei Hunden
Diagnostische Unterschiede
- Schizophrenie beim Menschen ist durch Halluzinationen, Wahnvorstellungen, formale Denkstörungen und andere psychotische Symptome gekennzeichnet 1.
- Diese spezifischen psychotischen Symptome können bei Hunden nicht nachgewiesen oder diagnostiziert werden, da sie nicht kommunizieren können, ob sie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen erleben 5.
- Die Diagnosekriterien für Schizophrenie basieren auf dem DSM oder ICD und sind spezifisch für Menschen entwickelt worden 1.
Ähnliche Verhaltensauffälligkeiten
- Hunde können Verhaltensauffälligkeiten zeigen, die oberflächlich einigen Symptomen psychiatrischer Erkrankungen ähneln, wie z.B. Trennungsangst, Zwangsstörungen oder Aggressionsverhalten 2.
- Diese Verhaltensweisen werden jedoch als eigenständige veterinärmedizinische Zustände klassifiziert und nicht als Schizophrenie 2, 6.
- In der Forschung werden Hunde manchmal in tiergestützten Interventionen für Menschen mit Schizophrenie eingesetzt, was positive Effekte auf Symptome haben kann 6.
Tiermodelle in der Forschung
Grenzen von Tiermodellen
- Tiermodelle für psychiatrische Erkrankungen haben grundsätzliche Einschränkungen, da sie die komplexe menschliche Symptomatik nicht vollständig abbilden können 1, 5.
- Bei Nagetiermodellen für Autismus werden hauptsächlich reziproke soziale kommunikative Verhaltensweisen und repetitive/stereotype Verhaltensweisen untersucht 1.
- Die Validität dieser Modelle ist begrenzt, da die Verhaltensweisen von Beutetieren (wie Nagetieren) nicht direkt mit menschlichen psychiatrischen Zuständen vergleichbar sind 2, 5.
Rolle von Hunden in der Forschung
- Hunde werden zunehmend als Therapietiere für Menschen mit Autismus oder Schizophrenie eingesetzt, nicht als Modellorganismen für diese Erkrankungen 6, 4.
- Hundegestützte Interventionen können bei Menschen mit Schizophrenie positive Auswirkungen auf psychopathologische Symptome, Angst, Stress und soziale Funktionen haben 6.
- Bei Kindern mit Autismus können Therapiehunde positive Verhaltensweisen fördern und negative Verhaltensweisen reduzieren 4.
Fazit für die Praxis
- Verhaltensauffälligkeiten bei Hunden sollten als tierartspezifische Probleme betrachtet und nicht mit menschlichen psychiatrischen Diagnosen wie Schizophrenie oder Autismus gleichgesetzt werden 2, 3.
- Bei auffälligen Verhaltensweisen bei Hunden ist eine tierärztliche Untersuchung angezeigt, um organische Ursachen auszuschließen und geeignete verhaltenstherapeutische Maßnahmen einzuleiten 2.
- Der Einsatz von Hunden in der Therapie von Menschen mit Autismus oder Schizophrenie kann hingegen sinnvoll sein und sollte weiter erforscht werden 6, 4.