Können Hunde psychisch krank werden?
Ja, Hunde können definitiv psychische Erkrankungen entwickeln, die den menschlichen psychiatrischen Störungen ähneln, darunter Angststörungen, Zwangsstörungen, kognitive Dysfunktion und ADHS-ähnliche Syndrome. 1
Arten von psychischen Erkrankungen bei Hunden
- Zwangsstörungen (OCD): Hunde können repetitive, stereotype Verhaltensweisen entwickeln, die den menschlichen Zwangsstörungen ähneln, wie exzessives Lecken, Kreislaufen oder Schwanzjagen 1
- Angststörungen: Trennungsangst ist eine der häufigsten psychischen Störungen bei Hunden, die sich durch übermäßiges Bellen, destruktives Verhalten und unangemessene Elimination äußert, wenn der Hund allein gelassen wird 1
- ADHS-ähnliches Syndrom: Gekennzeichnet durch Impulsivität, Aufmerksamkeitsprobleme und Hyperaktivität, was die Lebensqualität sowohl des Hundes als auch des Besitzers beeinträchtigen kann 2
- Kognitive Dysfunktion: Die canine kognitive Dysfunktion (CCD) ist das Hundeäquivalent zur Alzheimer-Krankheit beim Menschen und betrifft 14-35% der älteren Hundepopulation (>8 Jahre) 3
Pathophysiologie
- Die Pathophysiologie von psychischen Störungen bei Hunden ist komplex und umfasst Dysregulationen verschiedener Neurotransmitter wie Serotonin und Dopamin 2
- Bei ADHS-ähnlichen Verhaltensweisen scheint eine klassische Gen-Umwelt-Interaktion vorzuliegen, ähnlich wie bei vielen neurologischen Störungen beim Menschen 2
- Stress kann bei Tieren zu Veränderungen im Hippocampus und präfrontalen Kortex führen, ähnlich wie bei Menschen mit Depressionen und Angststörungen 4
- Soziale Isolation erhöht die Anfälligkeit für depressions- und angstähnliches Verhalten bei Labortieren 4
Klinische Anzeichen
- Verhaltensänderungen: Plötzliche oder anhaltende Änderungen im Verhalten eines Tieres sollten immer auf eine mögliche pathophysiologische Grundlage untersucht werden 5
- Kognitive Dysfunktion: Verwirrung, Angst, Störung des Schlaf-Wach-Zyklus und verminderte Interaktion mit Besitzern sind typische klinische Anzeichen 3
- Komorbidität: ADHS-ähnliche Hunde können starke Komorbiditäten mit Zwangsverhalten, Aggressivität, unangemessener Elimination und Ängstlichkeit aufweisen 2
- Physische Manifestationen: Psychische Probleme können sich auch in Hauterkrankungen, Fellproblemen oder Magen-Darm-Störungen äußern 6
Diagnose
- Es gibt keinen veterinärmedizinischen Konsens über die Diagnose von ADHS-ähnlichen Zuständen, aber validierte Fragebögen können hilfreich sein 2
- Die Diagnose sollte immer physische Ursachen ausschließen, da eine Vielzahl von körperlichen Erkrankungen sich als Verhaltensprobleme manifestieren können 5
- Besonders wichtig ist der Ausschluss von Hypothyreose, die häufig zu Verhaltensänderungen führen kann 6
- Eine longitudinale Beurteilung ist entscheidend für eine genaue Diagnose, da sich die zeitliche Beziehung zwischen Stimmungs- und psychotischen Symptomen im Laufe der Zeit klarer abzeichnet 7
Behandlungsansätze
- Umweltanreicherung: Hunde, die in komplexen, angereicherten Umgebungen leben, zeigen verbesserte Lern- und Problemlösungsfähigkeiten, reduzierte Angst und depressionsähnliche Verhaltensweisen 4
- Medikamentöse Therapie: Psychopharmaka wie Fluoxetin, Amitriptylin, Buspiron und Clomipramin können bei der Behandlung verschiedener psychischer Störungen bei Hunden wirksam sein 2, 6
- Verhaltensmodifikation: Entspannungsprotokolle und Verhaltensänderungstechniken können eine angemessene Lebensqualität sowohl für den Hund als auch für die Besitzer erreichen 2
- Frühzeitige Intervention: Obwohl es keine Heilung für canine kognitive Dysfunktion gibt, sind mehrere bewährte therapeutische Ansätze verfügbar, die am wirksamsten sind, wenn sie früh im Krankheitsverlauf eingesetzt werden 3
Wichtige Hinweise und Fallstricke
- Nicht alle Verhaltensprobleme sind psychischer Natur - körperliche Erkrankungen können ähnliche Symptome verursachen und sollten immer ausgeschlossen werden 5
- Die Fehlinterpretation von substanzinduzierten Psychosen als primäre psychotische oder Stimmungsstörung sollte vermieden werden 7
- Die Übersehung der Möglichkeit, dass psychotische Symptome dissoziative Phänomene bei traumabedingten Störungen darstellen können, ist ein häufiger Fehler 7
- Das Verständnis der Rolle von Stress bei chronischen Schmerzen und Depressionen/Angststörungen ist wichtig für eine umfassende Behandlung 4