Lokale Behandlungsoptionen für kranial migrierten Bandscheibenvorfall
Bei kranial migriertem Bandscheibenvorfall können topische Analgetika wie Capsaicin-Creme oder Diclofenac-Gel zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, wobei Capsaicin aufgrund seiner nachgewiesenen Wirksamkeit bei neuropathischen Schmerzen die bessere Option darstellt. 1, 2
Wirksame topische Behandlungen
Capsaicin-Creme
- Capsaicin 0,075% Creme hat sich bei der Behandlung neuropathischer Schmerzen als wirksam erwiesen und kann bei Bandscheibenvorfällen mit radikulären Schmerzen eingesetzt werden 1
- Die Anwendung sollte 3-4 mal täglich erfolgen, wobei eine dünne Schicht auf die betroffene Stelle aufgetragen und sanft einmassiert wird 3
- Die Wirkung tritt nach wiederholter Anwendung durch Desensibilisierung der Schmerzrezeptoren ein 1
- Lokale Hautreaktionen sind häufig, aber meist vorübergehend und nehmen mit der Zeit ab 1
Diclofenac-Gel
- Diclofenac 3% in 2,5% Hyaluronsäure-Gel kann zweimal täglich für 60-90 Tage angewendet werden und verursacht in der Regel weniger intensive lokale Hautreaktionen als andere topische Behandlungen 2
- Der Wirkmechanismus beruht vermutlich auf der Hemmung des Cyclooxygenase-Wegs, was zu einer reduzierten Prostaglandin-E2-Synthese führt 2
- Die Anwendung kann sowohl lokal auf die schmerzhafte Stelle als auch auf ein größeres Areal erfolgen 2
Weitere topische Optionen
Mentholhaltige Präparate
- Mentholhaltige Cremes können durch ihre kühlende Wirkung vorübergehende Schmerzlinderung bieten 4
- Bei Anwendung ist zu beachten:
- Nicht auf Wunden oder geschädigte Haut auftragen
- Kontakt mit Augen oder Schleimhäuten vermeiden
- Nicht fest verbinden
- Bei anhaltenden Symptomen (>7 Tage) ärztlichen Rat einholen 4
Feuchtigkeitsspendende Cremes
- Regelmäßige Anwendung von feuchtigkeitsspendenden Cremes kann die Hautbarriere stärken und Irritationen vorbeugen 2
- Cremes in Tuben sind hygienischer als solche in Dosen, da Kontaminationen vermieden werden 2
Klinische Überlegungen bei kranial migriertem Bandscheibenvorfall
- Kranial migrierte Bandscheibenvorfälle machen etwa 4,6% aller Bandscheibenvorfälle aus und stellen eine besondere therapeutische Herausforderung dar 5
- Extraligamentäre Bandscheibenfragmente migrieren häufiger nach kranial als subligamentäre Fragmente 5
- Die natürliche Entwicklung bei Bandscheibenvorfällen mit Radikulopathie ist generell günstig mit Verbesserung innerhalb der ersten 4 Wochen bei nicht-invasiver Behandlung 6
- Topische Behandlungen sollten als Teil eines umfassenden Behandlungsplans betrachtet werden, der auch Aktivitätsmodifikation und gegebenenfalls systemische Analgetika umfasst 6
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Bei anhaltenden oder sich verschlechternden Symptomen trotz topischer Behandlung sollte eine ärztliche Beurteilung erfolgen 4
- MRT ist die bevorzugte bildgebende Methode zur Beurteilung akuter Bandscheibenvorfälle und der damit verbundenen Masseneffekte 7
- Chirurgische Intervention wird typischerweise für Patienten mit anhaltenden Symptomen nach 6 Wochen konservativer Behandlung in Betracht gezogen 7, 8
- Bei Anzeichen von schweren neurologischen Defiziten, Cauda-Equina-Syndrom oder Verdacht auf Infektion oder Malignität ist eine sofortige ärztliche Beurteilung erforderlich 7