Schmerzbehandlung bei kranial umschlagenem Bandscheibenprolaps
Bei starken Schmerzen durch einen kranial umschlagenen Bandscheibenprolaps empfehle ich primär die Anwendung von topischen Lidocain-Präparaten in Kombination mit systemischen Schmerzmitteln wie NSAIDs und bei Bedarf Muskelrelaxantien. 1
Erstlinienbehandlung für akute Schmerzen
Topische Schmerzgele
- Lidocain-haltige Schmerzgele zeigen eine gute Wirksamkeit bei neuropathischen Schmerzen und können die Intensität von Bandscheiben-assoziierten Schmerzen reduzieren 1
- Topisches Lidocain hat sich als wirksamer erwiesen als andere topische Präparate wie Amitriptylin bei neuropathischen Schmerzen 1
Systemische Schmerzmedikation
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs) als Basistherapie bei entzündungsbedingten Schmerzen 1
- Acetaminophen (Paracetamol) 650 mg alle 4-6 Stunden (maximale Tagesdosis beachten) als Alternative oder Ergänzung 1
- Muskelrelaxantien können bei begleitenden Muskelverspannungen hilfreich sein 1
Weiterführende Behandlungsoptionen
Für anhaltende Schmerzen
- Bei unzureichender Schmerzlinderung durch topische und orale Medikamente sollten Antiepileptika (Gabapentin, Pregabalin) oder Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRIs) in Betracht gezogen werden 1
- Trizyklische Antidepressiva können bei neuropathischen Schmerzkomponenten eingesetzt werden 1
- Opioidanalgetika sollten nur bei schweren, therapieresistenten Schmerzen und in der niedrigsten wirksamen Dosis eingesetzt werden 1
Physikalische Therapie
- Aktiv bleiben und Bettruhe vermeiden - dies ist wirksamer als Bettruhe bei akuten oder subakuten Rückenschmerzen 1
- Gezielte physiotherapeutische Übungen zur Stabilisierung der Wirbelsäule 1
- Bei chronischen Beschwerden können gewichtstragende Übungen und thorakale/lumbale Stabilisierungsübungen hilfreich sein 1
Interventionelle Verfahren bei therapieresistenten Schmerzen
- Bei anhaltenden radikulären Symptomen trotz konservativer Therapie können epidurale Steroidinjektionen in Betracht gezogen werden 1
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) kann als nicht-invasives Verfahren angewendet werden 1
- Bei schweren, therapieresistenten Schmerzen kann eine Überweisung zu einem Schmerztherapeuten für interventionelle Verfahren wie interkostale Nervenblockaden erwogen werden 1
Chirurgische Optionen
- Die chirurgische Diskektomie sollte für sorgfältig ausgewählte Patienten mit anhaltender Ischialgie aufgrund eines Bandscheibenvorfalls in Betracht gezogen werden 2
- Für kranial migrierte Bandscheibenvorfälle können spezielle Techniken wie der endoskopische intralaminäre Zugang oder die gezielte translaminäre Diskektomie mit tubulären Retraktoren erforderlich sein 3, 4
- Die natürliche Entwicklung eines lumbalen Bandscheibenvorfalls mit Radikulopathie zeigt bei den meisten Patienten eine Verbesserung innerhalb der ersten 4 Wochen mit nicht-invasiver Behandlung 1
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Benzodiazepine sollten nicht routinemäßig bei Patienten eingesetzt werden, die wegen eines Bandscheibenvorfalls mit mechanischer Physiotherapie behandelt werden, da sie die Genesung verzögern können 5
- Bei progressiven neurologischen Defiziten oder Verdacht auf schwerwiegende Grunderkrankungen ist eine umgehende MRT-Untersuchung erforderlich 1
- Bei Anwendung von NSAIDs sollten Risikofaktoren für gastrointestinale, renale oder kardiovaskuläre Nebenwirkungen berücksichtigt werden 1
- Bei extraligamentösen kranial migrierten Bandscheibenfragmenten ist besondere Vorsicht geboten, da diese stärker nach kranial wandern können als subligamentöse Fragmente 6