Wirksamkeit von Diclofenac 3% bei starken Schmerzen durch kranial umgeschlagenen Bandscheibenvorfall
Diclofenac 3% Gel ist für die Behandlung starker Schmerzen bei einem kranial umgeschlagenen Bandscheibenvorfall nicht ausreichend wirksam und sollte nicht als primäre Therapieoption eingesetzt werden.
Begründung und Therapieoptionen
- Topisches Diclofenac 3% Gel ist hauptsächlich für die Behandlung von Hauterkrankungen wie aktinischen Keratosen zugelassen und nicht für tiefe Rückenschmerzen durch einen Bandscheibenvorfall 1
- Die lokale Anwendung von Diclofenac erreicht nicht die erforderliche Gewebepenetration, um bei tiefen Strukturen wie einem Bandscheibenvorfall wirksam zu sein 1
- Bei einem kranial umgeschlagenen Bandscheibenvorfall mit starken Schmerzen sind systemische Therapien oder interventionelle Verfahren notwendig 2
Empfohlene Therapieoptionen bei Bandscheibenvorfall
Erste Therapielinie:
- Systemische NSAR (wie orales Diclofenac) in angemessener Dosierung für kurze Zeit (1-2 Wochen) 1
- Paracetamol kann als Alternative oder Ergänzung verwendet werden, mit vergleichbarer Wirksamkeit aber besserem Sicherheitsprofil bei älteren Patienten 1
- Physiotherapie mit gezielten Übungen zur Entlastung der betroffenen Nervenwurzel 3
Zweite Therapielinie:
- Transforaminale epidurale Steroidinjektionen (TESI) zeigen die beste Evidenz für kurzfristige Schmerzlinderung bei Bandscheibenvorfällen mit radikulärer Symptomatik 4, 2
- TESI sind wirksamer als interlaminar epidurale oder kaudale Steroidinjektionen bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen 4
Bei neuropathischen Schmerzkomponenten:
- Antikonvulsiva wie Gabapentin (Startdosis 100-300 mg abends, Steigerung auf 900-3600 mg täglich in geteilten Dosen) 1
- Pregabalin (Startdosis 50 mg 3x täglich, Steigerung auf 100 mg 3x täglich) 1
- Trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin oder Nortriptylin in niedriger Dosierung (10-25 mg abends) 1
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Die Verwendung von Benzodiazepinen bei der Behandlung von Bandscheibenvorfällen wird nicht empfohlen, da sie keinen zusätzlichen Nutzen bringen und den Krankenhausaufenthalt verlängern können 3
- Hohe Dosen von NSARs, insbesondere Diclofenac, können die Heilung beeinträchtigen, was besonders relevant ist, wenn später eine Operation notwendig werden sollte 5
- Bei älteren Patienten sollten NSARs mit Vorsicht eingesetzt werden wegen des erhöhten Risikos für Nierenschäden und gastrointestinale Komplikationen 1
- Bei längerer Anwendung von NSARs sollte ein Protonenpumpenhemmer zum Magenschutz verordnet werden 1
Fazit
Bei einem kranial umgeschlagenen Bandscheibenvorfall mit starken Schmerzen ist topisches Diclofenac 3% nicht die geeignete Therapieoption. Eine multimodale Therapie mit systemischen Schmerzmitteln, gezielter Physiotherapie und bei Bedarf interventionellen Verfahren wie transforaminalen epiduralen Steroidinjektionen ist zu bevorzugen 4, 2.