Warum entspricht 150 mg Paliperidon Palmitat nicht 3,8 mg bei einer oralen Äquivalenz von 12 mg
Die Dosierung von 150 mg Paliperidon Palmitat entspricht nicht 3,8 mg, sondern tatsächlich 100 mg Äquivalent Paliperidon (100 mg eq.), da bei der Umrechnung zwischen der injizierbaren Depotform und der oralen Form spezifische pharmakokinetische Faktoren berücksichtigt werden müssen.
Pharmakokinetische Grundlagen
- Paliperidon Palmitat ist ein langwirksames injizierbares Antipsychotikum (LAI), bei dem die Dosierung in Milligramm Äquivalent (mg eq.) Paliperidon angegeben wird, nicht in der tatsächlichen Menge des Esters Paliperidon Palmitat 1
- Die Umrechnung zwischen der injizierbaren Form (Paliperidon Palmitat) und der tatsächlich freigesetzten Menge Paliperidon erfolgt nach einem festgelegten Verhältnis, das auf pharmakokinetischen Modellen basiert 1
- 150 mg eq. Paliperidon entspricht 234 mg Paliperidon Palmitat, während 100 mg eq. Paliperidon 156 mg Paliperidon Palmitat entspricht 2
Dosierungsempfehlungen für Paliperidon Palmitat
- Das empfohlene Initiierungsschema für Paliperidon Palmitat besteht aus 150 mg eq. Paliperidon (234 mg Paliperidon Palmitat) am Tag 1, gefolgt von 100 mg eq. Paliperidon (156 mg Paliperidon Palmitat) am Tag 8 1, 2
- Beide Initialdosen werden in den Deltamuskel injiziert, wobei die Nadelgröße vom Gewicht des Patienten abhängt: 1-Zoll 23G-Nadel bei Patienten <90 kg und 1,5-Zoll 22G-Nadel bei Patienten ≥90 kg 1
- Die monatliche Erhaltungsdosis liegt zwischen 25-150 mg eq. Paliperidon (39-234 mg Paliperidon Palmitat), mit einer empfohlenen Dosis von 75 mg eq. Paliperidon (117 mg Paliperidon Palmitat) 2
Unterschied zwischen oraler und injizierbarer Form
- Paliperidon ist der aktive Metabolit von Risperidon, aber der Stoffwechsel und die Ausscheidung von Paliperidon unterscheiden sich erheblich von denen des Risperidons 3
- Bei der oralen Form von Paliperidon Extended-Release (ER) beträgt die empfohlene Dosis für Erwachsene 6 mg/Tag, ohne dass eine anfängliche Dosistitration erforderlich ist 3
- Die Umrechnung zwischen oraler und injizierbarer Form basiert auf pharmakokinetischen Simulationsmodellen, die die unterschiedliche Bioverfügbarkeit und Freisetzungskinetik berücksichtigen 1
Pharmakokinetische Besonderheiten von Paliperidon Palmitat
- Paliperidon Palmitat hat eine Halbwertszeit von etwa 23 Stunden und erreicht die maximale Plasmakonzentration etwa 24 Stunden nach der Verabreichung 3
- Die Pharmakokinetik ist dosisproportional, und die Ausscheidung erfolgt hauptsächlich über die Nieren 3
- Das pharmakokinetische Profil von Paliperidon Palmitat wurde durch ein Ein-Kompartiment-Dispositionsmodell mit Null-/Erster-Ordnung-Absorption am besten beschrieben 1
Klinische Implikationen
- Paliperidon Palmitat kann am Tag nach dem Absetzen einer früheren oralen antipsychotischen Behandlung begonnen werden, ohne dass eine orale Ergänzung erforderlich ist 2
- Bei Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance: 50-80 ml/min) sollte die Dosierung angepasst werden 2
- Bei älteren Patienten mit normaler Nierenfunktion sollte die gleiche Dosierung wie bei jüngeren erwachsenen Patienten mit normaler Nierenfunktion angewendet werden 2
Die Diskrepanz zwischen der injizierbaren Dosis und der oralen Äquivalenzdosis erklärt sich also durch die unterschiedliche Pharmakokinetik und Bioverfügbarkeit der beiden Formulierungen, die in umfangreichen pharmakokinetischen Modellen und klinischen Studien ermittelt wurden.