Behandlung von Chemotherapie-induzierter Emesis bei Epirubicin und Ifosfamid
Die Kombination aus einem 5-HT3-Rezeptorantagonisten (wie Palonosetron), Dexamethason und Aprepitant ist hochwirksam bei der Kontrolle von Übelkeit und Erbrechen bei Patienten, die eine Epirubicin- und Ifosfamid-Chemotherapie erhalten, mit Ansprechraten von bis zu 80%. 1
Einstufung des emetogenen Risikos
- Epirubicin und Ifosfamid werden als moderat emetogen eingestuft, wobei Ifosfamid besondere Beachtung verdient, da es in der Leitlinie als Chemotherapeutikum genannt wird, bei dem Aprepitant zusätzlich empfohlen wird 2
- Bei Mehrtagestherapien mit diesen Substanzen kann das emetogene Potenzial jedoch höher sein, vergleichbar mit hochemetogenen Regimen 3
Empfohlenes antiemetisches Regime
Tag 1 (vor der Chemotherapie beginnen):
- Aprepitant 125 mg oral oder Fosaprepitant 115 mg i.v. 2
- Dexamethason 12 mg oral oder i.v. 2
- Ein 5-HT3-Antagonist (eine der folgenden Optionen): 2
- Palonosetron 0,25 mg i.v. (Kategorie 1 Empfehlung)
- Ondansetron 16-24 mg oral oder 8-12 mg i.v.
- Granisetron 1-2 mg oral oder 0,01 mg/kg i.v.
- Dolasetron 100 mg oral oder 1,8 mg/kg i.v.
- Optional: Lorazepam 0,5-2 mg oral/i.v./sublingual alle 4-6 Stunden bei Bedarf 2
Tage 2-3:
- Aprepitant 80 mg oral täglich 2
- Dexamethason 12 mg oral oder i.v. täglich 2
- Optional: 5-HT3-Antagonist fortsetzen 2
Wirksamkeit der antiemetischen Therapie
- Studien zeigen, dass mit einer Dreifachkombination aus Palonosetron, Dexamethason und Aprepitant bis zu 80% der Patienten ein komplettes Ansprechen (keine Emesis, keine Notfallmedikation) erreichen können 1
- Die Wirksamkeit bleibt über mehrere Chemotherapiezyklen hinweg stabil, mit Ansprechraten zwischen 76% und 88% 1
- Bei pädiatrischen Patienten, die Ifosfamid erhalten, ist die Kontrolle der Übelkeit und des Erbrechens schwieriger, mit niedrigeren Ansprechraten (23% vollständige CINV-Kontrolle) 3
Durchbruch-Emesis behandeln
Bei Patienten, die trotz prophylaktischer Behandlung Übelkeit oder Erbrechen entwickeln:
- Grundprinzip: Ein zusätzliches Medikament aus einer anderen Wirkstoffklasse bei Bedarf geben 2
- Optionen für die Durchbruchbehandlung: 2
- Metoclopramid 10-40 mg oral oder i.v. alle 4-6 Stunden
- Prochlorperazin 10 mg oral oder i.v. alle 4-6 Stunden
- Olanzapin 2,5-5 mg oral zweimal täglich
- Haloperidol 1-2 mg oral alle 4-6 Stunden
- Dronabinol 5-10 mg oral alle 3-6 Stunden
Besondere Überlegungen
- Aprepitant sollte speziell bei Patienten, die Ifosfamid erhalten, in Betracht gezogen werden, da es in Studien die Wirksamkeit der antiemetischen Prophylaxe signifikant verbessert 2, 4
- Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass Aprepitant die Pharmakokinetik von Ifosfamid nicht signifikant beeinflusst, obwohl es ein CYP3A4-Inhibitor ist 4
- Patienten mit gutem Ansprechen auf die antiemetische Therapie haben eine signifikant höhere Nahrungsaufnahme, was die Lebensqualität und möglicherweise das klinische Outcome verbessert 1
Verzögerte Emesis
- Etwa 32-35% der Patienten leiden unter verzögerter Übelkeit und/oder Erbrechen bei moderat emetogener Chemotherapie 5
- Das Risiko für verzögerte Emesis ist deutlich höher bei Patienten, die bereits akute Emesis erlebt haben (ca. 55% vs. 13% bei Patienten ohne akute Emesis) 5
- Die konsequente Prophylaxe der akuten Emesis ist daher entscheidend für die Kontrolle der verzögerten Emesis 2, 5
Antizipatorische Übelkeit und Erbrechen
- Tritt bei bis zu 20% der Patienten nach dem vierten Behandlungszyklus auf 2
- Die beste Vorbeugung ist die optimale Kontrolle der akuten und verzögerten Emesis von Anfang an 2
- Bei bereits entwickelter antizipatorischer Übelkeit können Benzodiazepine wie Lorazepam hilfreich sein 2
- Verhaltenstherapeutische Ansätze wie progressive Muskelentspannung oder Hypnose können ebenfalls wirksam sein 2
Die antiemetische Therapie bei Epirubicin- und Ifosfamid-haltiger Chemotherapie ist mit modernen Antiemetika sehr effektiv. Die konsequente prophylaktische Anwendung einer Dreifachkombination aus 5-HT3-Antagonist, Dexamethason und Aprepitant bietet den besten Schutz vor akuter und verzögerter Übelkeit und Erbrechen.