Zeitpunkt der Emesis nach Chemotherapie
Die Emesis nach Chemotherapie tritt in verschiedenen Phasen auf: akut innerhalb der ersten 24 Stunden mit Höhepunkt nach 5-6 Stunden, verzögert nach 24 Stunden bis zu 7 Tage (besonders bei Cisplatin mit Höhepunkt nach 48-72 Stunden), und antizipatorisch vor der nächsten Chemotherapie als konditionierte Reaktion.
Phasen der Chemotherapie-induzierten Emesis
Akute Emesis
- Tritt innerhalb weniger Minuten bis Stunden nach Chemotherapiegabe auf und klingt innerhalb der ersten 24 Stunden ab 1
- Die Intensität der akuten Emesis erreicht ihren Höhepunkt typischerweise nach 5-6 Stunden 1
- Risikofaktoren für akute Emesis sind: weibliches Geschlecht, Alter unter 50 Jahren, Umgebung der Chemotherapiegabe, Alkoholkonsum (verringert das Risiko), Reisekrankheit in der Vorgeschichte, frühere Episoden von Übelkeit und Erbrechen, Dosierung des emetogenen Mittels und Wirksamkeit des antiemetischen Regimes 1
Verzögerte Emesis
- Entwickelt sich mehr als 24 Stunden nach Chemotherapiegabe 1
- Tritt häufig nach Gabe von Cisplatin, Carboplatin, Cyclophosphamid und/oder Doxorubicin auf 1
- Bei Cisplatin erreicht die Emesis ihre maximale Intensität 48-72 Stunden nach der Chemotherapie und kann 6-7 Tage anhalten 1
- Verzögerte Übelkeit ist häufiger als akute Übelkeit, oft schwerwiegender und tendenziell therapieresistenter 1
- Die gute Kontrolle der Übelkeit und des Erbrechens während der akuten Phase korreliert mit der Kontrolle der verzögerten Emesis 2
Antizipatorische Emesis
- Tritt vor der nächsten Chemotherapiebehandlung auf 1
- Ist eine konditionierte Reaktion, die nur nach einer negativen Erfahrung mit Chemotherapie auftreten kann 1
- Die Inzidenz liegt zwischen 18% und 57%, wobei Übelkeit häufiger ist als Erbrechen 1
- Jüngere Patienten sind anfälliger, da sie in der Regel mit aggressiverer Chemotherapie behandelt werden und insgesamt eine schlechtere Emesiskontrolle haben als ältere Patienten 1
Risikofaktoren und Prädiktoren für Emesis
- Unvollständiger Schutz vor Erbrechen während der ersten 24 Stunden nach Cisplatin ist ein wichtiger prognostischer Faktor für das Auftreten verzögerter Emesis 3, 4
- Weibliches Geschlecht und höhere Cisplatin-Dosen begünstigen das Auftreten verzögerter Emesis 3, 4
- Jüngere Frauen, die eine Chemotherapie gegen Brustkrebs erhalten, sind anfälliger für Übelkeit als andere Patientengruppen 1
Emetogenes Potenzial verschiedener Chemotherapeutika
- Die Häufigkeit der chemotherapieinduzierten Emesis hängt primär vom emetogenen Potenzial der spezifischen Chemotherapeutika ab 1
- Chemotherapeutika werden nach ihrem emetogenen Potenzial in 4 Stufen eingeteilt 1:
Pathophysiologie und Neurotransmitter
- Verschiedene Neurotransmitter sind an der Emesis beteiligt, darunter Serotonin (5-HT3), Dopamin, Acetylcholin, Kortikosteroide, Histamin, Cannabinoide, Opiate und Neurokinin-1 (NK-1) 1
- Serotonin vermittelt den frühen Erbrechensvorgang, der innerhalb von 8-12 Stunden nach Cisplatin-basierter Chemotherapie auftritt 5
- Nach dieser Zeit wird Substanz P, die an NK-1-Rezeptoren wirkt, zum dominierenden Vermittler des Erbrechens 5
- Verzögerte Emesis wird primär durch andere Neurotransmitter als Serotonin vermittelt 6, 4
Fazit
Die Emesis nach Chemotherapie folgt einem zeitlichen Muster mit akuter Phase (erste 24 Stunden, Höhepunkt nach 5-6 Stunden), verzögerter Phase (24 Stunden bis 7 Tage nach Therapie, besonders bei Cisplatin mit Höhepunkt nach 48-72 Stunden) und antizipatorischer Phase (vor der nächsten Behandlung). Die Kenntnis dieser zeitlichen Muster ist entscheidend für die Planung einer effektiven antiemetischen Prophylaxe und Therapie.