Erhöhtes Fehlbildungsrisiko nach Chemotherapie mit Epirubicin und Ifosfamid während der Schwangerschaft
Während des ersten Schwangerschaftstrimesters besteht ein erhöhtes Risiko für fetale Fehlbildungen bei Chemotherapie mit Epirubicin und Ifosfamid, weshalb diese Kombination in diesem Zeitraum vermieden werden sollte. 1, 2
Risiken nach Trimester
Erstes Trimester:
- Chemotherapie während der Organogenese (4.-13. Woche) ist mit einem deutlich erhöhten Risiko für fetale Fehlbildungen und Schwangerschaftsverlust verbunden 3
- Spezifische Fehlbildungen nach Epirubicin-Exposition im ersten Trimester umfassen Mikrognathie sowie Hand- und Fußfehlbildungen 2
- Bei dringender Behandlungsnotwendigkeit im ersten Trimester sollte ein Schwangerschaftsabbruch diskutiert werden 1
Zweites und drittes Trimester:
- Chemotherapie erscheint im zweiten und dritten Trimester relativ sicher bezüglich Fehlbildungen, ist jedoch mit erhöhtem Risiko für Aborte und Frühgeburten verbunden 1
- Bei Weichteilsarkomen wird Doxorubicin als Einzelsubstanz empfohlen, da für Ifosfamid begrenzte Sicherheitsdaten während der Schwangerschaft vorliegen 1
- Eine Fallserie von neun Patientinnen, die mit Doxorubicin und Ifosfamid während der Schwangerschaft behandelt wurden, wurde berichtet, jedoch wird aufgrund des Toxizitätsprofils von Ifosfamid eine Monotherapie bevorzugt 1
Allgemeine Empfehlungen
- Die Behandlung von Krebs während der Schwangerschaft erfordert eine multidisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Patientin, Onkologe, Geburtshelfer und Neonatologe 1
- Bei Exposition im zweiten oder dritten Trimester ist mit intrauteriner Wachstumsretardierung, Frühgeburtlichkeit und niedrigem Geburtsgewicht zu rechnen 3, 4
- Für Entbindungen vor der 36. Schwangerschaftswoche werden antenatale Kortikosteroide empfohlen, um das Risiko von Morbidität und Mortalität durch Atemnotsyndrom zu reduzieren 1
- Ein Intervall von mindestens 3 Wochen zwischen der letzten Chemotherapie und der Entbindung wird empfohlen 4
- Stillen ist kontraindiziert, wenn nach der Entbindung eine Chemotherapie fortgesetzt werden muss 1
Spezifische Überlegungen zu Epirubicin und Ifosfamid
- Anthrazykline wie Epirubicin können im zweiten und dritten Trimester eingesetzt werden, wobei Doxorubicin aufgrund der größeren klinischen Erfahrung bevorzugt wird 1
- Für Ifosfamid liegen begrenzte Sicherheitsdaten während der Schwangerschaft vor, und sein Toxizitätsprofil sowie der fehlende Überlebensvorteil gegenüber einer Anthrazyklin-Monotherapie sprechen für eine Einzelsubstanztherapie 1
- Nach der Entbindung kann auf eine Kombinationstherapie umgestellt werden, wenn notwendig 1
Langzeitfolgen und Überwachung
- Neuere Daten zeigen, dass die Langzeitergebnisse von Kindern, die pränatal Chemotherapie ausgesetzt waren, mit denen gleichaltriger Kinder vergleichbar sind 4
- Eine höhere Rate an neurokognitiven Entwicklungsproblemen wurde jedoch nach Frühgeburt beobachtet, auch in dieser ausgewählten Patientenpopulation 4
- Eine strenge fetale Überwachung wird empfohlen, mit besonderem Augenmerk auf die Herzfunktion 1
Fazit
Bei notwendiger Chemotherapie mit Epirubicin und Ifosfamid sollte diese nach Möglichkeit auf das zweite oder dritte Trimester verschoben werden. Im ersten Trimester besteht ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Wenn eine sofortige Behandlung im ersten Trimester erforderlich ist, sollte ein Schwangerschaftsabbruch in Erwägung gezogen werden. Bei Behandlung im zweiten oder dritten Trimester ist mit erhöhtem Risiko für Frühgeburt und intrauterine Wachstumsretardierung zu rechnen, jedoch nicht mit erhöhtem Fehlbildungsrisiko.