Diagnosekriterien und Therapie bei idiopathischem Gesichtsschmerz
Bei persistierendem idiopathischem Gesichtsschmerz (atypischer Gesichtsschmerz) ist die primäre Behandlungsstrategie die Kombination von Antidepressiva mit kognitiver Verhaltenstherapie. 1
Diagnosekriterien
Der persistierende idiopathische Gesichtsschmerz (PIFP) wird diagnostiziert, wenn die Symptome keine anderen bekannten Kriterien erfüllen:
- Kontinuierlicher, täglich auftretender Gesichtsschmerz, der den größten Teil des Tages anhält 2
- Häufig einseitig lokalisiert, ohne autonome Symptome 3
- Normale neurologische und physikalische Untersuchungsbefunde 4
- Diagnosestellung erfolgt durch Ausschlussverfahren anderer Gesichtsschmerzursachen 2
- Oft besteht eine Vorgeschichte mit anderen chronischen Schmerzen, schlechten Bewältigungsstrategien und Stimmungsstörungen 1
Therapieoptionen
Pharmakologische Therapie (erste Wahl)
Antidepressiva:
Antikonvulsiva:
Nicht-pharmakologische Therapie
Kognitive Verhaltenstherapie:
Psychologische Beratung:
Interventionelle Verfahren (bei Therapieversagen)
Bei Versagen der konservativen Therapie können folgende Verfahren erwogen werden:
Gepulste Radiofrequenzablation:
Botulinumtoxin-Injektionen:
- Zeigen vielversprechende Ergebnisse bei therapieresistenten Fällen 7
Periphere Nervenfeldstimulation:
- Neuere Modalität mit vielversprechenden Ergebnissen 3
Nucleus caudalis DREZ-Läsion:
- Nur in extremen Ausnahmefällen bei therapieresistenten Schmerzen 8
Wichtige Hinweise und Fallstricke
Vermeidung invasiver Verfahren:
- Bei gesunden Zähnen sollten keine zahnärztlichen Eingriffe zur Schmerzbehandlung durchgeführt werden, da dies zur Chronifizierung beitragen kann 2
Differentialdiagnosen beachten:
- Riesenzellarteriitis muss bei Patienten über 50 Jahren mit Schmerzen im Temporalbereich ausgeschlossen werden (BSG und CRP typischerweise erhöht) 1, 5
- Trigeminus-Neuralgie unterscheidet sich durch kurze, einschießende Schmerzattacken mit einer maximalen Dauer von zwei Minuten 2
- Trigeminale autonome Zephalalgien können mit einseitigen autonomen Symptomen verwechselt werden 1
Multidisziplinärer Ansatz:
Chronifizierung vermeiden:
- Frühzeitige adäquate Therapie ist entscheidend, um eine Chronifizierung zu verhindern 2