Stenting bei symptomatischer Aortenstenose bei einer 88-jährigen Patientin
Bei einer 88-jährigen Patientin mit symptomatischer Aortenstenose ist eine transkatheter Aortenklappenimplantation (TAVI) eindeutig indiziert und sollte gegenüber einem chirurgischen Aortenklappenersatz bevorzugt werden. 1
Indikationen für die Intervention bei symptomatischer Aortenstenose
- Bei symptomatischen Patienten mit schwerer Aortenstenose wird eine Intervention (Klappenersatz) dringend empfohlen (Klasse I, Evidenzgrad B) 1
- Die Mortalität bei unbehandelter symptomatischer Aortenstenose beträgt etwa 2% pro Monat mit einer 2-Jahres-Mortalität von etwa 50% nach Symptombeginn 2
- Ohne Intervention ist die Prognose schlecht, mit einer Überlebensrate von nur 50% nach einem Jahr bei älteren Hochrisikopatienten 1
- Eine medikamentöse Therapie allein ist bei symptomatischer schwerer Aortenstenose nicht effektiv 2
Entscheidungskriterien für die Interventionsart (TAVI vs. SAVR)
Altersabhängige Empfehlungen:
- Bei Patienten >80 Jahre wird TAVI eindeutig gegenüber chirurgischem Aortenklappenersatz (SAVR) bevorzugt 1
- Bei einer 88-jährigen Patientin ist das Alter ein klarer Faktor für die Bevorzugung von TAVI 1
Risikofaktoren und Komorbiditäten:
- Die Entscheidung zwischen TAVI und SAVR sollte auf mehreren Faktoren basieren, darunter das chirurgische Risiko, Gebrechlichkeit und Komorbiditäten 1
- Bei älteren Patienten mit erhöhtem operativem Risiko (STS-PROM ≥8%) wird TAVI empfohlen 1
- Patienten mit Porzellan-Aorta oder ungünstiger Thoraxanatomie profitieren besonders von TAVI 1
Ergebnisse bei älteren Patienten
- Die Outcomes nach TAVI bei sehr alten Patienten (≥85 Jahre) sind akzeptabel, was darauf hindeutet, dass diese Patienten von der Intervention profitieren können 3
- Obwohl die 30-Tage-Mortalität bei sehr alten Patienten etwas höher sein kann (3,5% vs. 0,7% bei jüngeren Patienten), gibt es keinen signifikanten Unterschied in der Langzeitmortalität 3
- Die Rate der Komplikationen im Krankenhaus, Rehospitalisierungsrate und Verbesserung der NYHA-Funktionsklasse sind bei sehr alten Patienten vergleichbar mit jüngeren Patienten 3
Wichtige Überlegungen und Fallstricke
- Trotz klarer Indikationen für eine Intervention erhalten etwa 56% der symptomatischen Patienten keinen Aortenklappenersatz, oft aufgrund einer Überschätzung des operativen Risikos oder Fehlklassifikation des Schweregrads der Stenose 4
- Die Entscheidung sollte im Rahmen eines Heart-Teams getroffen werden, bestehend aus Experten für Herzchirurgie, interventionelle Kardiologie, kardiale Bildgebung, Anästhesiologie und Geriatrie 1
- Bei symptomatischer schwerer Aortenstenose und bevorstehendem nicht-kardialen chirurgischen Eingriff ist ein Eingriff an der Aortenklappe vor der nicht-kardialen Operation indiziert 1
- Die Patientin sollte über die Wichtigkeit informiert werden, Symptome umgehend ihrem Arzt zu melden 5
Zusammenfassung der Empfehlung
Bei einer 88-jährigen Patientin mit symptomatischer Aortenstenose ist eine TAVI klar indiziert. Das fortgeschrittene Alter allein ist keine Kontraindikation für eine Intervention, sondern spricht vielmehr für einen kathetergestützten Ansatz (TAVI) anstelle eines chirurgischen Eingriffs. Die Entscheidung sollte durch ein Heart-Team unter Berücksichtigung der individuellen Risikofaktoren, Komorbiditäten und anatomischen Gegebenheiten getroffen werden. Die Daten zeigen, dass auch sehr alte Patienten von einer TAVI profitieren können, mit akzeptablen kurz- und langfristigen Ergebnissen.