Medikamentöse Behandlung bei Agitation unter Dexmedetomidin und Quetiapin bei einer Patientin im Substitutionsprogramm
Bei einer Patientin im Substitutionsprogramm (Substitol, Praxiten) mit massiver Unruhe unter Dexmedetomidin und Seroquel sollte eine Dosisanpassung des Dexmedetomidins auf 0,7-1,5 μg/kg/h als erste Maßnahme erfolgen, da es speziell für die Behandlung von Agitation bei mechanisch beatmeten Patienten empfohlen wird.
Bewertung der aktuellen Situation
- Die Patientin zeigt massive Unruhe trotz bereits laufender Therapie mit Dexmedetomidin und Quetiapin (Seroquel), was auf eine unzureichende Dosierung oder Wirkung der aktuellen Medikation hindeutet 1
- Dexmedetomidin ist ein selektiver α2-Adrenozeptor-Agonist mit sedativen, analgetischen und sympatholytischen Eigenschaften, der minimale Atemdepression verursacht 2
- Die Kombination von Dexmedetomidin mit Quetiapin kann bei manchen Patienten zu paradoxen Reaktionen führen, insbesondere bei Patienten in Substitutionsprogrammen 1
Empfohlene Interventionen
Erste Maßnahme: Optimierung des Dexmedetomidins
- Die Erhaltungsdosis von Dexmedetomidin sollte auf 0,7-1,5 μg/kg/h titriert werden, da niedrigere Dosen möglicherweise nicht ausreichend wirksam sind 2, 3
- Dexmedetomidin hat sich speziell bei der Behandlung von agitierten Patienten bewährt, bei denen andere Sedativa nicht ausreichend wirken 1
- Die DahLIA-Studie zeigte, dass Dexmedetomidin bei agitierten Patienten zu einer schnelleren Auflösung der Delir-Symptome führte (23,3 vs. 40,0 Stunden) 1
Alternative Medikamente bei unzureichender Wirkung
- Bei unzureichender Wirkung von Dexmedetomidin kann eine kurzfristige Gabe von Haloperidol erwogen werden, insbesondere wenn die Patientin eine Gefahr für sich selbst darstellt 1, 3
- Die Leitlinien empfehlen zwar nicht die routinemäßige Verwendung von Antipsychotika zur Behandlung von Delir, machen jedoch eine Ausnahme für Patienten mit gefährlicher Agitation 1, 3
- Antipsychotika sollten sofort nach Auflösung der belastenden Symptome abgesetzt werden 1
Vorsichtsmaßnahmen und Monitoring
- Kontinuierliches hämodynamisches Monitoring ist während der Dexmedetomidin-Verabreichung unerlässlich, da Hypotonie (10-20% der Patienten) und Bradykardie häufige Nebenwirkungen sind 2
- Bei Patienten im Substitutionsprogramm muss auf mögliche Entzugssymptome geachtet werden, die die Agitation verstärken können 1
- Vermeiden Sie Cholinesterasehemmer wie Rivastigmine, da diese mit erhöhter Mortalität und längerer Delirdauer verbunden sind 1
Besondere Überlegungen bei Patienten im Substitutionsprogramm
- Bei Patienten unter Opioidsubstitution (Substitol) können Entzugssymptome die Agitation verstärken; stellen Sie sicher, dass die Substitutionstherapie adäquat dosiert ist 1
- Benzodiazepine (Praxiten) können bei abruptem Absetzen zu Entzugssymptomen führen, die sich als Angst, Agitation und hyperaktives Delir manifestieren können 1
- Die Kombination von Dexmedetomidin mit Benzodiazepinen kann bei manchen Patienten synergistische sedierende Effekte haben, was die Dosisanpassung erleichtert 4
Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
- Vermeiden Sie eine zu schnelle Aufdosierung von Dexmedetomidin, da dies zu einer biphasischen kardiovaskulären Reaktion führen kann (vorübergehende Hypertonie gefolgt von Hypotonie) 2
- Bei Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion ist die Clearance von Dexmedetomidin beeinträchtigt, was niedrigere Dosen erforderlich machen kann 2
- Die gleichzeitige Anwendung von Dexmedetomidin und Quetiapin kann das QT-Intervall verlängern; ein EKG-Monitoring wird empfohlen 3
- Nach längerer Anwendung von Dexmedetomidin (>7 Tage) können Entzugssymptome wie Übelkeit, Erbrechen und Agitation innerhalb von 24-48 Stunden nach Absetzen auftreten 1
Bei dieser komplexen Patientin mit Agitation unter bereits laufender Therapie ist die Optimierung der Dexmedetomidin-Dosierung der vielversprechendste Ansatz, da es speziell für die Behandlung von Agitation bei Intensivpatienten empfohlen wird und eine minimale Atemdepression verursacht.