Augeninfarkt durch Unterversorgung der Netzhautarterien ohne Blutgerinnsel
Ein Augeninfarkt (retinale arterielle Ischämie) kann definitiv durch eine Unterversorgung der Netzhautarterien ohne ein losgelöstes Blutgerinnsel entstehen, insbesondere bei Gefäßentzündungen oder hämodynamischen Störungen.
Ursachen eines Augeninfarkts ohne Blutgerinnsel
- Die häufigste nicht-embolische Ursache ist die Riesenzellarteriitis (Giant Cell Arteritis, GCA), bei der eine Gefäßentzündung zu einer Verdickung der Gefäßwand und Okklusion führt 1
- Bei der GCA kann eine entzündliche Erkrankung der proximalen Augenarterie gleichzeitige Ischämie der inneren und äußeren Netzhaut sowie des Sehnervenkopfes verursachen 1
- Vaskulitiden und andere entzündliche Systemerkrankungen können zu Gefäßverengungen führen, ohne dass ein Embolus vorliegt 1
- Hämodynamische Beeinträchtigungen bei schwerer Karotisstenose können zu einer Minderperfusion der Netzhaut führen, auch wenn dies seltener ist als embolische Ursachen 1
Pathophysiologie der Netzhautminderperfusion
- Die Netzhaut hat eine duale Blutversorgung: Die inneren Schichten werden durch die Netzhautarterien versorgt, die äußeren durch die Aderhautgefäße 1
- Bei einer Minderperfusion ohne vollständigen Verschluss kommt es zu einer Ischämie der inneren Netzhautschichten 1
- Die Dauer der Minderperfusion ist entscheidend für den Grad der Netzhautschädigung und das endgültige Sehvermögen 1
- Experimentelle Studien zeigen, dass eine Netzhautarterie bis zu 97 Minuten ohne erkennbaren Schaden verschlossen sein kann, während nach 240 Minuten schwere und irreversible Schäden auftreten 1
Klinische Präsentation
- Plötzlicher, schmerzloser Verlust des Sehvermögens und des peripheren Sehens auf einem Auge 1
- Der Grad des Sehverlusts ist variabel: Bei >80% der Patienten ist die anfängliche Sehschärfe "Fingerzählen" oder schlechter 1
- Typische Fundusbefunde umfassen Netzhautödem (erkennbar als Netzhautaufhellung) und einen kirschroten Fleck 1
- Bei einer vorübergehenden Minderperfusion (transiente monokulare Sehstörung) bildet sich die Sehstörung innerhalb von Sekunden bis Minuten zurück 2
Management und Behandlung
- Akute retinale arterielle Ischämie sollte als medizinischer Notfall behandelt werden mit sofortiger Überweisung an ein Schlaganfallzentrum 1
- Bei Verdacht auf Riesenzellarteriitis ist eine sofortige Behandlung mit hochdosierten Kortikosteroiden erforderlich 1
- Patienten mit akutem Verschluss sollten eine dringliche Abklärung auf vaskuläre Risikofaktoren erhalten 1
- Derzeit gibt es keine bewiesenen wirksamen Behandlungen zur Verbesserung des Sehvermögens nach permanentem Netzhautarterienverschluss 3
- Bei Entwicklung einer Neovaskularisation der Iris oder Netzhaut wird eine panretinale Photokoagulation empfohlen 1
Prognose und Folgen
- Die natürliche Prognose bezüglich der Wiederherstellung des Sehvermögens ist schlecht 1
- Patienten mit akuter retinaler arterieller Ischämie haben ein hohes Risiko für weitere vaskuläre Ereignisse wie Schlaganfälle und Herzinfarkte 3
- Das Risiko eines Schlaganfalls ist in den ersten 7 Tagen nach Beginn am höchsten und bleibt für 30 Tage erhöht 1
- Stille Hirninfarkte sind ein häufiger Befund bei Patienten mit akutem Netzhautarterienverschluss 1
Wichtige Hinweise für die klinische Praxis
- Eine sofortige Überweisung an ein spezialisiertes Schlaganfallzentrum ist entscheidend 1, 2
- Bei älteren Patienten mit plötzlichem Sehverlust sollte immer an eine Riesenzellarteriitis gedacht werden 1
- Die Zusammenarbeit zwischen Optometristen, Augenärzten und Schlaganfall-Neurologen ist für ein effektives Management unerlässlich 2
- Patienten mit größerer Ischämie benötigen eine engere und häufigere Nachsorge 1