Wechselwirkung zwischen Risperidon und Carbamazepin bezüglich P-Glykoprotein
Carbamazepin reduziert die Plasmakonzentrationen von Risperidon und seinem aktiven Metaboliten 9-Hydroxyrisperidon signifikant durch Induktion von CYP3A4 und P-Glykoprotein, was eine Dosisanpassung von Risperidon erforderlich macht.
Mechanismus der Wechselwirkung
- Carbamazepin ist ein starker Induktor von CYP3A4 und P-Glykoprotein (P-gp), was zu einer beschleunigten Metabolisierung und verringerten Bioverfügbarkeit von Risperidon führt 1, 2
- Risperidon wird hauptsächlich über CYP2D6 zu seinem aktiven Metaboliten 9-Hydroxyrisperidon metabolisiert, aber auch CYP3A4 spielt eine Rolle im Stoffwechsel 1
- P-Glykoprotein ist ein Transportprotein, das die Aufnahme und Ausscheidung verschiedener Medikamente beeinflusst, und Carbamazepin induziert nachweislich die Expression von P-gp im Darm 3
- Die Induktion von P-gp durch Carbamazepin führt zu einer verringerten Absorption und erhöhten Ausscheidung von P-gp-Substraten wie Risperidon 3
Klinische Auswirkungen
- Studien zeigen, dass die gleichzeitige Verabreichung von Carbamazepin die Plasmakonzentrationen von Risperidon und 9-Hydroxyrisperidon um etwa 50% reduziert 2, 4
- Die Summe der Konzentrationen von Risperidon und seinem aktiven Metaboliten bei Patienten, die Carbamazepin erhalten, ist signifikant niedriger (Median 44 nmol/L) als bei Patienten ohne Carbamazepin (150 nmol/L) 4
- Diese Wechselwirkung kann zu einer verminderten antipsychotischen Wirksamkeit führen und erfordert eine Dosisanpassung von Risperidon 1
- Die Auswirkungen der Carbamazepin-Induktion auf die Risperidon-Konzentration sind abhängig vom CYP2D6-Genotyp des Patienten, wobei langsame CYP2D6-Metabolisierer stärker betroffen sein können 2
Dosierungsempfehlungen
- Bei gleichzeitiger Anwendung von Carbamazepin sollte die Risperidon-Dosis erhöht werden, bis zu einer Verdoppelung der üblichen Dosis des Patienten 1
- Nach Absetzen von Carbamazepin sollte die Risperidon-Dosis entsprechend reduziert werden, um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren 1, 5
- Die Dosisanpassung sollte schrittweise erfolgen und auf die individuelle Verträglichkeit und das Ansprechen des Patienten abgestimmt werden 1
- Nach Absetzen von Carbamazepin sollte eine Nachuntersuchung nach 2-4 Wochen erfolgen, um den Patienten auf Nebenwirkungen im Zusammenhang mit erhöhten Risperidon-Spiegeln zu überwachen 5
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
- Bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion ist besondere Vorsicht geboten, da die Clearance von Risperidon und seinem Metaboliten beeinträchtigt sein kann 1
- Bei älteren Patienten ist die renale Clearance von Risperidon und 9-Hydroxyrisperidon verringert, was bei Dosisanpassungen berücksichtigt werden sollte 1
- Bei Patienten, die von einer Kombination aus Carbamazepin und Risperidon auf Risperidon allein umgestellt werden, besteht ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen wie Akathisie, die etwa 3 Wochen nach Absetzen von Carbamazepin auftreten können 5
Überwachung und Management
- Regelmäßige klinische Überwachung der antipsychotischen Wirksamkeit bei gleichzeitiger Anwendung von Carbamazepin und Risperidon 6
- Bei Absetzen von Carbamazepin sollte die Risperidon-Dosis angepasst und der Patient auf Anzeichen von Überdosierung wie extrapyramidale Symptome, Sedierung oder orthostatische Hypotonie überwacht werden 5
- Die Dosisanpassung sollte auf der Grundlage der klinischen Wirksamkeit und des Auftretens von Nebenwirkungen erfolgen 1
- Bei der Verschreibung von Antipsychotika und Antiepileptika sollten Ärzte die Möglichkeit von Arzneimittelwechselwirkungen berücksichtigen und entsprechende Dosisanpassungen vornehmen 6