Richtlinien für Dosisreduktion bei Medikamenten
Die Dosisreduktion bei Medikamenten sollte systematisch und schrittweise erfolgen, wobei die Überwachung von Laborwerten und klinischen Symptomen entscheidend ist, um Morbidität und Mortalität zu minimieren.
Allgemeine Prinzipien der Dosisreduktion
- Dosisreduktionen sollten schrittweise erfolgen, um plötzliche Verschlechterungen des Krankheitszustands zu vermeiden 1
- Vor jeder Dosisreduktion sollte eine stabile Krankheitskontrolle für mindestens 6 Monate bestehen 1
- Die Überwachung sollte während der Dosisreduktion häufiger erfolgen (alle 1-3 Monate) 1
- Entscheidungen zur Dosisreduktion sollten auf validierten Messungen der Krankheitsaktivität basieren 1
Hämatologische Nebenwirkungen und Dosisanpassungen
Neutropenie
- Bei schwerer Neutropenie (ANC <1000/mm³): Medikament pausieren bis ANC ≥1500/mm³, dann mit ursprünglicher Dosis fortfahren 2
- Bei wiederholter Neutropenie: Medikament pausieren bis ANC ≥1500/mm³, dann mit reduzierter Dosis fortfahren (z.B. Imatinib von 400 mg auf 300 mg reduzieren) 2
- Wachstumsfaktoren können bei resistenter Neutropenie in Kombination mit der Therapie eingesetzt werden 2
Thrombozytopenie
- Bei schwerer Thrombozytopenie (Thrombozyten <50.000/mm³): Medikament pausieren bis Thrombozyten ≥75.000/mm³, dann mit ursprünglicher Dosis fortfahren 2
- Bei wiederholter Thrombozytopenie: Medikament pausieren bis Thrombozyten ≥75.000/mm³, dann mit reduzierter Dosis fortfahren 2
Nicht-hämatologische Nebenwirkungen und Dosisanpassungen
Leberfunktionsstörungen
- Bei erhöhten Leberenzymen, Bilirubin, Lipase oder Amylase (Grad 3): Medikament pausieren bis Normalisierung (Grad 1), dann mit reduzierter Dosis fortfahren 2
QT-Intervall-Verlängerung
- Bei QTc >480 ms: Medikament pausieren, Kalium- und Magnesiumspiegel korrigieren 2
- Nach 2 Wochen: Bei QTc <450 ms mit ursprünglicher Dosis fortfahren; bei QTc zwischen 450-480 ms mit reduzierter Dosis fortfahren 2
- Bei anhaltender QTc-Verlängerung >480 ms trotz Dosisreduktion: Medikament absetzen 2
Spezielle Patientengruppen
Ältere Patienten
- Bei Amantadin: Dosis bei Patienten >65 Jahre auf maximal 100 mg/Tag reduzieren 2
- Bei Rimantadin: Dosis bei älteren Pflegeheimbewohnern auf 100 mg/Tag reduzieren 2
- Bei anderen älteren Patienten sollte eine Dosisreduktion auf 100 mg/Tag erwogen werden, wenn Nebenwirkungen auftreten 2
Nierenfunktionsstörungen
- Bei Amantadin: Dosisreduktion bei Kreatinin-Clearance <50 ml/min/1,73m² 2
- Bei Rimantadin: Dosisreduktion auf 100 mg/Tag bei Kreatinin-Clearance <10 ml/min 2
- Bei Oseltamivir: Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion erforderlich 2
- Bei Zanamivir: Keine Dosisanpassung bei inhalativer Anwendung erforderlich 2
Dosisreduktion bei Antikoagulanzien
- Bei Warfarin: Regelmäßige INR-Kontrollen zur Dosisanpassung durchführen 3
- Für Patienten mit mechanischen Herzklappen: Ziel-INR von 2,5-3,5 je nach Klappentyp und -position 3
- Bei Patienten mit bioprosthetischen Herzklappen: Ziel-INR von 2,0-3,0 für die ersten 3 Monate nach Klappenimplantation 3
Dosisreduktion bei rheumatoider Arthritis
- Bei stabiler Krankheitsaktivität (niedrige Krankheitsaktivität oder Remission für ≥6 Monate) kann eine Dosisreduktion erwogen werden 2, 1
- Glucocorticoide sollten vor DMARDs reduziert werden 1
- Bei Patienten mit mehreren DMARDs wird eine schrittweise Reduktion gegenüber einem abrupten Absetzen empfohlen 2
- Bei Patienten mit Methotrexat plus einem biologischen DMARD (bDMARD) wird die schrittweise Reduktion von Methotrexat gegenüber dem bDMARD empfohlen 2
Dosisreduktion bei Hepatitis C
- Bei Neutropenie unter PEG-Interferon-α: Dosis reduzieren bei ANC <750/mm³, absetzen bei ANC <500/mm³ 2
- Bei Thrombozytopenie: Dosis reduzieren bei Thrombozyten <50.000/mm³, absetzen bei Thrombozyten <25.000/mm³ 2
- Bei Anämie unter Ribavirin: Dosis schrittweise um 200 mg reduzieren bei Hämoglobin <10 g/dl, absetzen bei Hämoglobin <8,5 g/dl 2
Praktische Umsetzung der Dosisreduktion
- Systematische Überprüfung aller Medikamente, einschließlich nicht verschreibungspflichtiger Präparate 4
- Identifizierung von Medikamenten-Wechselwirkungen, die Dosisanpassungen erfordern könnten 2
- Einsatz von computergestützten Systemen zur Optimierung der Dosierung kann die Medikamentensicherheit verbessern 5
- Überwachung relevanter physiologischer Parameter während der Dosisreduktion 6
Fallstricke und Vorsichtsmaßnahmen
- Zu schnelle Dosisreduktion kann zu Krankheitsschüben oder Entzugssymptomen führen 1
- Unzureichende Überwachung während der Dosisreduktion kann verzögerte Erkennung von Krankheitsaktivierung zur Folge haben 1
- Bei Patienten mit komplexen Erkrankungen oder mehreren Komorbiditäten ist besondere Vorsicht geboten 6
- Die Compliance des Patienten während der Dosisreduktion muss sichergestellt werden 7