Ursachen und Behandlung von Krämpfen bei Parkinson-Patienten
Bei Parkinson-Patienten können Krämpfe verschiedene Ursachen haben, wobei die Behandlung mit Antikonvulsiva, insbesondere Carbamazepin oder Oxcarbazepin, in niedriger Dosierung am wirksamsten ist.
Mögliche Ursachen für Krämpfe bei Parkinson-Patienten
Medikamentenbedingte Ursachen:
- Akute extrapyramidale Nebenwirkungen von Antipsychotika, besonders Dystonien und Parkinsonismus 1
- Nebenwirkungen von Dopaminagonisten 1
- Medikamenteninduzierter Parkinsonismus durch Antipsychotika oder andere Medikamente 1
- Anticholinerge Nebenwirkungen bestimmter Medikamente 1
Krankheitsbedingte Ursachen:
- Paroxysmale kinesigene Dyskinesie (PKD), die durch plötzliche Bewegungen ausgelöst werden kann 1
- Rigor und muskuläre Steifheit als Grundsymptome der Parkinson-Erkrankung 2
- Muskuloskelettale Schmerzen, die häufigste Form von Schmerzen bei Parkinson 3
- Gastrointestinale Dysmotilität mit Auswirkungen auf die Muskulatur 1
Diagnostisches Vorgehen
- Genaue Charakterisierung der Krämpfe: Dauer, Auslöser (besonders Bewegung), betroffene Körperregionen 1
- Überprüfung der aktuellen Medikation auf mögliche Nebenwirkungen oder Interaktionen 1
- Ausschluss von Elektrolytstörungen und Dehydratation 1
- Beurteilung des Ernährungszustands, da Gewichtsverlust und Mangelernährung bei Parkinson häufig sind 1
Behandlungsoptionen
Erste Wahl bei kinesigenen Krämpfen/Dystonien:
- Carbamazepin in niedriger Dosierung (50-200 mg/Tag) oder Oxcarbazepin (75-300 mg/Tag) zeigen bei über 85% der Patienten vollständige Remission der Anfälle 1
- Initiale Dosierung für Carbamazepin: 50 mg, für Oxcarbazepin: 75 mg, mit individueller Anpassung 1
- Bei Kindern: Carbamazepin mit 1 mg/kg beginnen und langsam titrieren 1
Bei medikamentenbedingten extrapyramidalen Symptomen:
- Anticholinergika oder Amantadin bei Parkinsonismus-Symptomen 1
- Bei Akathisie (motorische Unruhe): Betablocker oder Benzodiazepine 1
- Dosisreduktion oder Absetzen des auslösenden Medikaments, wenn klinisch möglich 1
Weitere Behandlungsoptionen:
- Dopaminerge Therapie optimieren: Levodopa-Carbidopa, Dopaminagonisten (Pramipexol, Apomorphin, Rotigotin) 3, 4
- Bei neuropathischen Schmerzen: Gabapentin, Pregabalin oder Lamotrigin 1, 3
- Bei muskuloskelettalen Schmerzen: Paracetamol, NSAIDs 3
Wichtige Vorsichtsmaßnahmen:
- Methocarbamol sollte bei Parkinson-Patienten vermieden werden, da es durch seine zentralnervös dämpfende Wirkung Parkinson-Symptome verschlechtern kann 5
- Bei Muskelkrämpfen ohne Parkinson wird oft Cyclobenzaprin eingesetzt, aber bei Parkinson-Patienten ist Vorsicht geboten wegen anticholinerger Nebenwirkungen 6
Nichtmedikamentöse Maßnahmen
- Regelmäßige Überwachung des Ernährungszustatus und Vitaminstatus (besonders Vitamin D, Folsäure und Vitamin B12) 1
- Strukturierte körperliche Aktivität und Bewegungstherapie zur Verbesserung der motorischen Symptome 1, 3
- Bei Verstopfung: Erhöhte Flüssigkeits- und Ballaststoffzufuhr sowie probiotische Nahrungsmittel 1
- Physiotherapie zur Linderung von muskuloskelettalen Schmerzen 3
Besondere Hinweise
- Bei schweren, therapieresistenten Fällen kann eine tiefe Hirnstimulation (DBS) in Betracht gezogen werden 3, 4
- Die Behandlung sollte regelmäßig überprüft und angepasst werden, da sich die Symptome im Krankheitsverlauf verändern können 2
- Auf Nebenwirkungen der Antikonvulsiva achten, besonders Schwindel und Benommenheit 1
- Bei älteren Patienten sollten Medikamente mit niedrigeren Dosen begonnen und langsamer titriert werden 1