Metoclopramid bei Durchbruchsübelkeit während Strahlentherapie
Ja, Metoclopramid kann definitiv zur Behandlung von Durchbruchsübelkeit bei Strahlentherapie eingesetzt werden und wird in aktuellen Leitlinien ausdrücklich als Durchbruchsmedikation empfohlen. 1
Leitlinienbasierte Empfehlung
Die ASCO-Leitlinien von 2020 listen Metoclopramid explizit als Durchbruchstherapie für strahlentherapieinduzierte Übelkeit auf, unabhängig vom Risikoprofil der Bestrahlung (hoch, moderat, niedrig oder minimal). 1
Dosierung für Durchbruchsübelkeit:
- 5-20 mg oral oder intravenös 1
- Kann nach Bedarf titriert werden bis maximal 16 mg oral/IV täglich 1
- Maximal 3-4 Anwendungen täglich 1
Mechanismus und Wirksamkeit
Metoclopramid wirkt als dualer Dopamin/5-HT3-Rezeptorantagonist und blockiert sowohl Dopaminrezeptoren in der Chemorezeptor-Triggerzone als auch Serotoninrezeptoren. 1 Diese doppelte Wirkung macht es besonders nützlich, wenn die primäre Antiemese-Prophylaxe versagt hat. 1
Wichtige klinische Überlegungen
Wann Metoclopramid einsetzen:
- Als zusätzliches Medikament aus einer anderen Wirkstoffklasse, wenn die primäre Prophylaxe unzureichend ist 1
- Besonders geeignet bei gleichzeitigen Magenentleerungsstörungen, da Metoclopramid die Magenmotilität verbessert 2, 3
- Bei anhaltendem Erbrechen sollte die intravenöse Route bevorzugt werden, da die orale Aufnahme möglicherweise nicht zuverlässig ist 1
Wichtige Warnhinweise:
- Nicht länger als 12 Wochen anwenden wegen des Risikos für tardive Dyskinesien 3
- Das Risiko für extrapyramidale Symptome ist bei jüngeren Patienten (unter 30 Jahren) und Kindern erhöht 3
- Bei Niereninsuffizienz ist eine Dosisanpassung erforderlich 3
- Vorsicht bei älteren Patienten, insbesondere Frauen und Diabetikern, da diese ein höheres Risiko für tardive Dyskinesien haben 3
Kombinationstherapie-Ansatz
Die Leitlinien betonen, dass bei refraktärer Übelkeit die Kombination mehrerer Wirkstoffe aus verschiedenen Klassen effektiver ist als Monotherapie. 1 Metoclopramid kann kombiniert werden mit:
- 5-HT3-Antagonisten (Ondansetron, Granisetron) 1
- Kortikosteroiden (Dexamethason 4 mg) 1
- Benzodiazepinen (Lorazepam) bei begleitender Angst 1, 4
Häufige Fehler vermeiden
- Regelmäßige Gabe ist effektiver als Bedarfsmedikation bei anhaltenden Symptomen 4, 2
- Vor Hinzufügen weiterer Antiemetika sollten andere Ursachen für Übelkeit ausgeschlossen werden (Hirnmetastasen, Elektrolytstörungen, Darmobstruktion) 1
- Ausreichende Hydratation sicherstellen und Elektrolyte kontrollieren 1, 2
- Bei unzureichender Kontrolle sollte die gesamte antiemetische Strategie überdacht werden, nicht nur ein weiteres Medikament hinzugefügt werden 1
Alternative Optionen bei Versagen
Falls Metoclopramid unzureichend wirkt oder nicht vertragen wird: