Hämolyse-Verdacht: Leicht erhöhtes LDH und erniedrigtes Haptoglobin
Die Kombination aus leicht erhöhtem LDH (254 U/L, Referenz <250) und deutlich erniedrigtem Haptoglobin (0,11 g/L, Referenz 0,3-2,0) ist hochspezifisch für eine Hämolyse und erfordert sofortige weitere Abklärung. 1
Diagnostische Bedeutung
Primäre Interpretation
Die Konstellation von erhöhtem LDH und erniedrigtem Haptoglobin ist spezifisch für Hämolyse, da Haptoglobin freies Hämoglobin aus lysierten Erythrozyten bindet und dabei verbraucht wird. 1, 2
Das Haptoglobin ist mit 0,11 g/L deutlich erniedrigt (nur 37% des unteren Referenzwertes), was auf eine signifikante intravaskuläre Hämolyse hinweist. 2
Das LDH ist nur minimal erhöht (254 vs. <250 U/L, also nur 1,6% über dem Referenzwert), was auf eine milde Hämolyse oder eine frühe Phase hindeutet. 1
Notwendige Sofortdiagnostik
Bei Anämie plus Thrombozytopenie müssen Sie sofort folgende Parameter bestimmen: 3
- Indirektes Bilirubin (sollte bei Hämolyse erhöht sein) 3, 1
- Retikulozytenzahl (sollte bei Hämolyse erhöht sein als Kompensationsmechanismus) 1
- Direkter Coombs-Test (zum Ausschluss einer immunhämolytischen Anämie) 3, 1
- Peripherer Blutausstrich (Suche nach Schizozyten, Sphärozyten oder anderen Erythrozytenmorphologien) 3, 1
- Hämoglobin und Thrombozytenzahl zur Beurteilung des Schweregrades 1
Differentialdiagnostischer Algorithmus
Schritt 1: Thrombotische Mikroangiopathie (TMA) ausschließen
Wenn Anämie + Thrombozytopenie + Nierenbeteiligung vorliegen: 3
- ADAMTS13-Aktivität dringend bestimmen (bei <10 IU/dL liegt eine TTP vor) 3
- Kreatinin und Urinstatus prüfen (Hämaturie/Proteinurie bei aHUS) 3
- Stuhluntersuchung auf verotoxinbildende E. coli (VTEC) bei Diarrhö 3, 1
Wichtiger Hinweis: Das Fehlen von Schizozyten schließt eine TMA nicht aus, da die Sensitivität gering ist. 3
Schritt 2: Isolierte Hämolyse ohne Thrombozytopenie
Wenn nur Hämolysezeichen ohne Thrombozytopenie: 1
- Hereditäre hämolytische Störungen erwägen (Membrandefekte, Enzymopathien, Hämoglobinopathien) 1
- Medikamentenanamnese erheben (medikamenteninduzierte Hämolyse) 1
- Mechanische Hämolyse bei Herzklappenprothesen bedenken (Haptoglobin kann hier erniedrigt sein ohne klinisch relevante Hämolyse) 1
Schritt 3: Andere Ursachen für LDH-Erhöhung ausschließen
Beachten Sie, dass LDH unspezifisch ist und auch erhöht sein kann bei: 4, 1
- Lebererkrankungen
- Myokardinfarkt
- Nierenerkrankungen
- Muskelschäden (auch durch körperliche Anstrengung)
- Malignen Erkrankungen (Lymphome, solide Tumoren)
Bei diesem Patienten spricht jedoch die Kombination mit dem stark erniedrigten Haptoglobin klar für Hämolyse als primäre Ursache. 1
Klinische Fallstricke
Falsch-positive Haptoglobin-Erniedrigung
- Leberzirrhose (verminderte Synthese) 2
- Hypersplenismus 2
- Hämodilution 2
- Erhöhte Östrogenspiegel (Schwangerschaft, orale Kontrazeptiva) 2
Falsch-negative Haptoglobin-Werte
- Akute-Phase-Reaktion/Inflammation kann Haptoglobin erhöhen und eine Hämolyse maskieren 2
- Androgene und Kortikosteroide können Haptoglobin erhöhen 2
LDH-Isoenzyme zur Differenzierung
- Bei HELLP-Syndrom dominiert LDH5 (Leber/Muskel), nicht LDH1/2 (Erythrozyten), daher ist LDH hier kein guter Hämolyse-Marker 5
- Bei echter Hämolyse sollten LDH1 und LDH2 (erythrozytäre Isoformen) erhöht sein 6
- Eine LDH-Isoenzym-Bestimmung kann bei unklaren Fällen hilfreich sein 5, 7
Prognostische Bedeutung
- Bei Sichelzellerkrankung korreliert erhöhtes LDH mit pulmonaler Hypertonie, Beinulzera, Priapismus und erhöhter Mortalität 6
- Bei TMA/aHUS ist die Prognose stark vom genetischen Hintergrund und der Therapieeinleitung abhängig 3
Zusammenfassung der empfohlenen Vorgehensweise
- Komplettes Hämolyse-Panel sofort abnehmen (indirektes Bilirubin, Retikulozyten, Coombs-Test, Blutausstrich) 3, 1
- TMA-Ausschluss bei Thrombozytopenie (ADAMTS13, Nierenfunktion, VTEC-Stuhltest) 3
- Medikamentenanamnese und Ausschluss mechanischer Ursachen 1
- Bei unklaren Fällen LDH-Isoenzyme bestimmen 5, 7
- Entzündungsparameter prüfen, da diese Haptoglobin erhöhen können 2