Acetylsalicylsäure (ASA) Dosierung und Anwendung
Akute Koronarsyndrome: Ladedosis gefolgt von niedriger Erhaltungsdosis
Bei akuten Koronarsyndromen sollte sofort eine Ladedosis von 162-325 mg nicht-magensaftresistenter Acetylsalicylsäure verabreicht werden, gefolgt von einer täglichen Erhaltungsdosis von 75-100 mg. 1
Ladedosis-Protokoll:
- Dosis: 162-325 mg oral 1
- Formulierung: Nicht-magensaftresistente Tabletten verwenden (schnellere Resorption) 1
- Verabreichung: Die Tablette sollte gekaut werden, um eine schnellere Wirkung zu erreichen 2
- Zeitpunkt: So schnell wie möglich nach Diagnosestellung, auch wenn der Patient bereits ASA einnimmt 1
Alternative Verabreichungswege bei oraler Unmöglichkeit:
Erhaltungstherapie: Ausschließlich niedrige Dosis
Nach der initialen Ladedosis sollte sofort auf eine niedrige Erhaltungsdosis von 75-100 mg täglich umgestellt werden. 1, 3
Dosierungsdetails:
- Empfohlene Dosis: 75-100 mg täglich 1
- In den USA gebräuchlich: 81 mg Tabletten 3
- Formulierung: Nicht-magensaftresistente Tabletten bevorzugt 1
- Diese Dosis überschreitet die minimale effektive Dosis für die Thromboxan-A₂-Hemmung und berücksichtigt interindividuelle Variabilität 1
Verdünnung und Zubereitung
Eine Verdünnung von Acetylsalicylsäure ist in der klinischen Praxis nicht erforderlich und nicht empfohlen. Die Standardtabletten (75-100 mg oder 300-500 mg) sollten direkt verwendet werden.
Praktische Berechnung für Ladedosis:
- Wenn nur 100 mg Tabletten verfügbar: 2-3 Tabletten = 200-300 mg 1
- Wenn nur 300 mg Tabletten verfügbar: 1 Tablette = 300 mg (akzeptabel) 1
- Wenn nur 500 mg Tabletten verfügbar: 1 Tablette = 500 mg (höher als empfohlen, aber in Notfallsituationen vertretbar) 4
Wichtige Besonderheiten und Fallstricke
Magensaftresistente Formulierungen vermeiden:
- Niemals magensaftresistente Tabletten in der Akutphase verwenden - diese haben verzögerte und reduzierte Resorption 3
- Magensaftresistente Formulierungen kompromittieren die sofortige Thrombozytenaggregationshemmung 3
Hochdosis-ASA nicht für Erhaltungstherapie:
- Hochdosis-ASA (≥160 mg täglich) nach der Ladedosis nicht fortsetzen 3
- Die Fortsetzung von 300-325 mg täglich für 30 Tage nach ACS war nicht überlegen gegenüber 75-100 mg, verursachte aber mehr Blutungen 3
- Blutungsrisiko ist dosisabhängig: 2,0% bei <100 mg, 2,3% bei 100-200 mg, 4,0% bei >200 mg täglich 1
Kombination mit anderen Medikamenten:
- NSAIDs nicht mit ASA kombinieren - erhöht signifikant das Risiko für gastrointestinale Ulzera und Blutungen ohne zusätzlichen kardiovaskulären Nutzen 1, 3
- Bei Kombination mit Ticagrelor: ASA auf maximal 81-100 mg täglich begrenzen 1, 3
Sekundärprävention:
- Für etablierte atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung: 75-162 mg täglich unbegrenzt 3
- Bei Patienten mit Diabetes und erhöhtem kardiovaskulärem Risiko: 75-162 mg täglich 3, 2
Kontraindikationen:
- Patienten <21 Jahre (Reye-Syndrom-Risiko) 3
- Unkontrollierte Hypertonie erhöht Blutungsrisiko 2
- Gleichzeitige Antikoagulation erhöht Blutungsrisiko 2