Ist 4mg Haloperidol zu viel für eine Patientin über 70 Jahren?
Ja, 4mg Haloperidol ist für eine Patientin über 70 Jahren zu hoch und sollte reduziert werden – die maximale empfohlene Tagesdosis für ältere Patienten liegt bei 5mg, und Dosen über diesem Schwellenwert erhöhen signifikant das Risiko für extrapyramidale Symptome, Stürze, Schlaganfall und Tod. 1
Empfohlene Dosierung für ältere Patienten
Die angemessene Anfangsdosis von Haloperidol bei älteren Patienten beträgt 25% der üblichen Erwachsenendosis, mit Erhaltungsdosen von 25-50% der Erwachsenendosis. 2
Die FDA-Fachinformation warnt ausdrücklich vor erhöhter Mortalität bei älteren Patienten mit Demenz-assoziierter Psychose, die mit Antipsychotika behandelt werden. 3
Die empfohlene initiale intramuskuläre oder intravenöse Dosis liegt bei 0,5-1mg, wobei niedrigere Dosen (≤0,5mg) ähnlich wirksam sind wie höhere Dosen. 4
Risiken höherer Dosen bei älteren Patienten
Patienten über 75 Jahre sprechen weniger wahrscheinlich auf Antipsychotika an und haben ein höheres Risiko für Nebenwirkungen. 5
Das relative Risiko für Sedierung ist signifikant höher bei Patienten, die mehr als 1mg Haloperidol in 24 Stunden erhalten. 6
Die Prävalenz von Tardive Dyskinesie ist am höchsten bei älteren Patienten, insbesondere bei älteren Frauen, mit einem Risiko von bis zu 50% nach 2 Jahren kontinuierlicher Anwendung typischer Antipsychotika. 7, 3
Höhere Dosen sind mit erhöhtem Risiko für QT-Verlängerung und Torsades de pointes assoziiert. 5, 3
Empfohlenes Vorgehen zur Dosisreduktion
Die American Geriatrics Society empfiehlt eine Dosisreduktion um 25% alle 1-2 Wochen mit engmaschiger Überwachung auf Symptomrezidive. 1
Abruptes Absetzen muss vermieden werden, da dies Entzugsdyskinesien, parkinsonistische Krisen oder ein malignes neuroleptisches Syndrom auslösen kann – die Dosisreduktion sollte sich über mindestens 1 Monat erstrecken. 1
Während der Dosisreduktion sollte auf psychotische Symptomrezidive, Entzugssymptome und paradoxe Verbesserung extrapyramidaler Symptome überwacht werden. 1
Alternative Behandlungsoptionen
Wenn extrapyramidale Symptome auftreten oder die Dosisreduktion fehlschlägt, sollte ein Wechsel zu Quetiapin erwogen werden, das das niedrigste Risiko für extrapyramidale Symptome unter den Antipsychotika aufweist. 1, 7
Die Risikohierarchie von niedrig zu hoch lautet: Quetiapin < Aripiprazol < Olanzapin < Risperidon < Haloperidol. 1, 7
Die empfohlene Anfangsdosis von Quetiapin bei älteren Patienten beträgt 25mg oral, bei Bedarf alle 12 Stunden. 7
Wichtige Warnhinweise
Antipsychotika sollten bei älteren Patienten nur in der niedrigsten wirksamen Dosis für die kürzest mögliche Dauer eingesetzt werden. 5, 7
Die Mayo Clinic empfiehlt, typische Antipsychotika wie Haloperidol bei älteren Patienten nach Möglichkeit zu reduzieren oder abzusetzen, insbesondere bei langfristiger Anwendung zur pharmakologischen Verhaltenskontrolle bei kognitiven Erkrankungen. 5
Verhaltensinterventionen sollten vor pharmakologischer Behandlung versucht werden, wann immer möglich. 5
Bei Patienten mit signifikantem Risiko für Torsades de pointes (QT-Verlängerung, gleichzeitige QT-verlängernde Medikamente) sollten Antipsychotika nicht eingesetzt werden. 5