Antipsychotika und SIADH-Risiko: Management-Empfehlungen
Alle Patienten, die Antipsychotika erhalten, sollten vor Therapiebeginn und regelmäßig während der Behandlung auf Elektrolytstörungen, insbesondere Hyponatriämie, überwacht werden, da Antipsychotika ein moderates bis hohes Risiko für SIADH-Entwicklung tragen. 1
Risikobewertung und Baseline-Monitoring
Vor Beginn einer antipsychotischen Therapie:
- Bestimmung der Baseline-Natriumwerte und Elektrolyte ist obligatorisch 2, 1
- Identifikation von Risikofaktoren: höheres Alter, Rauchen, psychiatrische Grunderkrankung (insbesondere Schizophrenie mit psychogener Polydipsie), und Komedikation mit anderen SIADH-auslösenden Substanzen 3
- Ein Risiko-Score basierend auf diesen Faktoren sollte zur klinischen Entscheidungsfindung herangezogen werden 1
Medikamentenspezifisches Risiko
Antipsychotika mit dokumentiertem SIADH-Risiko:
- Quetiapin zeigt ein etabliertes, wenn auch seltenes SIADH-Risiko mit Fallberichten über schwere Komplikationen einschließlich generalisierter tonisch-klonischer Anfälle 4, 5
- Olanzapin ist mit SIADH-Entwicklung assoziiert 6
- Sowohl typische als auch atypische Antipsychotika können SIADH auslösen, wobei das Risiko zeitlich variiert: bei Antidepressiva hauptsächlich in den ersten Wochen, bei Antipsychotika über den gesamten Behandlungszeitraum verteilt 3
Wichtige Überlegung: Clozapin, Olanzapin und Quetiapin haben die höchste zentrale anticholinerge Aktivität, was zusätzliche Nebenwirkungen verursachen kann 2
Monitoring-Algorithmus während der Therapie
Engmaschige Überwachung ist erforderlich:
- Natriumkontrolle nach 4 Wochen nach Therapiebeginn 2
- Bei Risikopatienten: häufigere Kontrollen in den ersten Behandlungswochen 1, 3
- Routinemäßige Elektrolytkontrollen bei allen Patienten unter Antipsychotika 4
- Jährliche Kontrollen von Elektrolyten, Nierenfunktion und anderen Parametern 2
Klinische Symptome und Früherkennung
Kardinalsymptome von SIADH:
- Hyponatriämie, Serum-Hypoosmolalität und inadäquat konzentrierter Urin 3
- Frühe, unspezifische Symptome: Schwäche, Lethargie, Kopfschmerzen, Anorexie, Gewichtszunahme 3
- Fortgeschrittene Symptome: Verwirrtheit, Krampfanfälle, Koma 3
- Besondere Vorsicht: Diese Symptome können psychiatrische Grunderkrankungen imitieren 3
Kritischer Hinweis: Patienten mit Schizophrenie können auch ohne Medikation SIADH durch psychogene Polydipsie entwickeln, was die Kausalitätsbewertung erschwert 3
Management bei diagnostiziertem SIADH
Akutbehandlung:
- Sofortiges Absetzen oder Dosisreduktion des verursachenden Antipsychotikums 1, 3
- Flüssigkeitsrestriktion 3, 5
- Bei signifikanten klinischen Symptomen: Natriumchlorid-Infusion 3
Langfristiges Management:
- Substitution durch ein Antipsychotikum mit anderem pharmakologischem Profil und geringerem SIADH-Risiko 1, 3
- Engmaschige Natriumkontrollen nach Medikamentenwechsel 3
- Falls Fortsetzung des verursachenden Medikaments zwingend erforderlich: Begleittherapie mit Demeclocyclin kann erwogen werden 3
Medikamentenwahl zur Risikominimierung
Bei Neueinstellung oder Umstellung:
- Bevorzugung von Antipsychotika mit niedrigerem SIADH-Risiko, wenn klinisch vertretbar 1
- Vermeidung von Polypharmazie, da diese das Nebenwirkungsrisiko erhöht 2
- Aripiprazol als partieller D2-Agonist kann eine günstigere Alternative darstellen 2, 7
Besondere Vorsichtsmaßnahmen
Zusätzliche Risikofaktoren beachten:
- Komedikation mit anderen SIADH-auslösenden Substanzen (SSRIs, SNRIs, Carbamazepin, Oxcarbazepin) vermeiden 1
- Hypokaliämie-Monitoring, insbesondere bei gleichzeitiger Diuretikatherapie 2
- Raucher haben erhöhtes SIADH-Risiko 3
Häufige Fallstricke: