Einseitige Ellenbogenschmerzen beim Strecken
Einseitige Schmerzen im Ellenbogengelenk, insbesondere beim Strecken, deuten primär auf intraartikuläre Pathologien wie freie Gelenkkörper, Osteochondralläsionen, vergrößerte Synovialplicae oder Olekranon-Sporne hin, können aber auch durch Trizepssehnenpathologie, laterale Epikondylitis oder seltener durch Nervenkompression verursacht werden. 1, 2
Häufigste Ursachen
Intraartikuläre Pathologien
- Vergrößerte Synovialplica ist eine wichtige Differentialdiagnose, da sie spezifisch Blockierungssymptome und/oder Schmerzen bei Extension verursacht 1
- Freie Gelenkkörper (Loose bodies) können mechanische Symptome und Streckschmerzen hervorrufen, besonders wenn sie im anterioren oder posterioren Kompartiment lokalisiert sind 1
- Osteochondrale Läsionen am Capitulum oder Trochlea können Schmerzen bei Belastung und Extension verursachen 1
- Olekranon-Sporne an der Trizepssehneninsertion führen zu posterioren Schmerzen bei Extension durch mechanisches Impingement 3
Weichteilpathologien
- Trizepssehnenpathologie manifestiert sich typischerweise als posteriorer Ellenbogenschmerz bei aktiver Extension gegen Widerstand 3
- Laterale Epikondylitis ("Tennisellenbogen") verursacht laterale Schmerzen, die bei Streckung und Supination des Handgelenks verstärkt werden 4, 5
- Arthrose führt zu Schmerzen am Ende der Streckbewegung durch Osteophytenbildung und Gelenkkapselkontraktur 1, 4
Seltene Ursachen
- Kompression des N. cutaneus antebrachii lateralis kann anteriore Ellenbogenschmerzen verursachen, die bei bestimmten Bewegungen verstärkt werden 6
- Anconeus epitrochlearis (akzessorischer Muskel) kann mediale Schmerzen und Kubitaltunnelsyndrom-Symptome hervorrufen 7
Diagnostischer Algorithmus
Initiale Bildgebung
- Konventionelle Röntgenaufnahmen (AP, lateral, schräg) sind die empfohlene Erstlinienbildgebung und können intraartikuläre Körper, heterotope Ossifikationen, Osteochondralläsionen, Weichteilverkalkungen, okkulte Frakturen oder Arthrose zeigen 1, 2
- Vergleich mit der asymptomatischen Gegenseite ist oft hilfreich zur Beurteilung 1
- Gelenkerguss auf Röntgenbildern (anteriore und posteriore Fettpolsteranhebung) kann auf okkulte Frakturen hinweisen 1, 8
Erweiterte Bildgebung bei normalen/unspezifischen Röntgenbildern
Bei Verdacht auf intraartikuläre Pathologie:
- MRT ohne Kontrastmittel ist die bevorzugte Untersuchung zur Detektion von freien Gelenkkörpern (verstärkt durch Gelenkflüssigkeit auf T2-Wichtung), vergrößerten Plicae und Osteochondralläsionen 1, 2
- MR-Arthrographie bietet höhere Sensitivität (100%) für intraartikuläre Körper, ist aber bei Knorpelanomalien limitiert 1
- CT-Arthrographie ist nützlich bei heterotoper Ossifikation, freien Körpern (Sensitivität 93%, Spezifität 66%) und zur Beurteilung der Osteochondralläsionsstabilität 1
Bei Verdacht auf okkulte Fraktur:
- Ellenbogenstrecktest identifiziert Patienten mit hoher Wahrscheinlichkeit für okkulte Frakturen (12,8% Prävalenz bei positivem Test) 1, 2
- CT ohne Kontrastmittel ist bei positivem Strecktest indiziert zur Detektion okkulter Frakturen des Radiuskopfes, Olekranons oder Processus coronoideus 1, 2, 8
Wichtige klinische Hinweise
Differenzierung nach Schmerzlokalisation
- Posteriorer Schmerz → Trizepssehnenpathologie, Olekranon-Sporn, posteriores Impingement 3
- Lateraler Schmerz → Laterale Epikondylitis, Radiuskopfpathologie 4, 5
- Medialer Schmerz → Anconeus epitrochlearis, Valgusinstabilität 7
- Anteriorer Schmerz → N. cutaneus antebrachii lateralis-Kompression, anteriore Kapselkontraktur 6
Häufige Fallstricke
- Statisches MRT übersieht dynamische Pathologie – bei persistierenden Symptomen trotz negativem MRT sollte dynamischer Ultraschall oder Stress-Bildgebung erwogen werden 2
- Übersehen okkulter Frakturen kann durch Anwendung des Ellenbogenstreck-Tests vermieden werden, auch wenn Röntgenbilder normal erscheinen 1, 2
- Vergrößerte Synovialplica wird häufig übersehen, ist aber eine spezifische Ursache für Streckschmerzen und sollte aktiv auf MRT gesucht werden 1
- Übermäßiger Kortikosteroid-Einsatz kann Sehnenfestigkeit reduzieren und Heilung langfristig hemmen – sollte zurückhaltend eingesetzt werden 2