Integrative Körperpsychotherapie bei psychischen Erkrankungen
Integrative Körperpsychotherapie sollte als ergänzende Behandlung bei Angststörungen und Depression eingesetzt werden, wobei achtsamkeitsbasierte Interventionen (MBIs), Yoga, Entspannungsverfahren und Musiktherapie die stärkste Evidenz aufweisen und mit kognitiver Verhaltenstherapie (CBT) als Erstlinienbehandlung kombiniert werden sollten. 1
Evidenzbasierte körperorientierte Interventionen
Achtsamkeitsbasierte Interventionen (MBIs)
- MBIs erhalten die stärkste Empfehlung für die Behandlung von Angst und Depression, mit großen Effektstärken im Vergleich zu Wartelisten-Kontrollgruppen 1
- Diese Interventionen sollten als Erstlinientherapie angeboten werden, da sie sowohl während als auch nach der Behandlung wirksam sind 1
- Die Wirksamkeit von MBIs ist vergleichbar mit anderen kognitiv-behavioralen Therapien und wurde von der American Society of Clinical Oncology stark empfohlen 1
Yoga
- Yoga sollte zur Verbesserung von Angstsymptomen und depressiven Symptomen angeboten werden, mit mittleren bis großen Effektstärken 1
- Die Evidenz ist besonders stark für Brustkrebspatientinnen, aber die Wirksamkeit erstreckt sich über verschiedene Populationen 1
- Der körperliche Aktivitätsaspekt von Yoga kann parallel zur Rolle von Bewegung bei der Behandlung von Angst und Depression betrachtet werden 1
Entspannungsverfahren
- Progressive Muskelrelaxation (PMR) und andere Entspannungstechniken sollten zur Behandlung von Angstsymptomen angeboten werden 1
- Diese Interventionen zeigen statistisch signifikante Verbesserungen bei Depression, obwohl die Evidenz nicht so stark ist wie bei Angst 1
- Atemübungen können als ergänzende Technik eingesetzt werden, insbesondere bei Patienten mit körperlichen Symptomen 1
Musiktherapie
- Musiktherapie und musikbasierte Interventionen zeigen kleine bis moderate Behandlungseffekte bei Depression (SMD -0,41) 1
- Sowohl professionelle Musiktherapie mit ausgebildeten Therapeuten als auch das Hören von voraufgezeichneter Musik sind wirksam 1
- Diese Intervention kann während der aktiven Behandlung zur Bewältigung von Angst und Depression angeboten werden 1
Integration mit psychologischen Erstlinientherapien
Kognitive Verhaltenstherapie als Grundlage
- CBT sollte als Erstlinienbehandlung für moderate bis schwere Depression und Angststörungen angeboten werden, mit spezifischen evidenzbasierten Komponenten wie Verhaltensaktivierung, Expositionstherapie, kognitive Umstrukturierung und Problemlösetraining 2
- Der Standardverlauf von CBT umfasst 10-14 Sitzungen für die meisten Angst- und depressiven Störungen, mit wöchentlichen Sitzungen 2
- CBT-Prinzipien sind besonders geeignet für die Integration mit körperorientierten Ansätzen, da einzelne Elemente schnell erklärt oder demonstriert werden können und für häusliche Übungen geeignet sind 1
Kombinationsansatz bei komplexen Präsentationen
- Bei komplexen Fällen, insbesondere bei komorbiden Erkrankungen, ist ein integrativer Ansatz erforderlich, der Techniken aus mehreren psychotherapeutischen Ansätzen kombiniert 3
- Therapeutische Flexibilität und Eklektizismus sind notwendig, wenn Patienten mit chronischem Trauma oder komplexen Symptombildern behandelt werden 3
- Die Kombination von psychodynamischer Therapie, dialektisch-behavioraler Therapie und körperorientierten Interventionen kann in verschiedenen Behandlungsphasen anwendbar sein 3
Spezifische klinische Anwendungen
Bei Reizdarmsyndrom mit psychischen Komorbiditäten
- Ein integrierter Versorgungsansatz, der gastrointestinale Symptome mit Ernährung und Darm-Hirn-Verhaltenstherapien behandelt, gilt als Goldstandard 1
- Kognitive Verhaltenstherapie und darmgerichtete Hypnotherapie sollten neben der pharmakologischen Therapie eingeleitet werden 4
- Die Schwere der IBS-Symptome nimmt erheblich zu, wenn die Anzahl der gleichzeitig auftretenden psychischen Komorbiditäten zunimmt 1, 5
Transdiagnostischer Ansatz
- Interventionen sollten transdiagnostisch oder diagnoseunabhängig sein, angesichts der Überschneidung relevanter Prozesse (z.B. Grübeln) und Bewältigungsstrategien (z.B. Verringerung der Vermeidung) 1
- Dieser Ansatz ist besonders wichtig, da formale diagnostische Bewertungen in der Primärversorgung typischerweise nicht durchgeführt werden 1
- Interventionen, die jede Angstpräsentation auf jedem Schweregrad (d.h. unterschwellig bis schwellig) ansprechen, haben eine breitere Anwendbarkeit 1
Praktische Umsetzungsempfehlungen
Behandlungsformat und Zugänglichkeit
- Verschiedene Formate sollten angeboten werden (Einzel-, Gruppen-, digitale Interventionen), um unterschiedlichen Behandlungspräferenzen gerecht zu werden 1
- Digitale Behandlungsmethoden wie Websites und mobile Apps können leistungsstarke Werkzeuge sein, sollten aber nur nach angemessener Bewertung durch Fachpersonal empfohlen werden 1
- Gruppentherapie ist eine kosteneffektive Alternative mit vergleichbaren Ergebnissen zur Einzeltherapie 2
Überwachungsprotokoll
- Die Behandlungsreaktion sollte nach 4 Wochen und 8 Wochen mit standardisierten validierten Instrumenten bewertet werden 2
- Bei geringer Verbesserung trotz guter Adhärenz sollte eine Ergänzung der Pharmakotherapie oder ein Wechsel vom Gruppen- zum Einzelformat in Betracht gezogen werden 2
- Die Erhaltungsdauer sollte 9-12 Monate nach der Genesung bei Depression fortgesetzt werden, um Rückfälle zu verhindern 2
Wichtige Einschränkungen und Fallstricke
Multimodale Interventionen
- Für multimodale Interventionen können aufgrund erheblicher methodischer Bedenken keine Empfehlungen ausgesprochen werden 1
- Schlecht definierte Interventionsverfahren und unklare Verblindung begrenzen die Interpretierbarkeit von Studien mit mehreren Komponenten 1
Nicht empfohlene Interventionen
- Expressive Schreibinterventionen werden trotz ihrer Beliebtheit nicht unterstützt, da die Kürze der Intervention nicht gut zu chronischen Erkrankungen wie Depression passt 1
- Die Evidenz für diese Interventionen ist konsistent negativ über 16 Studien mit 2.392 Teilnehmern 1
Pharmakotherapie-Überlegungen
- Pharmakotherapie sollte nicht als Erstlinienbehandlung für Depression oder Angst eingesetzt werden und nur in spezifischen Umständen in Betracht gezogen werden, wie kein Zugang zu psychologischer Erstlinienbehandlung, Patientenpräferenz oder keine Verbesserung nach 8 Wochen adäquater CBT 2
- Bei IBS mit komorbider Angst empfiehlt das American College of Gastroenterology, mit einem SSRI in therapeutischen Dosen als Erstlinienbehandlung zu beginnen, um sowohl Angststörung als auch gastrointestinale Symptome gleichzeitig zu behandeln 4