Bevorzugte orale Selenpräparate und chemische Bindungsformen
Selenomethionin ist die bevorzugte chemische Form für orale Selensupplementierung, da es die natürliche Nahrungsform darstellt und die beste Bioverfügbarkeit aufweist. 1, 2
Empfohlene chemische Bindungsformen
Erste Wahl: Selenomethionin
- L-Selenomethionin ist die optimale Form für die orale Supplementierung, da es die Hauptform von Selen in natürlichen Nahrungsmitteln darstellt 1, 3, 2
- Die Bioverfügbarkeit aus dem Verdauungstrakt ist mit 56-81% sehr hoch 4
- Selenomethionin wird entweder direkt zu reaktiven Selenformen metabolisiert oder anstelle von Methionin in Körperproteinen gespeichert, was einen natürlichen Speichermechanismus bietet 2
- Bei konstanter Zufuhr im ernährungsphysiologischen Bereich steigen die Gewebespiegel bis zum Erreichen eines Steady-State an, wodurch eine toxische Akkumulation verhindert wird 2
Alternative Formen (weniger bevorzugt)
- Natriumselenit und Natriumselenat werden hauptsächlich in Multivitaminpräparaten, Säuglingsnahrung und Proteinmischungen verwendet, sind aber nicht die bevorzugten Formen 1
- Die aktuelle Evidenz favorisiert eindeutig Selenomethionin gegenüber anderen Selenformen 1
Praktische Dosierungsempfehlungen
Für die allgemeine Supplementierung
- Die orale Route sollte bevorzugt werden, wenn eine gute enterale Absorption vorliegt, beginnend mit 100 µg/Tag 5
- Die tägliche empfohlene Selenzufuhr für die allgemeine Gesundheitserhaltung liegt zwischen 50-70 µg/Tag 6
- Eine Zufuhr von 60-100 µg/Tag ist ausreichend, um die Plasmaspiegel bei Patienten ohne Entzündung zu normalisieren 4, 5
Bei nachgewiesenem Mangel
- Patienten mit nachgewiesenem Mangel (kürzlich reduzierte Zufuhr) können bis zu 200 µg/Tag mit Überwachung der Plasmaspiegel benötigen 5
- Bei Plasmaselenspiegeln <0,4 mmol/L (<32 mg/L) ist immer eine Supplementierung erforderlich, unabhängig vom Entzündungsstatus 7, 5
Wichtige Warnhinweise und Fallstricke
Toxizitätsrisiken vermeiden
- Chronische Überexposition sollte unbedingt vermieden werden, da sie positiv mit Typ-2-Diabetes und hochgradigem Prostatakarzinom assoziiert ist 7, 6, 5
- Die obere Toxizitätsgrenze liegt bei Plasmaselenspiegeln von 6-12 mmol/L 7, 5
- Eine Supplementierung über die Nahrungszufuhr hinaus sollte nicht erfolgen, wenn bereits eine adäquate Zufuhr besteht 6
Überwachung erforderlich
- Bei langfristiger Supplementierung sollten Plasmaselen- und CRP-Werte regelmäßig kontrolliert werden 7, 5
- Entzündungen müssen berücksichtigt werden, da Plasmaselenspiegeln bei erhöhtem CRP fallen - eine gleichzeitige CRP-Messung ist daher obligatorisch für die korrekte Interpretation 5