Selen-Supplementierung: Dosierung und Laborkontrollen
Bei nachgewiesenem Selenmangel (Plasmaselen <0,4 mmol/L) sollten Sie 100 µg/Tag oral beginnen, oder bei schwerem Mangel bis zu 400 µg/Tag intravenös für 7-10 Tage verabreichen, gefolgt von Kontrollen des Plasmaselenspiegels und CRP alle 3-6 Monate während der Langzeittherapie. 1, 2
Tägliche Dosierung nach klinischer Situation
Basisbedarf und Prävention
- Normale Erhaltungsdosis: 60-100 µg/Tag sind ausreichend, um den Plasmaspiegel bei Patienten ohne Entzündung zu normalisieren 1, 2
- Bei nachgewiesenem Mangel durch reduzierte Aufnahme: Bis zu 200 µg/Tag mit Monitoring des Plasmaselenspiegels; oral möglich wenn der Gastrointestinaltrakt verfügbar ist 1, 2
Akute Korrektur bei schwerem Mangel
- Bei Plasmaselen <0,4 mmol/L (<32 mg/L): 100-400 µg/Tag intravenös für mindestens 7-10 Tage zur schnellen Korrektur, dann Statuskontrolle 1, 2
- Der intravenöse Weg wird bei diesem kritischen Schwellenwert bevorzugt, da er schneller wirkt als die orale Route 1, 2
Spezielle klinische Situationen mit erhöhtem Bedarf
- Verbrennungspatienten: 375 µg/Tag intravenös (schnellere Heilung, weniger Infektionen) 1, 2
- Schweres Trauma und Herzchirurgie: 275 µg/Tag 1, 2
- Nierenersatztherapie: Erhöhte Mengen erforderlich wegen erhöhter Verluste und oxidativem Stress 1, 2
- Spezifische Verluste (z.B. kontinuierliche Nierenersatztherapie): Bis zu 300 µg/Tag zusätzlich können erforderlich sein 1
Wichtige Warnungen zur Dosierung
- Vermeiden Sie Hochdosis-Supplementierung auf der Intensivstation: Massiv erhöhte Selenzufuhr (1000-4000 µg/Tag) zeigt keinen konsistenten Nutzen in Meta-Analysen und wird ausdrücklich nicht empfohlen 1, 2
- Toxizitätsrisiko: Obere Toxizitätsgrenzen liegen bei Plasmaselenwerten von 6-12 mmol/L 1, 2
- Chronische Überexposition vermeiden: Positive Assoziationen mit Typ-2-Diabetes und hochgradigem Prostatakarzinom bei Langzeit-Übersupplementierung 1, 2, 3
Laborkontrollen: Welche Werte und wie oft?
Ausgangsmessung
- Vor Beginn der parenteralen Ernährung: Plasmaselen und CRP bei allen Patienten messen, die voraussichtlich >2 Wochen parenterale Ernährung erhalten werden 1, 2
- Der kritische Schwellenwert von Plasmaselen <0,4 mmol/L (<32 mg/L) erfordert immer eine Supplementierung, unabhängig vom Entzündungsstatus 1, 2
Regelmäßige Verlaufskontrollen
- Während laufender parenteraler Ernährung: Kontrollen alle 3-6 Monate 2
- Bei initial niedrigen Werten: Häufigere Kontrollen erforderlich 2
- Langzeit-enterale Ernährung: Regelmäßiges Monitoring notwendig, da der Selengehalt der Produkte variiert 1, 2
Zu messende Parameter
- Plasmaselen (primärer Parameter): Hauptindikator für den Selenstatus 1
- CRP (obligatorisch gleichzeitig): Entzündungen führen zu einer Umverteilung von Selen aus dem zirkulierenden Kompartiment 1, 2
Interpretation der Werte im Kontext von Entzündung
- Ohne Entzündung: Supplementierung erwägen bei Plasmaselen <0,75 mmol/L zur Vermeidung von Immunfunktionsstörungen 2
- Mit Entzündung: Die Entscheidung zur Supplementierung hängt von kombinierten Daten aus Plasmaselen und CRP ab 1
- Plasmaselen kehrt in vielen Fällen ohne Supplementierung zur Norm zurück, wenn die Entzündung abklingt 1
Praktische Umsetzung der Supplementierung
Wahl des Verabreichungswegs
- Orale Route bevorzugt: Bei guter enteraler Absorption und ohne Kontraindikationen, beginnend mit 100 µg/Tag 1, 2
- Selen wird gut aus dem Verdauungstrakt absorbiert (56-81% Absorptionsrate) 1, 3
- Intravenöse Route: Bei Plasmaselen <0,4 mmol/L zur schnellen Korrektur des Mangels 1, 2