Glukosetoleranz und Insulinsensitivität bei Süßstoffkonsum
Der regelmäßige Konsum von künstlichen Süßstoffen sollte drastisch eingeschränkt werden, da sie trotz fehlender Kalorien die Insulinsensitivität beeinträchtigen und langfristig nicht vorteilhaft für die kardiometabolische Gesundheit sind. 1
Hauptempfehlungen basierend auf aktuellen Leitlinien
Die Cardiovascular Research Leitlinien (2022) empfehlen, den Konsum aller Softdrinks – einschließlich kalorienarmer gesüßter Getränke (LCSBs) – drastisch zu begrenzen und durch Wasser zu ersetzen. 1 Dies basiert auf Meta-Analysen, die zeigen, dass der regelmäßige Konsum (1 Portion/Tag) von LCSBs mit einem marginal, aber statistisch signifikant erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheit sowie kardiovaskuläre Inzidenz und Mortalität verbunden ist. 1
Mechanismen der metabolischen Beeinträchtigung
Künstliche Süßstoffe beeinflussen die Glukose-Insulin-Homöostase durch mehrere Mechanismen: 2
- Sie wirken auf orale und gastrointestinale Geschmacksrezeptoren und beeinflussen die Glukose-Insulin- und Energie-Homöostase 2
- Sie verändern metabolische Hormone und das Darmmikrobiom 2
- Die gewohnheitsmäßige Verwendung von kalorienarmen Süßstoffen kann den Geschmack zu einer Süßpräferenz erziehen, was zu einem höheren Konsum von zuckergesüßten Lebensmitteln und Getränken führt 1
Spezifische Auswirkungen auf Insulinsensitivität
Eine Querschnittsstudie (2020) zeigte, dass Typ-2-Diabetiker, die künstliche Süßstoffe verwenden, signifikant höhere Insulinresistenz aufweisen (HOMA-IR Mittelwert 7,39 vs. 2,6 bei Nicht-Verwendern), wobei die Dauer der Verwendung direkt mit der Insulinresistenz korreliert. 3 Dies deutet darauf hin, dass die Einnahme dieser Süßstoffe zur Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse führt (aufgrund ihres süßen Geschmacks), was letztendlich zu verminderter Rezeptoraktivität durch Insulinresistenz führt. 3
Neuere Studien (2022) haben gezeigt, dass künstliche Süßstoffe die Glukoseabsorption im Darmtrakt sowie die Insulin- und Inkretinsekretion bei Menschen und Tieren beeinflussen. 4 Darüber hinaus verändern sie die Zusammensetzung der Mikrobiota und verschlechtern die glykämische Kontrolle aufgrund von Veränderungen im Darmmikrobiom. 4
Klinische Anwendung bei Diabetes
Die American Diabetes Association empfiehlt nicht-nutritive Süßstoffe (NNS) nur als kurzfristige Ersatzstrategie für zuckergesüßte Getränke, nicht als langfristige Lösung. 2 Die Verwendung von NNS kann die Gesamtkalorienzufuhr und Kohlenhydrataufnahme reduzieren, wenn sie kalorische Süßstoffe ersetzen, ohne zusätzliche Kalorienkompensation aus anderen Nahrungsquellen. 2, 1
Wichtig: NNS scheinen keinen signifikanten Effekt auf die glykämische Kontrolle zu haben, können aber die Gesamtkalorienzufuhr und Kohlenhydrataufnahme reduzieren, solange keine Kompensation aus anderen Nahrungsquellen erfolgt. 2
Stufenweiser Ansatz zur Reduktion
Die American Heart Association empfiehlt einen gestuften Ansatz: 2
- Zunächst von zuckerhaltigen Getränken zu Diätgetränken mit künstlichen Süßstoffen wechseln 2
- Dann künstliche Süßstoffe reduzieren, z.B. von Diät-Limonade zu Mineralwasser wechseln 2
- Langfristig sollten künstliche Süßstoffe nicht als harmlos für die kardiometabolische Gesundheit betrachtet werden 2
Sicherere Alternativen
Wenn Süßstoffe verwendet werden müssen, empfiehlt die American Academy of Pediatrics Stevia als sicherste Option aufgrund seines sauberen Sicherheitsprofils ohne bekannte Kontraindikationen oder Nebenwirkungen. 5 Stevia ist von der FDA als GRAS (Generally Recognized As Safe) eingestuft und 200-400 mal süßer als Saccharose. 5
Monk Fruit (Luo Han Guo) ist eine weitere sichere Alternative ohne bekannte Kontraindikationen, mit GRAS-Status seit Januar 2010 und einer Süßkraft von etwa 600-fach gegenüber Saccharose. 5
Häufige Fallstricke und Warnungen
- Kognitive Effekte: Besonders bei Kindern können künstliche Süßstoffe die Attraktivität natürlich süßer, gesunder Lebensmittel wie Äpfel oder Karotten durch Gewöhnung an intensive Süße reduzieren 2
- Gewichtsmanagement: Die Zugabe von nicht-nutritiven Süßstoffen zur Ernährung bietet ohne Energierestriktion keinen Nutzen für Gewichtsverlust oder reduzierte Gewichtszunahme 2
- Langzeitrisiken: Große Kohortenstudien zeigen, dass hoher Konsum künstlicher Süßstoffe mit Gesamtmortalität, kardiovaskulärem Risiko, koronarer Herzkrankheit, zerebrovaskulärem Risiko und Krebsrisiko assoziiert ist 4
Zuckeralkohole als Alternative
Zuckeralkohole (wie Erythritol, Isomalt, Lactitol, Maltitol, Mannitol, Sorbitol, Xylitol und Tagatose) erzeugen eine niedrigere postprandiale Glukoseantwort als Saccharose oder Glukose. 2 Die American Diabetes Association empfiehlt, bei der Berechnung des Kohlenhydratgehalts von Lebensmitteln mit Zuckeralkoholen die Hälfte der Zuckeralkohol-Gramm von den Gesamtkohlenhydrat-Gramm abzuziehen. 2