Sollte man das Risiko von Süßstoffen ernst nehmen?
Ja, das Risiko von Süßstoffen sollte ernst genommen werden, auch wenn sie nicht völlig verboten werden müssen – sie sind besser als zuckerhaltige Getränke, sollten aber als Übergangslösung betrachtet und langfristig reduziert werden. 1
Evidenzbasierte Bewertung
Süßstoffe sind besser als Zucker, aber nicht harmlos
Künstliche Süßstoffe (Saccharin, Sucralose, Aspartam) und natürliche kalorienfreie Süßstoffe (Stevia) erscheinen als bessere Alternative zu Zucker für Menschen, die große Mengen zuckerhaltiger Getränke konsumieren, basierend auf Langzeitbeobachtungsstudien und klinischen Studien über 2 Jahre. 1
Allerdings sind diese Süßstoffe möglicherweise nicht harmlos – Tierversuche und begrenzte Humandaten zeigen potenzielle Auswirkungen auf kognitive Prozesse (Belohnung, Geschmackswahrnehmung), oral-gastrointestinale Geschmacksrezeptoren, Glukose-Insulin- und Energiehomöostase, Stoffwechselhormone und das Darmmikrobiom. 1
Empfohlene Strategie: Stufenweiser Ausstieg
Die beste Strategie ist ein schrittweiser Ansatz: Süßstoffe sollten als nützlicher Zwischenschritt zur Reduzierung der Schäden durch zuckerhaltige Getränke dienen (z.B. Wechsel von normaler zu Diät-Limonade), sollten aber anschließend ebenfalls reduziert werden (z.B. Wechsel von Diät-Limonade zu Mineralwasser), um potenzielle Langzeitschäden zu vermeiden. 1
Andere Verwendungen solcher Süßstoffe sollten noch nicht als unbedenklich für die kardiometabolische Gesundheit angesehen werden. 1
Besondere Risikogruppen
Kinder und Jugendliche
Kognitive Effekte sind besonders relevant bei Kindern: Wenn sich der Geschmack an solch intensive Süße gewöhnt, könnte die Attraktivität für natürlich süße, gesunde Lebensmittel wie Äpfel oder Karotten reduziert werden. 1
Die Langzeitsicherheit oder der potenzielle Nutzen der wachsenden Verbreitung von Süßstoffkonsum bei Kindern wurde nicht systematisch untersucht. 1
Schwangere Frauen
Saccharin sollte während der Schwangerschaft vermieden werden, da es die Plazenta passieren und aufgrund langsamer fetaler Clearance im fetalen Gewebe verbleiben kann. 2
Aspartam, Sucralose und Acesulfam-K können während der Schwangerschaft in Maßen konsumiert werden, unter Einhaltung der akzeptablen täglichen Aufnahmemengen. 2
Krebsrisiko: Entwarnung
- Studien an Primaten und Menschen haben kein erhöhtes Krebsrisiko durch Saccharin oder Aspartam gezeigt, obwohl frühere Experimente an Ratten auf ein mögliches Risiko bei Saccharin hindeuteten. 1
Wichtige Einschränkungen
Die Gesamtmenge an konsumierten Süßstoffen auf individueller und Bevölkerungsebene bleibt schwer zu messen, da Hersteller nicht verpflichtet sind, die Menge der Süßstoffe in Produkten anzugeben. 1
Süßstoffe können auch im Trinkwasser gefunden werden, sodass selbst Personen, die glauben, nicht exponiert zu sein, nachweisbare Mengen im Urin haben. 1
Neuere Studien zeigen, dass künstliche Süßstoffe die Glukoseaufnahme im Darmtrakt sowie die Insulin- und Inkretinsekretion beeinflussen und die Zusammensetzung der Mikrobiota verändern, was die glykämische Kontrolle verschlechtern kann. 3, 4