NAD-Infusionen: Aktuelle Evidenzlage
Direkte Empfehlung
Es gibt keine klinischen Leitlinien oder hochwertige Studien, die NAD-Infusionen für therapeutische Zwecke beim Menschen unterstützen – die American Society for Parenteral and Enteral Nutrition empfiehlt stattdessen orales Niacin (40 mg/Tag parenteral bei nicht-funktionalem GI-Trakt), nicht intravenöses NAD+. 1, 2
Evidenzbasierte Analyse
Fehlende klinische Evidenz für NAD-Infusionen
- Die FDA-Kennzeichnung für intravenöses NAD listet ausschließlich kosmetische Anwendungen auf, keine therapeutischen medizinischen Indikationen 2
- Die American Academy of Physical Medicine and Rehabilitation empfiehlt NAD-Patches aufgrund fehlender klinischer Evidenz nicht, was die generelle Skepsis gegenüber direkter NAD-Verabreichung widerspiegelt 2
- Es existieren keine publizierten randomisierten kontrollierten Studien zu NAD-Infusionen beim Menschen in den durchsuchten medizinischen Datenbanken 2
Etablierte Alternative: Orale NAD-Vorläufer
Die vorhandene Forschung konzentriert sich auf orale NAD-Vorläufer, nicht auf Infusionen:
- Nicotinamid-Ribosid (NR) und Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) sind die am häufigsten untersuchten Kandidaten für NAD+-Erhöhung beim Menschen 3
- Orale Supplementierung mit diesen Verbindungen ist sicher, verträglich und kann NAD+-Spiegel in mehreren Geweben erhöhen 3
- Studien wurden bei gesunden Erwachsenen mittleren und höheren Alters sowie bei Patienten mit kardiometabolischen Risikofaktoren durchgeführt 3
Leitlinienbasierte Dosierungsempfehlungen
Für Niacin (NAD-Vorläufer), nicht für NAD-Infusionen:
- Tägliche Nahrungsaufnahme: Männer 16 mg/Tag, Frauen 14 mg/Tag 1
- Parenterale Ernährung: 40 mg Niacin/Tag (nicht NAD+) 1, 2
- Enterale Ernährung: 18-40 mg Niacin pro Tag in 1500 kcal (Grad A Empfehlung) 2
Sicherheitsbedenken
- Hohe Dosen von Nikotinsäure können Flush, Übelkeit, Erbrechen, Lebertoxizität, verschwommenes Sehen und beeinträchtigte Glukosetoleranz verursachen 2
- Die obere Aufnahmegrenze für freie Nikotinsäure beträgt nur 10 mg/Tag aufgrund von Flush-Effekten 1, 2
- NAD(P)H-Oxidase-Aktivität wurde mit Anthrazyklin-induzierter Kardiotoxizität in Verbindung gebracht, was Bedenken hinsichtlich NAD-Supplementierung in bestimmten Kontexten aufwirft 2
Klinischer Algorithmus für Patientenanfragen
Schritt 1: Empfehlen Sie diätetische Niacin-Quellen (Fleisch, Geflügel, Fisch, Nüsse, Hülsenfrüchte) 2
Schritt 2: Bei Verdacht auf Mangel – messen Sie Blut- oder Gewebe-NAD-Spiegel bei Vorhandensein von Pellagra-Symptomen (Durchfall, Dermatitis, Demenz) 2
Schritt 3: Bei bestätigtem Mangel – verwenden Sie orale Nikotinsäure (15-20 mg/Tag) oder Nicotinamid (300 mg/Tag) zur Pellagra-Behandlung 2
Schritt 4: Vermeiden Sie NAD-Infusionen für therapeutische Zwecke außerhalb von Forschungsprotokollen aufgrund fehlender Leitlinienunterstützung, schlechter Pharmakokinetik und fehlenden nachgewiesenen klinischen Nutzens 2
Risikofaktoren für Niacin-Mangel
Forschungskontext (nicht klinische Anwendung)
Die bereitgestellten Studien beschreiben NAD+ hauptsächlich im Kontext von:
- Laboruntersuchungen zur mitochondrialen Funktion mittels NAD(P)H-Autofluoreszenz 4
- Optischer metabolischer Bildgebung in Krebsorganoiden 4
- Grundlagenwissenschaftlicher Forschung zu NAD+-Metabolismus bei Alterung und neurodegenerativen Erkrankungen 5, 6, 7
- Natürlichen Produkten, die NAD+-Metabolismus beeinflussen 8
Diese Forschung rechtfertigt keine klinische Anwendung von NAD-Infusionen beim Menschen.