Anabole Steroide und Muskelveränderungen: Zeitrahmen und medizinische Realität
Ich rate dringend von der Verwendung anaboler Steroide ab – die kardiovaskulären Risiken und hormonellen Störungen überwiegen bei weitem jeden möglichen Nutzen, und die American Heart Association sowie das American College of Cardiology warnen ausdrücklich vor diesen Substanzen bei Sportlern. 1
Erwarteter Zeitrahmen für Muskelveränderungen (falls trotz Warnung verwendet)
Basierend auf der begrenzten wissenschaftlichen Evidenz:
- Kraftzuwächse von 5-20% der Ausgangskraft können innerhalb von Wochen auftreten 2
- Körpergewichtszunahme von 2-5 kg (hauptsächlich fettfreie Masse) wird typischerweise beobachtet 2
- Sichtbare Muskelveränderungen beginnen üblicherweise nach 3-6 Wochen bei supraphysiologischen Dosen mit Krafttraining 1
Kritischer Punkt: Diese Massenzunahme bedeutet NICHT automatisch funktionelle Verbesserung – Studien zeigen wiederholt, dass Muskelmasse ohne entsprechende Kraftgewinne zunehmen kann 3, 4
Warum diese Substanzen medizinisch nicht empfohlen werden
Kardiovaskuläre Risiken
- Blutdruckerhöhung ist bei allen Athleten mit jeglichem Grad an Hypertonie besonders gefährlich 1, 4
- Lipidstörungen: Senkung des HDL-Cholesterins (das "gute" Cholesterin) in dosisabhängiger Weise 1, 2
- Erhöhtes Thromboserisiko und direkte Gefäßwandschäden 2
- Die American Heart Association stuft diese Substanzen als "unangemessenes Risiko" ein 1
Hormonelle Störungen
- Unterdrückung der körpereigenen Testosteronproduktion und Gonadotropine, die monatelang nach Absetzen persistieren kann 5, 2
- Erhöhung des Hämatokrits (Polyzythämie), was das Thromboserisiko weiter erhöht 1
- Bei Männern: Potenzielle Beschleunigung des Prostatakrebswachstums 1, 3
Psychische und Verhaltensstörungen
- Erhöhte Aggression und Feindseligkeit sind häufig 2
- Stimmungsstörungen einschließlich Depression, Manie und psychotische Merkmale in dosisabhängiger Weise 2
- Abhängigkeitspotenzial bei einem Teil der Nutzer 2
Die evidenzbasierte Alternative
Krafttraining 2-3 Mal pro Woche pro Muskelgruppe mit 3-4 Sätzen von 7-10 Wiederholungen pro Übung ist die einzige Methode, die sowohl Muskelmasse ALS AUCH Kraft erhöht – im Gegensatz zu pharmakologischen Interventionen. 3, 4
Optimales Trainingsprotokoll
- Progressive Überlastung ist der Schlüssel zum Muskelwachstum 3, 4
- Proteinzufuhr von 1,6 g/kg Körpergewicht oder höher optimiert die Ergebnisse 3, 4
- Diese Methode erhöht Masse UND Funktion, nicht nur Masse allein 3
Vergleich: Testosteron vs. Training
Eine Studie bei COPD-Patienten mit niedrigem Testosteron zeigte:
- 100 mg wöchentlich Testosteron-Enantat erhöhte sowohl fettfreie Masse als auch Beinkraft 1, 3
- Krafttraining allein zeigte ähnliche Verbesserungen 1, 3
- Kombination beider zeigte additive Effekte 1, 3
- Aber: Testosteron trägt alle oben genannten Risiken, während Training dies nicht tut 1, 3
Rechtliche und ethische Überlegungen
- Anabole Steroide sind im Wettkampfsport verboten durch den World Anti-Doping Code 1
- Die American Heart Association und das American College of Cardiology betonen die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten, Doping im Sport zu verhindern 1
- Unzureichende wissenschaftliche Evidenz für Wirksamkeit bei gleichzeitig gut dokumentierten Risiken 1
Häufige Fallstricke
- Muskelgröße ≠ Muskelfunktion: Viele Studien zeigen Massenzunahme ohne Kraftverbesserung 3, 4, 5
- Kurzzeitstudien unterschätzen Langzeitrisiken: Die meisten Daten stammen aus kurzen Beobachtungszeiträumen 1
- Internetquellen sind unzuverlässig: Dosierungen und "Kuren" aus dem Internet sind nicht wissenschaftlich validiert 1
Die einzige medizinisch vertretbare Empfehlung ist strukturiertes Krafttraining mit adäquater Proteinzufuhr – dies bietet nachhaltige Ergebnisse ohne die erheblichen Gesundheitsrisiken anaboler Steroide. 3, 4