Vorhofflatttern ohne Puls: Defibrillation erforderlich
Bei einem Patienten mit Vorhofflatttern ohne Puls müssen Sie sofort unsynchronisiert defibrillieren, nicht kardiovertieren. Das Fehlen eines Pulses bedeutet Herzstillstand, und in dieser lebensbedrohlichen Situation ist keine Zeit für synchronisierte Kardioversion.
Kritische Unterscheidung: Pulslos vs. hämodynamisch instabil
- Pulsloser Zustand = Herzstillstand: Wenn kein Puls tastbar ist, liegt ein Kreislaufstillstand vor, der sofortige unsynchronisierte Defibrillation erfordert 1
- Die Synchronisation mit der R-Zacke ist nur bei vorhandenem Puls möglich und sinnvoll 2, 3
- Bei pulslosem Zustand kann der Defibrillator keine R-Zacke zur Synchronisation erkennen 2
Sofortiges Vorgehen bei pulslosem Vorhofflatttern
- Beginnen Sie unverzüglich mit der Reanimation nach dem Advanced Life Support Algorithmus 1
- Führen Sie unsynchronisierte Defibrillation mit 200 J durch (bei monophasischem Gerät), gefolgt von 200 J und 360 J falls erforderlich 1
- Bei biphasischen Defibrillatoren folgen Sie den Herstellerempfehlungen für äquivalente Energien 1
- Zwischen den Schocks darf keine Zeit verloren werden - prüfen Sie den Puls nur wenn sich der Rhythmus ändert 1
Häufiger klinischer Fallstrick
Verwechslung mit hämodynamischer Instabilität: Wenn der Patient einen Puls hat, aber hämodynamisch instabil ist (z.B. Blutdruck 50/30 mmHg), dann ist synchronisierte Kardioversion die richtige Wahl 2, 3. Dies ist jedoch eine völlig andere klinische Situation als "ohne Puls".
Wenn tatsächlich ein Puls vorhanden ist
Falls Sie bei erneuter Überprüfung doch einen Puls feststellen:
- Sofortige synchronisierte Kardioversion bei hämodynamischer Instabilität (Hypotension, Herzinsuffizienz, Angina, Bewusstseinsstörung) 3
- Vorhofflatttern benötigt deutlich weniger Energie als Vorhofflimmern: beginnen Sie mit 50-100 J bei biphasischen Geräten 3, 4
- Die Erfolgsrate liegt bei 97,9-100% für Vorhofflatttern 3
- Stellen Sie sicher, dass der Schock mit der R-Zacke synchronisiert ist, um ventrikuläre Arrhythmien zu vermeiden 1, 2
Technische Aspekte der Notfall-Defibrillation
- Verwenden Sie die anterior-posteriore Elektrodenposition für optimale Ergebnisse 1
- Alle Teammitglieder müssen vom Patienten Abstand halten - "Stand clear!" 1
- Nach dem Schock kann das EKG-Monitoring für einige Sekunden eine isoelektrische Linie zeigen (elektrisches "Stunning") - dies bedeutet nicht zwangsläufig Asystolie 1