Beste Medikation für ADHS mit komorbider Autismus-Spektrum-Störung
Methylphenidat ist die Erstlinienmedikation für ADHS-Symptome bei Patienten mit Autismus-Spektrum-Störung, mit nachgewiesener Wirksamkeit zur Reduktion von Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit, obwohl die Effekte geringer und die Nebenwirkungen häufiger sind als bei primärem ADHS. 1
Erstlinientherapie: Stimulanzien
Methylphenidat (On-Label für ADHS)
Methylphenidat reduziert signifikant Hyperaktivität (Elternbewertung: SMD = -0.63; Lehrerbewertung: SMD = -0.81) und Unaufmerksamkeit (Elternbewertung: SMD = -0.36; Lehrerbewertung: SMD = -0.30) bei Kindern und Jugendlichen mit ASS. 1
Die Wirksamkeit ist bei ASS-Patienten geringer als bei primärem ADHS, und Nebenwirkungen treten häufiger auf, was eine vorsichtigere Titration erfordert. 2
Retardierte Formulierungen werden bevorzugt, da sie eine gleichmäßigere Symptomkontrolle über den Tag bieten und die Compliance verbessern. 3
Die Dosierung für Erwachsene liegt bei 5-20 mg dreimal täglich für Kurzzeitpräparate oder retardierte Formulierungen mit einmal täglicher Gabe bis maximal 60 mg täglich. 3, 4
Amphetamine (On-Label für ADHS)
Amphetaminbasierte Stimulanzien erreichen bei Erwachsenen mit ADHS Ansprechraten von 70-80% und können auch bei ASS-Patienten erwogen werden. 3
Die Evidenz für Amphetamine bei ASS ist jedoch weniger robust als für Methylphenidat, weshalb Methylphenidat als erste Wahl gilt. 1
Zweitlinientherapie: Nicht-Stimulanzien
Atomoxetin (On-Label für ADHS)
Atomoxetin ist die bevorzugte Zweitlinienmedikation, wenn Stimulanzien nicht vertragen werden oder unzureichend wirken. 5, 1
Atomoxetin reduziert signifikant Unaufmerksamkeit (Elternbewertung: SMD = -0.54; Lehrer/Untersucher-Bewertung: SMD = -0.38) und Hyperaktivität (Elternbewertung: SMD = -0.49) bei ASS-Patienten. 1
Die Zieldosis für Erwachsene beträgt 60-100 mg täglich, mit einer maximalen Dosis von 1,4 mg/kg/Tag oder 100 mg/Tag. 3
Atomoxetin benötigt 2-4 Wochen bis zum vollen therapeutischen Effekt, im Gegensatz zu Stimulanzien, die innerhalb von Tagen wirken. 3
Wichtige FDA-Warnung: Atomoxetin trägt ein erhöhtes Risiko für Suizidgedanken bei Kindern und Jugendlichen und erfordert engmaschiges Monitoring auf Suizidalität, klinische Verschlechterung und ungewöhnliche Verhaltensänderungen. 3, 5
Guanfacin (On-Label für ADHS, Off-Label für ASS)
Guanfacin (1-4 mg täglich) ist als Monotherapie oder adjuvante Therapie zu Stimulanzien zugelassen und besonders nützlich bei komorbiden Schlafstörungen oder Tics. 3, 2
Die Wirksamkeit wurde bei ASS-Patienten mit ADHS-Symptomen nachgewiesen, obwohl die Evidenz begrenzt ist. 2
Guanfacin sollte abends eingenommen werden, da Somnolenz und Müdigkeit häufige Nebenwirkungen sind. 6, 3
Wichtig: Guanfacin muss ausgeschlichen werden, um Rebound-Hypertonie zu vermeiden. 6
Behandlungsalgorithmus
Beginnen Sie mit Methylphenidat in retardierter Form, beginnend mit niedriger Dosis und wöchentlicher Titration basierend auf Ansprechen und Verträglichkeit. 1, 2
Wenn Methylphenidat unzureichend wirkt oder nicht vertragen wird, wechseln Sie zu Amphetaminen (z.B. Lisdexamfetamin), da etwa 40% der Patienten nur auf eine Stimulanzienklasse ansprechen. 4
Wenn beide Stimulanzienklassen versagen oder kontraindiziert sind, wechseln Sie zu Atomoxetin als Zweitlinientherapie. 5, 1
Bei unzureichendem Ansprechen auf Atomoxetin, erwägen Sie Guanfacin, insbesondere bei komorbiden Schlafstörungen oder Angst. 3, 2
Kombinationstherapie: Guanfacin oder Atomoxetin können als adjuvante Therapie zu Stimulanzien hinzugefügt werden, wenn die Monotherapie unzureichend ist. 6, 7
Wichtige Überwachungsparameter
Blutdruck und Puls müssen zu Beginn und regelmäßig während der Behandlung mit allen ADHS-Medikamenten überwacht werden. 3, 4
Größe und Gewicht sollten regelmäßig kontrolliert werden, insbesondere bei jüngeren Patienten. 3
Schlafstörungen und Appetitveränderungen sind häufige Nebenwirkungen von Stimulanzien. 3
Suizidalität und klinische Verschlechterung müssen besonders bei Atomoxetin engmaschig überwacht werden. 3, 5
Häufige Fallstricke
Nicht zu früh aufgeben: Die Wirksamkeit von Stimulanzien ist bei ASS geringer als bei primärem ADHS, aber dennoch signifikant. Eine angemessene Titration ist entscheidend. 1, 2
Nebenwirkungen sind häufiger: ASS-Patienten tolerieren ADHS-Medikamente schlechter als Patienten mit primärem ADHS, was eine langsamere Titration und niedrigere Zieldosen erfordern kann. 2
Nicht beide Diagnosen ignorieren: ASS und ADHS sollten beide behandelt werden, da die Komorbidität zu schwererer Beeinträchtigung führt. 2
Psychostimulanzien sind weniger wirksam bei ASS: Die Effektgrößen sind kleiner als bei primärem ADHS, aber dennoch klinisch bedeutsam. 1, 8
Off-Label-Optionen (begrenzte Evidenz)
Antipsychotika der zweiten Generation zeigen indirekte Evidenz für signifikante Reduktion von Hyperaktivität, sind aber aufgrund des Nebenwirkungsprofils keine Erstlinientherapie für ADHS-Symptome. 1
Bupropion kann als Drittlinientherapie erwogen werden, wenn andere Optionen versagen, obwohl die Evidenz bei ASS sehr begrenzt ist. 8, 9
Alpha-2-Agonisten (Clonidin) können ähnlich wie Guanfacin verwendet werden, obwohl die Evidenz bei ASS begrenzt ist. 6, 2