Totalendoprothesen sind Duoköpfen (Hemiprothesen) überlegen
Bei älteren Erwachsenen mit fortgeschrittener Hüftarthrose sollten Totalendoprothesen (Total Hip Arthroplasty, THA) anstelle von Duoköpfen (Hemiprothesen) verwendet werden, da sie bessere funktionelle Langzeitergebnisse bieten, obwohl das Komplikationsrisiko etwas höher ist. 1, 2
Evidenz für Totalendoprothesen bei Arthrose
Die American Academy of Orthopaedic Surgeons empfiehlt THA gegenüber Hemiprothesen bei entsprechend ausgewählten Patienten, da THA einen funktionellen Vorteil bietet, allerdings mit einem erhöhten Komplikationsrisiko einhergeht (moderate Empfehlung). 1 Wichtige Auswahlkriterien für THA umfassen:
- Patienten mit höherem Aktivitätsniveau und längerer Lebenserwartung 2
- Vorbestehende Hüftarthrose als Schlüsselfaktor 2
- Patienten, die eine bessere funktionelle Erholung anstreben 2
Langzeitergebnisse und Haltbarkeit
Die European League Against Rheumatism berichtet über beeindruckende Langzeitergebnisse:
- 43,2% bis 84,1% der Patienten sind nach THA schmerzfrei bei einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 9,4 Jahren 2
- Revisionsraten liegen bei 0,18 bis 2,04 pro 100 Personenjahre (adjustiert für Alter, Geschlecht und Art der Hüftarthrose) 2
- Der Harris Hip Score verbessert sich durchschnittlich um 36% bis 46% vom Ausgangswert 2
Vergleichende Evidenz: Hemiprothesen bei Arthrose
Eine retrospektive Studie mit 227 Hemiprothesen zeigte eine Versagensrate von 29,5% über 15 Jahre. 3 Entscheidend war, dass Patienten mit Erkrankungen, die das Acetabulum betreffen (wie Arthrose), eine deutlich höhere Versagensrate bei Hemiprothesen hatten als Patienten mit rein femoralen Problemen. 3 Im Gegensatz dazu zeigten Totalendoprothesen bei Arthrose die niedrigste Versagensrate. 3
Komplikationsmanagement: Luxationsrisiko
Ein wichtiger Vorbehalt ist das Luxationsrisiko bei THA. Moderne Lösungen umfassen:
- Dual-Mobility-Komponenten reduzieren das Luxationsrisiko um 80% im Vergleich zu Standard-Komponenten mit 36-mm-Köpfen (ARR 0,20; 95% CI 0,14-0,28; p < 0,001) 4
- Keine Luxationen in einer Serie von 105 Dual-Mobility-Fällen versus 4,63% bei konventionellen 28-mm-Köpfen 5
- Kein signifikanter Unterschied im Revisionsrisiko zwischen Dual-Mobility und Standard-Komponenten (ARR 1,15; 95% CI 0,89-1,48; p = 0,293) 4
Technische Empfehlungen für optimale Haltbarkeit
Die American Academy of Orthopaedic Surgeons gibt folgende starke Empfehlungen:
- Verwendung zementierter Femurschäfte bei Patienten mit Hüftfrakturen und kompromittierter Knochenqualität (starke Empfehlung) 2, 6
- Sowohl Spinal- als auch Allgemeinanästhesie sind geeignet (starke Empfehlung) 2
- Multimodale Analgesie mit präoperativer Nervenblockade zur Schmerzbehandlung (starke Empfehlung) 2, 6
- Tranexamsäure zur Reduktion von Blutverlust und Transfusionen (starke Empfehlung) 2
Wichtiger Kontext: Irreversibilität der Arthrose
Das American College of Rheumatology stellt klar, dass Hüftarthrose nicht reversibel ist und aktuelle Behandlungen sich auf Symptomkontrolle, Schmerzmanagement und funktionelle Verbesserung konzentrieren, nicht auf strukturelle Wiederherstellung des geschädigten Knorpels. 2, 7 Dies unterstreicht, warum bei fortgeschrittener Arthrose die definitive chirurgische Lösung (THA) gegenüber einer Hemiprothese bevorzugt werden sollte, da letztere das arthrotische Acetabulum unbehandelt lässt.