Gesichtsrötung und Schwellung nach Dexamethason intramuskulär
Stoppen Sie sofort jede weitere Dexamethason-Gabe und behandeln Sie dies als potenzielle Überempfindlichkeitsreaktion mit H1/H2-Antagonisten (Diphenhydramin 50 mg i.v. plus Ranitidin 50 mg i.v.) – bei Anzeichen einer Anaphylaxie verabreichen Sie unverzüglich Adrenalin 0,2-0,5 mg intramuskulär. 1
Sofortige Beurteilung und Erstmaßnahmen
Beurteilen Sie zunächst den Schweregrad der Reaktion:
- Messen Sie sofort Vitalzeichen (Blutdruck, Puls, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung) um zwischen einer milden Überempfindlichkeitsreaktion und einer lebensbedrohlichen Anaphylaxie zu unterscheiden 1
- Prüfen Sie auf Anaphylaxie-Kriterien: Hypotonie, Bronchospasmus, Larynxödem, Atemnot, Tachykardie oder gastrointestinale Symptome zusätzlich zur Gesichtsrötung und Schwellung 1
- Sichern Sie die Atemwege durch Beurteilung von Airway, Breathing und Circulation (ABC) und Bewusstseinslage 1
Behandlung bei Anaphylaxie (schwere Reaktion)
Falls Anaphylaxie-Kriterien erfüllt sind:
- Adrenalin 0,2-0,5 mg (1 mg/ml) intramuskulär in den lateralen Oberschenkelmuskel, wiederholbar alle 5-15 Minuten bei Bedarf 1
- Kristalloide Volumentherapie: 1-2 Liter NaCl 0,9% i.v. mit 5-10 ml/kg in den ersten 5 Minuten, gefolgt von Boli à 20 ml/kg 1
- H1/H2-Antagonisten: Diphenhydramin 50 mg i.v. plus Ranitidin 50 mg i.v. 1
- Kortikosteroide: Äquivalent zu 1-2 mg/kg Methylprednisolon i.v. alle 6 Stunden (nicht Dexamethason, da dies der auslösende Wirkstoff ist) 1
- Sauerstoffgabe nach Bedarf und Lagerung in Trendelenburg-Position bei Hypotonie 1
Behandlung bei milder bis moderater Überempfindlichkeitsreaktion
Falls nur Gesichtsrötung und Schwellung ohne systemische Symptome:
- H1/H2-Antagonisten: Diphenhydramin 50 mg i.v. plus Ranitidin 50 mg i.v. 1, 2
- Kortikosteroide: Methylprednisolon 100 mg i.v. (nicht Dexamethason) zur aggressiven symptomatischen Kontrolle 1, 2
- Kombinationstherapie mit Antihistaminika und Kortikosteroiden bietet optimale Symptomkontrolle 2
- Überwachung der Vitalzeichen bis zur vollständigen Auflösung der Symptome 1
Wichtige Fallstricke und Kontraindikationen
Vermeiden Sie folgende Fehler:
- Niemals Dexamethason erneut verabreichen – dies stellt eine schwere systemische Reaktion dar, die eine permanente Kontraindikation erfordert 2, 3
- Verzögern Sie nicht die Behandlung – Überempfindlichkeitsreaktionen können rasch zu Anaphylaxie mit kardiovaskulärem Kollaps fortschreiten 2
- Verwenden Sie keine Kortikosteroide allein ohne Antihistaminika – die Kombinationstherapie ist entscheidend 2
- Beachten Sie: Kortikosteroide verhindern biphasische Reaktionen, sind aber nicht kritisch in der akuten Anaphylaxie-Behandlung 1
Nachbeobachtung und weitere Maßnahmen
Nach Stabilisierung des Patienten:
- 24-Stunden-Überwachung bei schweren Reaktionen wegen des Risikos biphasischer Reaktionen 1
- Dokumentieren Sie die Allergie prominent in der Patientenakte – Dexamethason ist absolut kontraindiziert 3, 4
- Allergologische Testung erwägen: Hauttests können IgE-vermittelte Sensibilisierung gegen Dexamethason bestätigen 3, 4
- Alternative Kortikosteroide identifizieren: Patienten mit Überempfindlichkeit gegen fluorierte Glukokortikoide (wie Dexamethason) können häufig nicht-fluorierte Alternativen wie Prednison, Prednisolon, Hydrocortison oder Deflazacort tolerieren 4, 5
- Kreuzreaktivität beachten: Betamethason zeigt häufig Kreuzreaktivität mit Dexamethason; Methylprednisolon ist meist eine sichere Alternative 4, 5
Mechanismus und Kontext
Diese Reaktion stellt höchstwahrscheinlich eine IgE-vermittelte Typ-I-Überempfindlichkeitsreaktion gegen Dexamethason dar 3, 4. Obwohl Glukokortikoide typischerweise zur Behandlung allergischer Reaktionen eingesetzt werden, können sie paradoxerweise selbst schwere allergische Reaktionen einschließlich Anaphylaxie auslösen 3, 4. Die Gesichtsrötung (Flush) und das Angioödem sind klassische Manifestationen einer solchen Reaktion 1, 3.