Intramuskuläre Antipsychotika in Akutsituationen: Verabreichung, Kombinationen und Monitoring
Verabreichungsorte für IM-Antipsychotika
Alle vier Antipsychotika (Aripiprazol, Haloperidol, Ziprasidon und Olanzapin) können sowohl gluteal als auch deltoid verabreicht werden, wobei die deltoidale Injektion in Akutsituationen bevorzugt wird aufgrund schnellerer Absorption und einfacherer Zugänglichkeit bei agitierten Patienten. 1
- Haloperidol IM: 2,5-10 mg alle 4-6 Stunden, wirksam in beiden Injektionsorten 2
- Ziprasidon IM: 10-20 mg alle 4-6 Stunden (maximale Tagesdosis 80 mg), beide Injektionsorte geeignet 2, 3
- Olanzapin IM: 5-10 mg (maximale Tagesdosis 30 mg), deltoidale oder gluteale Verabreichung möglich 2, 4
- Aripiprazol IM: 5-10 mg als Einzeldosis, beide Injektionsorte verwendbar 2
Mischen von Antipsychotika mit Lorazepam in derselben Spritze
Das Mischen dieser Antipsychotika mit Lorazepam in derselben Spritze ist kontraindiziert und sollte niemals durchgeführt werden. 2
- Ziprasidon darf nicht mit Lorazepam in derselben Spritze gemischt werden aufgrund pharmazeutischer Inkompatibilität 3
- Olanzapin darf nicht mit Lorazepam in derselben Spritze gemischt werden 2
- Haloperidol und Aripiprazol sollten ebenfalls nicht mit Lorazepam in derselben Spritze kombiniert werden 2
- Separate Injektionen sind zwingend erforderlich, wenn eine Kombination klinisch indiziert ist 2
Gleichzeitige Verabreichung (separate Injektionen) mit Lorazepam
Die gleichzeitige Verabreichung von Lorazepam mit diesen Antipsychotika ist möglich, erfordert jedoch besondere Vorsichtsmaßnahmen, insbesondere bei Olanzapin, wo das Risiko für Übersedierung und Atemdepression erhöht ist. 2, 5
Haloperidol + Lorazepam
- Diese Kombination ist etabliert und sicher in der klinischen Praxis 2
- Haloperidol 5 mg IM plus Lorazepam 2 mg IM ist eine Standardkombination 2
- Keine spezifischen Kontraindikationen für die gleichzeitige Verabreichung 2
Ziprasidon + Lorazepam
- Klinische Studien zeigen, dass Ziprasidon IM mit Benzodiazepinen ohne nachteilige Folgen verabreicht werden kann 3
- Ziprasidon 20 mg IM kann sicher mit Lorazepam kombiniert werden 2
- Diese Kombination wurde in realen Behandlungssituationen erfolgreich eingesetzt 2
Olanzapin + Lorazepam
- KRITISCHE WARNUNG: Die Kombination von IM Olanzapin mit IM Lorazepam birgt ein erhöhtes Risiko für Übersedierung, Atemdepression und kardiorespiratorische Komplikationen 2, 5
- Empfohlenes Vorgehen: Olanzapin IM 5-10 mg zunächst als Monotherapie verabreichen, mindestens 2 Stunden warten und neu evaluieren, bevor Lorazepam hinzugefügt wird 5
- Wenn Kombination notwendig, engmaschige kardiorespiratorische Überwachung erforderlich 5
- Sicherere Alternative: Orale Kombination (Olanzapin oral plus Lorazepam oral) hat niedrigeres Risiko 5
Aripiprazol + Lorazepam
- Keine spezifischen Kontraindikationen dokumentiert 2
- Vorsicht bei gleichzeitiger Verabreichung aufgrund additiver sedierender Effekte 2
Wichtige Wechselwirkungen und Kontraindikationen
Kardiovaskuläre Risiken
QTc-Verlängerung: Alle vier Antipsychotika können das QTc-Intervall verlängern 2, 6
Kontraindikationen bei kardiovaskulären Erkrankungen:
Elektrolytstörungen
- Vor Verabreichung von Ziprasidon oder Haloperidol sollten Elektrolytstörungen (insbesondere Hypokaliämie, Hypomagnesiämie) korrigiert werden 2
- Bei bestehenden Elektrolytstörungen ist Olanzapin die bevorzugte Wahl 6
Spezielle Patientengruppen
- Parkinson-Krankheit oder Lewy-Body-Demenz: Haloperidol ist absolut kontraindiziert aufgrund schwerer extrapyramidaler Symptome 2
- Ältere oder gebrechliche Patienten: Niedrigere Anfangsdosen erforderlich (Haloperidol 0,5-1 mg, Olanzapin 2,5 mg, Aripiprazol 5 mg) 2, 7
Monitoring-Anforderungen
Vor der Verabreichung (Baseline)
- EKG obligatorisch bei allen Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren oder bei Verwendung von Ziprasidon oder Haloperidol 2, 7
- Elektrolytstatus (Kalium, Magnesium) bei kardialen Risikofaktoren 2
- Vitalzeichen (Blutdruck, Herzfrequenz, Atemfrequenz) 2
Während der Akutbehandlung
Kardiorespiratorisches Monitoring:
Sedierungslevel:
Extrapyramidale Symptome (EPS):
Nach der Akutbehandlung
- QTc-Kontrolle: EKG-Wiederholung 24 Stunden nach erster Injektion, besonders bei Ziprasidon oder Haloperidol 2, 4
- Blutdruck: Überwachung auf orthostatische Hypotonie, besonders bei Olanzapin und Aripiprazol 2
- Bewegungsstörungen: Fortlaufende Bewertung bei jedem Patientenkontakt 2
Spezifische Monitoring-Parameter nach Medikament
Haloperidol:
- EPS-Monitoring bei jeder Visite (20% Risiko) 7
- QTc-Überwachung obligatorisch 7
- Prophylaktisches oder bedarfsweises Lorazepam 0,5-1 mg bei Akathisie erwägen 7
Ziprasidon:
- Engmaschige QTc-Überwachung (höchstes Risiko unter Atypika) 6, 3
- Blutdruck-Monitoring (Hypertonie als häufige Nebenwirkung) 3
- Keine routinemäßige EPS-Überwachung erforderlich (sehr niedriges Risiko) 3
Olanzapin:
- Minimales QTc-Monitoring erforderlich (niedrigstes Risiko) 6
- Überwachung auf orthostatische Hypotonie 2
- Bei Kombination mit Lorazepam: Intensive kardiorespiratorische Überwachung 5
Aripiprazol:
- Blutdruck und Herzfrequenz-Monitoring 2
- Überwachung auf Agitiertheit, Angst, Schlaflosigkeit (häufige Nebenwirkungen) 2
- Minimales EPS-Risiko 2
Häufige Fallstricke vermeiden
- Niemals IM Olanzapin und IM Lorazepam innerhalb von 2 Stunden kombinieren ohne intensive Überwachung 5
- Bei unklarer Ätiologie der Agitation (z.B. möglicher Alkoholentzug) Benzodiazepine bevorzugen 2
- Ziprasidon nicht bei bekannter QTc-Verlängerung oder unkorrigierten Elektrolytstörungen verwenden 6
- Haloperidol vermeiden bei Parkinson oder Lewy-Body-Demenz 2