Antipsychotika mit niedrigem EPS-Risiko
Clozapin und Quetiapin haben das niedrigste Risiko für extrapyramidale Symptome, gefolgt von Olanzapin, während Risperidon dosisabhängig ein höheres EPS-Risiko aufweist – bei der Auswahl sollten Sie primär Clozapin oder Quetiapin bevorzugen. 1
Rangfolge der Antipsychotika nach EPS-Risiko
Die aktuellen Leitlinien etablieren eine klare Hierarchie basierend auf dem EPS-Risiko:
Niedrigstes Risiko:
- Clozapin – minimales EPS-Risiko, gilt als Goldstandard für niedrige extrapyramidale Nebenwirkungen 1, 2
- Quetiapin – sehr niedriges EPS-Risiko, vergleichbar mit Clozapin 1, 2
Mittleres Risiko:
- Olanzapin – niedriges bis moderates EPS-Risiko 1, 2
- Ziprasidon – vergleichbares Risiko wie Olanzapin 2
Höheres Risiko (dosisabhängig):
- Risperidon – bei Dosen ≤2 mg/Tag niedriges Risiko, aber signifikant erhöhtes EPS-Risiko bei Dosen >2 mg/Tag 1, 3
Höchstes Risiko:
- Hochpotente typische Antipsychotika (z.B. Haloperidol) – sehr hohes EPS-Risiko durch starke D2-Rezeptorblockade 1, 4
Klinische Dosierungsstrategien zur EPS-Minimierung
Für Risperidon (wenn verwendet):
- Erwachsene: 2-4 mg/Tag als optimale Dosis zur EPS-Minimierung 1
- Ältere/Demenzpatienten: Start mit 0.25 mg/Tag, Maximum 2-3 mg/Tag (EPS-Risiko steigt signifikant über 2 mg/Tag) 1
- Erstmanifestation Psychose: 2 mg/Tag als Zieldosis 1
- Kinder/Jugendliche: besonders vorsichtige Dosierung wegen erhöhtem Dystonie-Risiko bei jungen Männern 1
Für Haloperidol (wenn unvermeidbar):
- Maximum 4-6 mg Haloperidol-Äquivalent bei Erstmanifestation 1
- Dosissteigerungen nur in großen Abständen (14-21 Tage nach initialer Titration) 1
Spezielle Populationen mit erhöhtem EPS-Risiko
Hochrisikopatienten identifizieren:
- Junge Männer – höchstes Risiko für akute Dystonie 1
- Kinder und Jugendliche – generell erhöhtes EPS-Risiko 1, 5
- Ältere Patienten – erhöhtes Risiko für Parkinsonismus und tardive Dyskinesie 1
- Patienten mit vorheriger Dystonie-Anamnese 1
Management-Algorithmus bei bestehenden EPS
Erste Maßnahme – Antipsychotikum-Wechsel:
- Wechsel zu Clozapin, Quetiapin oder Olanzapin als bevorzugte Strategie 1, 4
- Clozapin ist am effektivsten bei therapieresistenten Symptomen, erfordert aber Blutbildmonitoring wegen Agranulozytose-Risiko 1
Zweite Maßnahme – Dosisreduktion:
Anticholinergika nur als letzte Option:
- Nicht routinemäßig zur EPS-Prophylaxe verwenden 1, 4
- Nur bei akuten schweren Symptomen oder wenn Dosisreduktion/Wechsel versagt haben 1, 4
- Benztropin 1-2 mg IM/IV für akute Dystonie 1
- Nach Akutphase Bedarf für Anticholinergika regelmäßig reevaluieren – viele Patienten benötigen sie langfristig nicht mehr 1
Wichtige Fallstricke
Polypharmazie vermeiden:
- Antipsychotika-Polypharmazie erhöht EPS-Risiko ohne klaren Zusatznutzen 6, 1
- Vor Eskalation anticholinerger Therapie sollte das Antipsychotika-Regime vereinfacht werden 1
- Ausnahme: Aripiprazol-Augmentation zu Clozapin ist evidenzbasiert und kann Clozapin-Dosis und Nebenwirkungen reduzieren 1
Anticholinergika-Risiken beachten:
- Können paradoxerweise Agitation verschlimmern, besonders bei älteren Patienten 1, 4
- Verursachen Delir, Schläfrigkeit, kognitive Beeinträchtigung 1
- Kontraindiziert bei Glaukom, benigner Prostatahyperplasie, ischämischer Herzerkrankung 1
Tardive Dyskinesie-Risiko:
- Langzeit-Haloperidol: bis zu 50% Risiko bei älteren Patienten nach 2 Jahren 4
- Metoclopramid: 20% Risiko bei Anwendung >12 Wochen (FDA-Warnung) 1
- Regelmäßiges Monitoring mit AIMS alle 3-6 Monate erforderlich 5
Monitoring-Protokoll
Baseline und regelmäßige Kontrollen: