Weitere EPS-induzierende Substanzen
Antiemetika als Hauptursache außerhalb von Antipsychotika
Metoclopramid ist die häufigste nicht-antipsychotische Substanz, die extrapyramidale Symptome verursacht, insbesondere bei pädiatrischen und geriatrischen Patienten. 1
Metoclopramid (Dopaminantagonist)
- Akute dystone Reaktionen treten bei etwa 1 von 500 Patienten auf, typischerweise innerhalb der ersten 24-48 Stunden nach Behandlungsbeginn 1
- Das Risiko ist bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unter 30 Jahren deutlich erhöht 1
- Bei höheren Dosen (zur Chemotherapie-induzierten Übelkeit) steigt die Inzidenz dramatisch an 1
- Tardive Dyskinesie tritt bei etwa 20% der Patienten auf, die Metoclopramid länger als 12 Wochen einnehmen 1
- Die FDA warnt ausdrücklich, dass die Behandlung mit Metoclopramid 12 Wochen nicht überschreiten sollte 1
- Bei Auftreten von EPS-Symptomen muss Metoclopramid sofort abgesetzt werden 2
Prochlorperazin (typisches Antipsychotikum als Antiemetikum)
- Verursacht EPS durch starke Dopamin-D2-Rezeptor-Blockade, ähnlich wie Haloperidol 2
- Wird häufig als Antiemetikum verschrieben, wobei das EPS-Risiko oft unterschätzt wird 2
Antidepressiva als seltene EPS-Auslöser
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs)
- SSRIs können EPS verursachen, obwohl dies selten ist - am häufigsten bei Escitalopram (5 von 15 dokumentierten Fällen) 3
- EPS traten in 7 von 15 Fällen bei SSRI-Monotherapie auf, in 6 weiteren Fällen bei gleichzeitiger SSRI-Behandlung 3
- Der wahrscheinliche Mechanismus ist ein serotonerger Input in dopaminerge Bahnen 3
- Die häufigste EPS-Form bei SSRIs ist atypische Dyskinesie (6/15 Fälle), gefolgt von Akathisie (4/15 Fälle) 3
- EPS können bei jeder Dosierung auftreten und betreffen Männer und Frauen gleich häufig 3
- Das mittlere Alter bei EPS-Auftreten beträgt 54,93 Jahre 3
Trizyklische Antidepressiva (TCAs)
- TCAs können EPS verursachen, insbesondere bei höheren Dosen 4
- Das Risiko ist geringer als bei Antipsychotika, aber klinisch relevant 4
Monoaminoxidase-Hemmer (MAOIs)
- MAOIs können in Kombination mit anderen serotonergen Substanzen EPS auslösen 4
Weitere Substanzen mit EPS-Risiko
Calciumkanalblocker
- Können parkinsonähnliche Symptome verursachen, insbesondere bei älteren Patienten 4
Lithium
- Kann Tremor und andere extrapyramidale Symptome verursachen, besonders bei toxischen Spiegeln 4
Valproinsäure
- Kann Tremor und parkinsonähnliche Symptome induzieren 4
Risikofaktoren für EPS bei nicht-antipsychotischen Substanzen
Altersabhängige Risiken
- Kinder und Jugendliche haben ein deutlich erhöhtes Risiko für akute Dystonien 1, 5
- Geriatrische Patienten (>65 Jahre) haben ein erhöhtes Risiko für parkinsonähnliche Symptome und tardive Dyskinesie 1
- Neugeborene sind besonders anfällig aufgrund reduzierter NADH-Cytochrom-b5-Reduktase-Spiegel 1
Geschlechtsspezifische Risiken
- Männliches Geschlecht ist ein Risikofaktor für dystone Reaktionen, insbesondere bei jungen Männern 2
Dosisabhängige Faktoren
- Höhere Dosen erhöhen das EPS-Risiko bei allen Substanzen 1, 5
- Schnelle Dosissteigerung erhöht das Risiko für akute EPS 2
Akutbehandlung von EPS durch nicht-antipsychotische Substanzen
Erste Maßnahme
Medikamentöse Behandlung akuter Dystonien
- Diphenhydramin 50 mg intramuskulär führt meist zum Abklingen der Symptome 1
- Alternativ: Benztropin 1-2 mg intramuskulär 1, 2
- Die Besserung tritt oft innerhalb von Minuten nach der Injektion ein 2
Wichtige Warnhinweise
- Bei Metoclopramid-Überdosierung bei Kindern unter 2 Jahren ist besondere Vorsicht geboten - dies ist die Hauptursache für EPS in dieser Altersgruppe 5
- Eine klare Medikamentenanamnese verkürzt die Notaufnahmezeit signifikant 5
- Anticholinerge Medikamente sollten auch nach Absetzen der auslösenden Substanz fortgeführt werden, um verzögert auftretende Symptome zu verhindern 2