Lithium-Augmentation von Venlafaxin bei unipolarer Depression
Bei unipolarer Depression, die auf Venlafaxin nicht anspricht, ist die Augmentation mit niedrig dosiertem Lithium (300-450 mg/Tag) eine evidenzbasierte Erstlinienstrategie mit einer Ansprechrate von 51% innerhalb von 5 Wochen.
Primäre Behandlungsstrategie
Venlafaxin als Basistherapie
- Venlafaxin zeigt signifikant höhere Remissionsraten im Vergleich zu SSRIs als Klasse und sollte in einer Dosis von 300-375 mg/Tag (etwa 5 mg/kg) verabreicht werden 1, 2
- Bei therapieresistenter Depression ist der Wechsel zu Venlafaxin eine evidenzbasierte Erstlinienstrategie mit 25% Remissionsrate 1
- Das American College of Physicians empfiehlt, die Behandlung zu modifizieren, wenn nach 6-8 Wochen keine adäquate Antwort vorliegt 3
Lithium-Augmentation bei Non-Response
Wenn Venlafaxin 300-375 mg/Tag nach 6 Wochen nicht wirksam ist, fügen Sie Lithium in niedriger Dosierung hinzu:
- Dosierung: Lithium 300-450 mg/Tag (Plasmaspiegel ca. 0,33 mEq/L) 2
- Ansprechrate: 51% der Patienten zeigen nach 5 Wochen deutliche oder sehr deutliche Verbesserung 2
- Schnelles Ansprechen: 76% der Responder zeigen Verbesserung innerhalb von 7 Tagen 2
- Vorteil der niedrigen Dosis: Keine Plasmaspiegelkontrolle erforderlich, minimales Nebenwirkungsrisiko, gut verträglich 2
Die niedrige Lithium-Dosierung erhöht den Serotonin-Turnover und verstärkt die serotonerge Neurotransmission, was die Wirksamkeit der Augmentation erklärt 2.
Monitoring und Zeitrahmen
Frühe Überwachung (kritisch)
- Beginnen Sie das Monitoring innerhalb von 1-2 Wochen nach Therapiebeginn auf Suizidalität, Agitiertheit, Reizbarkeit und ungewöhnliche Verhaltensänderungen 3
- Das Suizidrisiko ist in den ersten 1-2 Monaten am höchsten 3
- Bei Lithium-Augmentation: Bewertung nach 1,2 und 5 Wochen 2
Behandlungsdauer
- Nach erfolgreicher Akutbehandlung: Fortsetzung für 4-9 Monate zur Rückfallprävention 3
- Bei rezidivierender Depression (≥2 Episoden): Längere Therapiedauer (Jahre bis lebenslang) erwägen 3
- Lithium hat einzigartige antisuizidale Eigenschaften und ist für die Langzeitprophylaxe bei rezidivierender unipolarer Depression etabliert 4
Wichtige Warnhinweise
Venlafaxin-spezifische Überlegungen
- Bei psychotischer Depression: Venlafaxin-Monotherapie ist unzureichend – Kombination mit Quetiapin (600 mg/Tag) ist evidenzbasiert notwendig 5
- Bei bipolarer II Depression: Venlafaxin-Monotherapie kann sicher sein (keine manischen Switches in Studien), aber Vorsicht ist geboten 6
- Etwa 38% der Patienten sprechen nicht auf Second-Generation-Antidepressiva an, 54% erreichen keine Remission 3
Lithium-spezifische Überlegungen
- Lithium-Monotherapie ist nicht für die Akutbehandlung der unipolaren Depression etabliert 4
- Die Augmentation mit therapeutischen Lithium-Dosen (900 mg/Tag, Spiegel 0,5-0,8 mEq/L) erfordert engmaschige klinische und Laborüberwachung 3, 2
- Die niedrig dosierte Variante (300-450 mg/Tag) minimiert diese Anforderungen 2
Algorithmisches Vorgehen
- Woche 0-6: Venlafaxin 300-375 mg/Tag
- Woche 6: Bewertung der Response
- Wenn Response: Fortsetzen für 4-9 Monate
- Wenn Non-Response: Lithium 300-450 mg/Tag hinzufügen
- Woche 7-12: Lithium-Augmentation
- Bewertung nach 1,2 und 5 Wochen
- 76% der Responder zeigen Verbesserung innerhalb von 7 Tagen
- Nach Remission: Kombination für mindestens 4-9 Monate fortsetzen
Dieser Ansatz kombiniert die überlegene Wirksamkeit von Venlafaxin mit der etablierten Augmentationsstrategie von niedrig dosiertem Lithium und bietet eine praktische, sichere und evidenzbasierte Lösung für therapieresistente unipolare Depression.