Melperon: Medikamentenprofil
Pharmakologische Klassifikation und Eigenschaften
Melperon ist ein atypisches Antipsychotikum aus der Butyrophenon-Gruppe mit niedrigem extrapyramidalem Nebenwirkungsprofil, das bei Dosen von 100-400 mg/Tag antipsychotische Wirksamkeit zeigt. 1
Wirkmechanismus und atypische Eigenschaften
- Melperon verursacht keine Erhöhung der Prolaktinspiegel im Plasma, was es von typischen Antipsychotika unterscheidet 1, 2
- Das Medikament zeigt minimale extrapyramidale Nebenwirkungen bei klinisch wirksamen Dosen 1, 2
- Es besitzt Wirksamkeit gegen negative Symptome der Schizophrenie 3
Dosierung und therapeutische Anwendung
Standarddosierung bei Schizophrenie
- Die wirksame Tagesdosis liegt zwischen 100-400 mg/Tag 1
- Studien zeigen vergleichbare Wirksamkeit bei 100 mg/Tag und 400 mg/Tag, wobei beide Dosen psychopathologische Symptome gleichermaßen verbessern 1
- Bei älteren Patienten mit Demenz wurden niedrigere Dosen von 10-300 mg/Tag verwendet 4
Anwendung bei therapieresistenter Schizophrenie
- Melperon kann bei einem kleinen Anteil neuroleptika-resistenter Patienten wirksam sein 2, 5
- Melperon sollte jedoch nicht als Alternative zu Clozapin bei therapieresistenter Schizophrenie betrachtet werden, da nur 3 von 21 Patienten in einer Fallserie erfolgreich damit behandelt werden konnten 5
- Patienten, die nicht auf Melperon ansprechen, zeigen in der Regel auch keine Reaktion auf nachfolgende Clozapin-Behandlung, was auf eine sehr ausgeprägte Therapieresistenz hinweist 2
Nebenwirkungsprofil
Metabolische und endokrine Effekte
- Keine signifikante Gewichtszunahme oder Erhöhung des Body-Mass-Index (BMI) 1, 2
- Keine Erhöhung der Prolaktinspiegel 1, 2
Neurologische Nebenwirkungen
- Keine Verschlechterung extrapyramidaler Symptome während der Behandlung 1, 2
- Keine signifikanten Veränderungen auf der Abnormal Involuntary Movement Scale (AIMS) 1
Langzeitsicherheit
- Langzeittherapie über 1-20 Jahre zeigte keine schwerwiegenden Nebenwirkungen, die eindeutig mit Melperon in Verbindung gebracht werden konnten 4
- Keine klinisch relevanten EKG-Veränderungen oder ophthalmologischen Erkrankungen bei Langzeitanwendung 4
Kognitive Effekte
Verbesserung der Exekutivfunktion
- Melperon verbessert die Exekutivfunktion, gemessen am Wisconsin Card Sorting Test (WCST-Kategorien und Prozent Perseveration) 3
- Diese Verbesserung unterstützt die Arbeits- und Sozialfunktion bei Patienten mit Schizophrenie 3
Einschränkungen
- Visuospatiale Manipulation (gemessen am WISC-R Maze) verschlechterte sich während der Melperon-Behandlung 3
- Keine signifikanten Veränderungen bei verbalem Lernen, Gedächtnis, Arbeitsgedächtnis, verbaler Flüssigkeit oder anhaltender Aufmerksamkeit 3
Klinische Positionierung
Wann Melperon in Betracht ziehen
- Bei Patienten, die ausgeprägte metabolische oder endokrine Nebenwirkungen unter anderen Antipsychotika entwickeln 1, 2
- Bei älteren Patienten mit Demenz und psychotischen Symptomen, wo ein günstiges Nebenwirkungsprofil erforderlich ist 4
- Als mögliche Option bei einem sehr kleinen Anteil therapieresistenter Patienten, die Clozapin nicht tolerieren 5
Wichtige Einschränkungen
- Melperon sollte nicht als Erstlinientherapie bei Schizophrenie verwendet werden, da die aktuellen Leitlinien andere Antipsychotika mit robusterer Evidenzbasis empfehlen 6
- Die Evidenz für Melperon basiert hauptsächlich auf kleineren Studien ohne Placebokontrolle, was Vorsicht bei der Annahme der Wirksamkeit erfordert 1
- Bei therapieresistenter Schizophrenie bleibt Clozapin die Behandlung der Wahl 6
Häufige Fallstricke
- Nicht erwarten, dass Melperon bei der Mehrheit therapieresistenter Patienten wirksam ist – nur eine Minderheit spricht an 5
- Nicht als gleichwertige Alternative zu Clozapin betrachten, da die Wirksamkeit deutlich geringer ist 5
- Trotz des günstigen Nebenwirkungsprofils zeigen Studien nur bescheidene Verbesserungen der Psychopathologie 1