Melperon: Klinisches Profil und Verschreibungsrichtlinien
Primäre Empfehlung
Melperon sollte nicht als Erstlinientherapie bei Schizophrenie eingesetzt werden, da die Evidenzbasis begrenzt ist und andere Antipsychotika über robustere Wirksamkeitsnachweise verfügen. 1
Klinische Positionierung
Wann Melperon in Betracht ziehen
Melperon kann für spezifische Patientengruppen eine Option darstellen:
- Patienten mit metabolischen oder endokrinen Nebenwirkungen unter anderen Antipsychotika – Melperon zeigt keine Prolaktinerhöhung und keine Gewichtszunahme 2, 3
- Ältere Patienten mit Demenz und psychotischen Symptomen, die ein günstiges Nebenwirkungsprofil benötigen 1
- Sehr kleine Untergruppe therapieresistenter Patienten, die Clozapin nicht tolerieren 1
Wann Melperon NICHT verwenden
- Bei therapieresistenter Schizophrenie bleibt Clozapin die Behandlung der Wahl – Melperon ist weniger wirksam 1
- In einer Fallserie wurden nur 3 von 21 Patienten mit Melperon entlassen; der Hauptgrund für das Absetzen war mangelnde Wirksamkeit 4
Dosierung und Wirksamkeit
Dosierungsbereich
- 100-400 mg/Tag – beide Dosen zeigten in einer randomisierten Studie vergleichbare Wirksamkeit 2
- Die meisten Langzeitpatienten erhielten 10-300 mg täglich 5
Wirksamkeitsprofil
- Positive Symptome: Moderate Wirksamkeit, vergleichbar mit Thiothixen in älteren Studien, aber ohne Placebo-Kontrolle 2
- Negative Symptome: Keine signifikante Verbesserung in kontrollierten Studien 2
- Kognitive Funktion: Verbesserung der exekutiven Funktionen (Wisconsin Card Sorting Test), aber Verschlechterung der visuospatial-manipulativen Fähigkeiten 6
- Therapieresistente Patienten: Nur 7 von 37 Patienten zeigten ≥20% Verbesserung im BPRS; Non-Responder sprachen auch nicht auf nachfolgendes Clozapin an 3
Nebenwirkungsprofil (Atypische Eigenschaften)
Vorteile
- Keine extrapyramidalen Symptome – keine Verschlechterung von EPS oder tardiven Dyskinesien über 6 Wochen 2, 3
- Keine Prolaktinerhöhung – wichtig für Patienten mit endokrinen Problemen 2, 3
- Keine Gewichtszunahme – kein Anstieg des BMI in Studien 2, 3
- Langzeitsicherheit: In einer Studie mit 1-20 Jahren Behandlungsdauer wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet 5
Einschränkungen
Die fehlenden metabolischen und extrapyramidalen Nebenwirkungen machen Melperon nicht zu einem wirksamen Antipsychotikum – die begrenzte Wirksamkeit bleibt das Hauptproblem 4
Praktischer Verschreibungsalgorithmus
Schritt 1: Patientenselektion
- Erwägen Sie Melperon NUR wenn:
Schritt 2: Dosierung
- Beginnen Sie mit 100 mg/Tag – höhere Dosen (400 mg) zeigen keine zusätzliche Wirksamkeit 2
- Titrieren Sie basierend auf Verträglichkeit, nicht auf Wirksamkeit
Schritt 3: Monitoring
- Nach 6 Wochen: Bewerten Sie BPRS-Scores – wenn <20% Verbesserung, erwägen Sie Wechsel zu Clozapin 3
- Überwachen Sie EPS, Prolaktin und BMI (sollten stabil bleiben) 2, 3
Schritt 4: Langzeitmanagement
- Wenn wirksam: Fortsetzen mit niedrigster wirksamer Dosis 5
- Wenn unwirksam: Wechseln Sie zu Clozapin – verzögern Sie dies nicht 1, 4
Häufige Fallstricke
- Nicht als Clozapin-Alternative betrachten – Melperon sollte nicht als gleichwertige Option bei therapieresistenter Schizophrenie angesehen werden 4
- Nicht die Dosis erhöhen bei fehlender Wirksamkeit – 100 mg und 400 mg sind gleich wirksam; höhere Dosen bringen keinen Vorteil 2
- Nicht für Negativsymptome oder Motivation verwenden – wie alle Antipsychotika verbessert Melperon diese Symptome nicht 7, 2
- Nicht die Sedierung mit therapeutischer Wirkung verwechseln – fehlende Nebenwirkungen bedeuten nicht automatisch Wirksamkeit 4